"Früher habe ich noch oft den Boden geküsst"

Trotz Behinderung: Matthias Dangl hat 2.741 Kilometer mit dem Fahrrad gemeistert

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Wieder ein Etappenziel geschafft: Auf ihrer herzförmigen Strecke machte die Löwenherz-Tour Halt in Mindelheim und besuchte somit auch die Heimat von Teilnehmer Matthias Dangl (auf dem Bild mit der Karte in der Hand).
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Wieder ein Etappenziel geschafft: Auf ihrer herzförmigen Strecke machte die Löwenherz-Tour Halt in Mindelheim und besuchte somit auch die Heimat von Teilnehmer Matthias Dangl (auf dem Bild mit der Karte in der Hand).
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Wieder ein Etappenziel geschafft: Auf ihrer herzförmigen Strecke machte die Löwenherz-Tour Halt in Mindelheim und besuchte somit auch die Heimat von Teilnehmer Matthias Dangl (auf dem Bild mit der Karte in der Hand).
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Wieder ein Etappenziel geschafft: Auf ihrer herzförmigen Strecke machte die Löwenherz-Tour Halt in Mindelheim und besuchte somit auch die Heimat von Teilnehmer Matthias Dangl (auf dem Bild mit der Karte in der Hand).
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Wieder ein Etappenziel geschafft: Auf ihrer herzförmigen Strecke machte die Löwenherz-Tour Halt in Mindelheim und besuchte somit auch die Heimat von Teilnehmer Matthias Dangl (auf dem Bild mit der Karte in der Hand).
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Wieder ein Etappenziel geschafft: Auf ihrer herzförmigen Strecke machte die Löwenherz-Tour Halt in Mindelheim und besuchte somit auch die Heimat von Teilnehmer Matthias Dangl (auf dem Bild mit der Karte in der Hand).
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Wieder ein Etappenziel geschafft: Auf ihrer herzförmigen Strecke machte die Löwenherz-Tour Halt in Mindelheim und besuchte somit auch die Heimat von Teilnehmer Matthias Dangl (auf dem Bild mit der Karte in der Hand).

Mindelheim/Erisried – Wenn er nicht bei den Unterallgäuer Werkstätten anzutreffen ist, düst ­Matthias Dangl (29) wohl gerade mit dem Fahrrad durch die Region. Tagtäglich spult er etliche Kilometer ab und war trotz seiner geistigen Behinderung schon bei vielen großen Events im Sattel gesessen. Ein „Riesen-Erlebnis“ war für den Erisrieder zuletzt auch die Löwenherz-Tour, bei er in einer Neuner-Gruppe insgesamt 2.741 Kilometer quer durch die Bundesrepublik radelte.

In Braunschweig fiel am 19. August der Startschuss der achttägigen Tour, bei der fleißig Spenden für ein Pflegeheim in Goslar gesammelt wurden – dieses war zuletzt durch ein Hochwasser stark in Mitleidenschaft gezogen worden und brauchte dringend Gelder für eine Sanierung, an der sich nun die neunköpfige Radler-Truppe beteiligen wollte. 200 Euro kamen dabei auch aus Mindelheim, denn auch die Frundsbergstadt war eines der Etappenziele.

Als die Löwenherz-Radler Richtung Unterallgäu unterwegs waren, habe Matthias Dangl, der als einziger Mindelheimer mitradelte, schon ein wenig Stolz verspürt. Andererseits sei es aber auch ein komisches Gefühl gewesen, nach so vielen Kilometern in die Heimatstadt zu radeln und dort nur Zwischenstation zu machen. Schließlich habe er ja auch nicht im eigenen Bett übernachtet sondern sei bei der Gruppe geblieben, die das MN Hotel für die nächtliche Bleibe auserkoren hatte – mit Blick vom Zimmer auf die Mindelburg.

