Verjüngungskur

Therme Bad Wörishofen: Wiedereröffnung gewünscht – Umfangreiche Revisionsarbeiten durchgeführt

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In der Zwangspause der Therme Bad Wörishofen wurden umfangreiche Revisions- und Sanierungsarbeiten durchgeführt. Das Saunainnen- und außenbecken wurde komplett neu gefliest, die Kollegen verfugen gerade die letzten Fliesen.

Bad Wörishofen – Seit über zwei Monaten ist die Therme schon geschlossen. Ein Ende ist nicht in Sicht – zumindest nicht in Bayern, denn in Nordrhein-Westfalen dürfen Bäder und Thermen ab dem 30. Mai wieder Gäste empfangen. „Wir hoffen, dass dies ein Signal für eine baldige Öffnung der Bäder und Thermen in Bayern ist“, sagt die Geschäftsleiterin der Therme Bad Wörishofen, Birgit Ernst. Warum eine Wiedereröffnung für die Therme so wichtig ist, sie während des Stillstands doch nicht stillsteht und wie ein Hygienekonzept ausschauen könnte, verrät Ernst gegenüber dem Wochen KURIER.

Während Hotels an Pfingsten wieder öffnen dürfen und die Gastronomie bereits seit dem 18. Mai den Außenbereich bewirtschaften darf, bleiben die Bäder auf der Strecke. Für sie gibt es noch kein Öffnungsdatum, sagt Birgit Ernst. Das sei aber wichtig zu wissen, denn einige Gäste würden ihren Urlaub in Bad Wörishofen von der Therme abhängig machen. Bleibt die Therme vorerst geschlossen, verschieben die Gäste ihren Urlaub nach hinten – zum Leidwesen der Hoteliers. „Die örtlichen Hotels profitieren in erheblichem Maße von der Therme als Urlaubsangebot“, so Ernst. Auch die Stammgäste sehnen sich, wieder unter Palmen zu liegen und im Heilwasser zu baden, denn die Therme erhält von ihnen täglich zahlreiche Anfragen und Nachrichten – doch noch müssen die Gäste vertröstet werden.

Hygienekonzept entwickelt

Dabei seien die Hygienestand­ards in der Therme ohnehin schon sehr hoch, berichtet Ernst. „Wir haben zusätzlich ein umfassendes Sicherheitskonzept zur Einhaltung der Abstands- und Hygienemaßnahmen für die Wiederöffnung entwickelt. Dieses liegt der Politik seit Mitte April vor.“ Aufgrund der Größe der Therme könnten problemlos die Mindestabstände eingehalten werden, da die Besucherzahlen beschränkt und die Liegen reduziert würden. In den Saunen weisen Schilder darauf hin, dass man jeden zweiten Platz freihalten solle und in den Vital- und Gesundheitsbecken könne man die Besucheranzahl pro Becken durch ein Zählsystem regulieren und kontrollieren. Ebenfalls für eine Wiedereröffnung spreche die Altersbegrenzung, bei der nur Personen ab 16 Jahren in die Therme dürfen. „Hinzu kommt, dass laut einer Stellungnahme des Umweltbundesamtes Coronaviren im Wasser durch das Chlor inaktiviert bzw. abgetötet werden“, erklärt Ernst. Man habe gehofft, zeitgleich mit den Hotels wieder öffnen zu dürfen, wie es auch in Österreich der Fall ist. „Mit Einhaltung der Hygienestandards und Besucherbeschränkungen gibt es keinen Grund, warum die Thermen noch länger geschlossen bleiben.“

Durch die Schließung hat die Therme herbe Verluste erlitten. „Unser Geschäft wurde innerhalb nur einer Nacht von 100 auf Null abgebremst“, schildert Ernst. Und das geht natürlich nicht spurlos an einem vorbei, denn eine Therme hat weiterhin laufende Kosten, die nun auf ein Minimum reduziert wurden. Nichtsdestotrotz musste die Geschäftsleitung für 90 Prozent ihrer 250 Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden. Eine exakte wirtschaftliche Prognose, wie hoch der finanzielle Ausfall sein wird, könne man zwar noch nicht abgeben, da man keinen konkreten Öffnungstermin hätte, aber „selbst wenn wir im Sommer wieder öffnen können, rechnen wir jedoch bis zum Jahresende mit einem Defizit von über vier Millionen Euro“, sagt Ernst.

Auf Vordermann gebracht

Gleichzeitig nimmt die Therme aber gerade viel Geld in die Hand, um „die umfangreichsten Revisions- und Erneuerungsarbeiten seit der Eröffnung am 1. Mai 2004“ durchzuführen, die zum Teil sonst erst im Sommer stattgefunden hätten. Denn die Therme nutzt die Zwangspause für einen Schönheitsschlaf und eine Verjüngungskur. „Alle Böden werden überarbeitet und zum Teil erneuert“, berichtet die Geschäftsleiterin. Zudem wurde das komplette Sauna-Innen- sowie Außenbecken mithilfe des engagierten Teams neu gefliest. Einen neuen Anstrich bekommt die Therme noch dazu, Großpalmen werden um- und neugepflanzt. Das alles sei nur ohne Gästebetrieb möglich.

Ganz neu gebaut werde ein zusätzliches Sonnendeck im Sauna-See, verrät Ernst. Auch im technischen Bereich tut sich etwas: Rohrleitungen werden erneuert, Filter aufwendig saniert und die gesamte Desinfektionsanlage überholt. „Wir nehmen auch Arbeiten vor, die erst in den nächsten ein bis zwei Jahren fällig wären. Dadurch hoffen wir, die kommenden Revisionen zeitlich zu verkürzen und Verluste aus der Coronazeit wieder etwas aufholen zu können“, sagt Ernst. Da man aber vorerst wahrscheinlich nur mit einer begrenzten Besucherzahl wieder öffnen darf, würde es schwierig werden, die Monate der Schließung wieder vollständig zu kompensieren.

Größere Verluste befürchtet

Birgit Ernst befürchtet zudem, dass durch die österreichische Grenzöffnung, die für den 15. Juni geplant ist, die Sauna- und Thermengäste nach Österreich ausweichen. Daher hofft sie, dass die Therme noch vor der Grenz­öffnung wieder Besucher empfangen darf, denn „sonst hätten wir noch größere Verluste“. Da viele Urlaubsdestinationen diesen Sommer wegfallen, komme der Therme Bad Wörishofen als regionale Urlaubsalternative eine enorme Bedeutung zu.

 jb

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