Allmählich Verbesserung

Trotz Corona-Pandemie gibt es erste Lichtblicke auf dem Arbeitsmarkt

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Vor allem die Gastronomie und die Hotellerie haben im letzten Monat wieder mehr Personal eingestellt.

Unterallgäu – Trotz der Corona-Pandemie vermeldet das Unterallgäu weiterhin die niedrigste Arbeitslosenquote im Allgäuer Bezirk der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. Und dennoch ist sie mit einer Quote von 2,5 Prozent um ein knappes Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Doch die Lockerungen wirken sich auch auf den Arbeitsmarkt aus, der sich allmählich wieder erholt.

Über viele Jahre war der Juni einer der Monate, in denen die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf im Allgäu neben dem Oktober am niedrigsten war. Auch wenn in den letzten Tagen und Wochen verschiedene Einschränkungen gelockert wurden, belastete die Corona-Pandemie das Geschehen auf dem Arbeitsmarkt weiterhin. Gut 4.500 Frauen und Männer waren aktuell mehr arbeitslos gemeldet als im Juni des vergangenen Jahres. Die Zahl der Menschen, die in Betrieben verkürzt arbeiteten, blieb weiter hoch und doch zeigten sich erste Lichtblicke, denn im Vergleich zum Mai waren letzten Monat knapp 520 Menschen weniger arbeitslos gemeldet. Entsprechend ging die Arbeitslosenquote im Monatsvergleich um 0,2 Prozentpunkte auf 3,3 Prozent im gesamten Agenturbezirk zurück.

Ein Grund: Betriebe stellten mehr neue Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung als wenige Wochen zuvor. „Die Lockerungen insbesondere im Bereich der Hotellerie und Gastronomie haben den Arbeitsmarkt in den Tourismushochburgen entlang der Berge und am Bodensee belebt. Zahlreiche Einstellungen waren die Folge und das führte zu einem Rückgang bei den arbeitslos gemeldeten Menschen. In anderen Branchen konnten manche Betriebe den Umfang der Kurzarbeit ebenfalls bereits reduzieren“, sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. „Erfreulich ist auch die Zunahme bei neuen Stellenangeboten, die Betriebe zur Besetzung herein gegeben haben. Der Arbeitsmarkt bietet durchaus Chancen auf eine neue Beschäftigung, auch wenn der Bedarf an Arbeitskräften den des Vorjahres noch längst nicht erreicht.“

Neue Stellen dank Tourismus

Obwohl bei der Arbeitslosenquote der Abstand zu früheren Jahren weiter beträchtlich bleibt, zeigt sich zum Vormonat eine erste Verbesserung. Während Arbeitgeber im Vormonat 640 Beschäftigungsmöglichkeiten neu zur Verfügung gestellt hatten, waren es aktuell mehr als 760 Stellenangebote. Im Monatsvergleich bedeutet dies einen Zuwachs um knapp 20 Prozent. Einen gewichtigen Anteil hatten dabei Hotellerie und Gastronomie, denn coronabedingte Einschränkungen fielen weg. Das ermöglichte diesen Branchen auch einen Neustart bei der Mitarbeiterbeschäftigung. Knapp 50 neue Arbeitsstellen in der Beherbergung und 40 im Gastrogewerbe bildeten zusammen mit annähernd 50 Angeboten für Köche eine gute Basis und führten zu einer leichten Entspannung auf diesem Teilarbeitsmarkt. Der Kräftebedarf konzentrierte sich dabei auf die Tourismusregionen des südlichen Oberallgäus, der Region Füssen und des Landkreises Lindau.

Aktuell haben im Juni mit 1.737 Frauen und Männer deutlich mehr Menschen als im Monat zuvor eine neue Beschäftigung aufgenommen und damit ihre Arbeitslosigkeit beendet. Viele von ihnen sind in der Hotellerie und Gastronomie tätig und kehrten in den Betrieb zurück, bei dem sie zuletzt gearbeitet hatten.

Daneben meldete der Logistiksektor 50 neue Arbeitsplätze. Das bedeutete eine Verdoppelung des Kräftebedarfs im Vergleich zum Vormonat. Erziehungskräfte, sowie Mitarbeiter in Arzt- und Zahnarztpraxen waren ebenfalls stärker gefragt. Für Verkaufstätigkeiten nahm die Nachfrage ebenfalls etwas zu, ähnliches galt für verschiedene Handwerksberufe wie Klempner und Mitarbeiter in der Holzbearbeitung. Waren im Mai annähernd 13.500 Frauen und Männer arbeitslos, so reduzierte sich diese Zahl im Juni um knapp 520 Menschen auf etwas mehr als 12.950 Kräfte.

Seit Beginn des coronabedingten „Lockdowns“ haben Unternehmen in den Monaten März bis Mai in etwas mehr als 8.000 Fällen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt, wovon in etwa 106.000 Beschäftigte betroffen waren. Im Juni teilten nur noch gut 100 Betriebe verkürztes Arbeiten aus konjunkturellen Gründen der Arbeitsagentur mit.

Gut abgeschnitten

Das Unterallgäu schneidet im Vergleich zu den anderen Gebietskörperschaften am besten ab.

Auch wenn das HoGa-Gewerbe in Lindau und Füssen für Beschäftigung sorgte, konnte das den Abstand zum Juni des vergangenen Jahres nicht kompensieren. Und die Regionen Kempten und Memmingen sind stärker von Betrieben des verarbeitenden Gewerbes geprägt. Hier ist von einer merklichen Belebung noch wenig zu spüren. Der Wirtschaftsraum Kaufbeuren vermerkt mit einer Steigerung um 0,9 Prozentpunkte gemeinsam mit der Region Mindelheim den niedrigsten Zuwachs an Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr. Der Wirtschaftsraum Mindelheim erreichte im Übrigen mit 2,8 Prozent erneut die niedrigste Arbeitslosenquote im Agenturbezirk. Von allen 71 Landkreisen und 25 kreisfreien Städten in Bayern hat das Unterallgäu die fünft­niedrigste Arbeitslosenquote.

In den Sommermonaten Juli und August meldete sich in der Vergangenheit eine ganze Reihe junger Menschen nach Abschluss ihrer schulischen und betrieblichen Ausbildung vorübergehend arbeitslos. Die nächsten Wochen zeigen, in welchem Umfang die wirtschaftlichen Unsicherheiten dieses Mal den Arbeitsmarkt beeinflussen. Die 1.300 Bewerber, die derzeit noch keine Ausbildung oder eine Alternative gefunden haben, können theoretisch aus mehr als 2.500 Lehrstellen wählen, die nach Angaben der Unternehmen noch nicht besetzt sind.wk

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