Zuvor war die Gruppe feierlich am Marienplatz empfangen worden. „Da gab es für Matthias kein Halten mehr“ erzählt Mutter Marianne Dangl. Etwas früher als geplant – gegen 16.50 Uhr – schlugen die Fahrer vor dem Rathaus auf und wurden zunächst von Trommlern und Pfeifern des Spielmannszugs begrüßt, die ansonsten bekanntlich beim Frundsbergfest aktiv sind. Josef Hämmerle, der die Mindelheimer Radler des Velo Clubs und der Unterallgäuer Werkstätten bei nahezu sämtlichen Veranstaltungen als Trainer begleitet, hatte für die Löwenherz-Radler Leberkäs und Getränke organisiert. Was Matthias Dangl besonders ungewöhnlich fand: Einer der Fahrer suchte nach spontaner Abkühlung und sprang kurzerhand in den Marienbrunnen. „Sowas hab ich echt noch nie gesehen“, lacht der 29-Jährige. Bis 19 Uhr wurden die Radfahrer noch auf dem Marienplatz gefeiert und beklatscht – und das trotz der einsetzenden Müdigkeit, denn schließlich waren die Fahrer an diesem Tag schon um halb 4 aus einem Berliner Vorort losgefahren.

Im Fokus der Löwenherz-Tour steht neben des Benefizcharakters aber nicht nur die beachtliche Kilometerzahl sondern vielmehr, dass behinderte Fahrer mit nichtbehinderten gemeinsam die Strecke meistern. Die Gesamtzahl von 2.741 Kilometern hat übrigens nicht jeder Fahrer in den Beinen. Das Prinzip der Löwenherz-Tour sieht nämlich vor, dass immer nach 100 Kilometern ein Fahrerwechsel stattfindet. Heißt: 100 Kilometer auf dem Rad, 100 im Auto und dann wieder ab aufs Rad.

Nichtsdestotrotz haben Dangl und seine Mitstreiter Bemerkenswertes geleistet, was der 29-Jährige auch noch Tage später in jeder seiner Zellen spürte: „Bissle Muskelkater“ habe ihn dazu veranlasst, seinem Körper etwas Ruhe zu gönnen und für ein paar Tage auf längere Touren zu verzichten. Das ist deshalb ungewöhnlich, weil Dangl ansonsten jeden Tag auf zwei Rädern unterwegs ist. Zu seiner Arbeitsstelle bei den Unterallgäuer Werkstätten fährt er täglich mit dem Fahrrad und auch nach Feierabend ist er überall im Unterallgäu unterwegs – nur nicht zuhause. „Daheim geht er definitiv nicht im Weg um“, meint Mama ­Marianne. Denn ihr Sohn verbringe seine gesamte Freizeit an der frischen Luft und das meistens auf dem Rad. „Das Wetter kann gar nicht so schlecht sein, dass er mal nicht fährt“, lacht sie, und ­Matthias Dangl selbst ergänzt: „Regenmantel an und fertig.“

Ansonsten hat der 29-Jährige aber auch noch andere Hobbys wie etwa Schwimmen oder im Winter Langlauf und Schlittschuhfahren. Bei gutem Wetter zieht es ihn auch häufig in die Berge – aber nicht zum Wandern. „Damit hab ich´s nicht so“, sagt er. Natürlich müsse auch in höheren Lagen das Fahrrad dabei sein.

Das kann es übrigens sogar an seinem Arbeitsplatz bei den Unterallgäuer Werkstätten – nicht nur im Sinne eines „Dienstwagens“ sondern auch für den Sport mit Kollegen. Einmal wöchentlich ist nämlich nach Dienst­ende ein gemeinsames Training angesagt, auf das sich Dangl schon immer mächtig freut. An diesem Tag wird dann nur bis 12 Uhr gearbeitet, danach gibt´s Mittagessen und schon um 13 Uhr sitzen alle gemeinsam auf dem Sattel. Bevor es aber soweit ist, bedient der Erisrieder diverse Maschinen in seinem Bereich Metall-Montage – stanzt, schleift und fräst. „Dort ist Matthias gut aufgehoben“, weiß seine Mutter. Auch wenn er gern zur Arbeit geht: Noch lieber sitzt Matthias Dangl aber auf dem Fahrrad.

Dass das nicht immer so war, dazu hat Mama Marianne auch noch eine Anekdote parat. Als Matthias sechs Jahre alt war, habe noch wenig auf sein Radler-Talent hingedeutet. „Da habe ich noch oft den Boden geküsst“, kann er heute über seine Stürze lachen. Jetzt freut sich auch schon wieder auf die nächsten Herausforderungen. Ob er nochmal eine Löwenherz-Tour mitradelt, weiß Dangl allerdings noch nicht. Ansonsten ist der junge Mann sicherlich auch in der hiesigen Region in verschiedenen Gemeinden immer wieder anzutreffen – selbstverständlich auf zwei Rädern.

Marco Tobisch

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