Rammingen zieht Notbremse

Thema Flexibus beschäftigt die Türkheimer Gemeinderäte erneut

In Mindelheim fährt der Flexibus schon. Rammingen weigert sich, ihn einzuführen. In Türkheim wurde diesbezüglich diskutiert.
+
In Mindelheim fährt der Flexibus bereits schon. Nun soll er auch in Türkheim an den Start gehen. Die Gemeinderäte waren sich aber jüngst uneins darüber, ob der Flexibus überhaupt Sinn macht.

Türkheim – Das Thema Flexibus wurde in den verschiedenen Stadt- und Gemeinderäten schon immer kontrovers diskutiert. Nicht zuletzt wegen der fehlenden Verknüpfung der Waben, etwa zwischen Türkheim und Bad Wörishofen, hatte der eine oder andere Kommunalrat Bauchschmerzen bei der Abstimmung. Aber sowohl in Bad Wörishofen als auch in der Marktgemeinde Türkheim standen die Signale auf Grün für das von einem Unternehmer initiierte vorgeschlagene Nahverkehrssystem, bei dem die Bürger den Bus vorbestellen können. Nun aber musste sich der Türkheimer Gemeinderat nochmals mit dem Thema beschäftigen.

„Rammingen hat die Notbremse gezogen“, beurteilte Franz Haugg die Situation. Schon bei der Abstimmung habe er Magenschmerzen gehabt, merkte der Zweite Bürgermeister der Marktgemeinde an. Denn das System Flexibus „sei gut gedacht, aber schlecht gemacht“, fand Haugg deutliche Worte mit Blick auf die Verbindung bzw. Anbindung zwischen den Gemeinden. So müsse man mit dem Flexibus, den man über ein Callcenter bestellen kann, zum Bahnhof fahren, dort in die Deutsche Bahn umsteigen, um nach Bad Wörishofen zu gelangen, wo man dann erst wieder am Bahnhof mit dem dortigen Flexibus weiterfahren könne. Wo einzelne Ortsteile der Kneippstadt und der Marktgemeinde nur wenige 100 Meter auseinanderliegen, nimmt der Flexibus einen viel größeren Umweg. Das einzige, wo der Flexibus vorteilhaft sein könnte, kritisierte Haugg, sei, wenn man mit dem Zug in den Urlaub fahren und seinen Pkw nicht am Türk­heimer Bahnhof parken wolle. Ansonsten könne man mit den 100.000 Euro, die Türkheim über fünf Jahre hinweg in das Projekt stecken muss, „was Besseres machen“.

Förderanteil sinkt

Wie berichtet, sollte der Flexibus den Knoten Türkheim-Ettringen mit den beteiligten Gemeinden Türkheim, Ettringen, Rammingen, Amberg und Wiedergeltingen bedienen und dabei auch den Bahnhof in Buchloe anfahren. Gefördert wird das System durch den Freistaat, der gestaffelt über fünf Jahre die Kosten anteilig übernimmt. Während die Förderung von anfänglich 65 auf schließlich 35 Prozent sinkt, steigt der Anteil des Landkreises gleichzeitig von 20 auf 32,5 Prozent und der der Kommunen ebenfalls von 15 auf 32,5 Prozent. Dabei hätte Türkheim anfangs 12.000 Euro, jetzt aber rund 27.500 Euro, in Summe auf die fünf Jahre gesehen etwa 110.000 Euro, zahlen sollen; Rammingen wäre im gleichen Zeitraum mit gut 23.000 Euro beteiligt gewesen. Durch den Ausstieg Rammingens muss nun die Marktgemeinde die Kosten auffangen und entsprechend rund 133.000 Euro zuschießen. Dabei wurde aber nochmals klar, dass, je besser der Flexibus angenommen wird und ausgelastet ist, desto höher das Defizit und die Kosten für die Gemeinde ausfallen werden. Auch Michaela Vaitl-Scherer meinte, dass das Konzept für die Marktgemeinde nicht attraktiv sei, insbesondere, nachdem Türkheim den Löwenanteil zahlen müsse.

Demgegenüber sprachen sich mehrere Räte, allen voran auch Bürgermeister Christian Kähler, dafür aus, das Konzept auszuprobieren; der Flexibus ist auf fünf Jahre angelegt, solange läuft auch die Co-Finanzierung. Man müsse eben Druck auf die Deutsche Bahn machen, dass deren Angebot attraktiver werde, so der Tenor und vor allem müsse der Flexibus entsprechend beworben werden. Wobei wie beschrieben, das Defizit mit der Auslastung ansteigt und Türkheim bei einer 100-prozentigen Auslastung Mehrkosten von rund 12.500 Euro stemmen müsste.

Die Hoffnung ruht nun darauf, dass die Anbindung an Bad Wörishofen verbessert wird. So votierten schließlich 15 der 21 Gemeinderäte für die vorgestellte Finanzierung, bei der Türkheim für den Ausfall Rammingens aufkommt.

Oliver Sommer

Auch interessant

Meistgelesen

Corona: Landkreis Unterallgäu erreicht erstmals Stufe „Dunkelrot“
Corona: Landkreis Unterallgäu erreicht erstmals Stufe „Dunkelrot“
Corona: Unterallgäuer Inzidenz rückläufig? Der Eindruck täuscht
Corona: Unterallgäuer Inzidenz rückläufig? Der Eindruck täuscht
Landratsamt schlüsselt auf: Wo genau im Unterallgäu das Coronavirus nachgewiesen wurde
Landratsamt schlüsselt auf: Wo genau im Unterallgäu das Coronavirus nachgewiesen wurde
Seit heute Risikogebiet: Unterallgäuer Corona-Ampel erstmals auf Rot
Seit heute Risikogebiet: Unterallgäuer Corona-Ampel erstmals auf Rot

Kommentare