„Schwere Corona-Auswirkungen besser im Griff“

Trotz hoher Inzidenz: Landrat Eder sieht Fortschritte im Kampf gegen Corona

Corona Impfung
+
53.000 Impfungen wurden inzwischen in den beiden Impfzentren in Bad Wörishofen und Memmingen durchgeführt, 10.000 weitere von Unterallgäuer Haus­ärzten.
  • Marco Tobisch
    VonMarco Tobisch
    schließen

Unterallgäu – Während die Inzidenzkurve zuletzt deutschlandweit fiel, gab es im Unterallgäu zum Wochenende hin einen Anstieg: Nachdem der Wert am Mittwoch einen Tag lang die 200er-Marke unterschritten hatte, sorgten neue Positivtests für einen abermaligen Anstieg. Angesichts der deutlich niedrigeren Werte in umliegenden Landkreisen sagte Landrat Alex Eder bei der Dienstbesprechung der Unterallgäuer Bürgermeister am Donnerstag: „Im Unterallgäu scheint es gar nicht mehr aufzuhören.“

91 Neueinträge im Unterallgäu hatte das Robert-Koch-Institut am Donnerstag gemeldet, der Inzidenzwert im Landkreis wurde damit schnell wieder über die 200er-Marke katapultiert. Etwas neidisch blicke er deshalb auf umliegende Landkreise, wo die Inzidenzwerte größtenteils deutlich niedriger sind, erklärte Landrat Eder. Vergleiche mit anderen Regionen könne man aber kaum machen.

Dass der Wert wieder angestiegen ist, führt das Gesundheitsamt auf mehrere Gründe zurück. Unter anderem gab es nach längerer Pause wieder einen Ausbruch in einem Unterallgäuer Seniorenheim, wo 20 Bewohner und zehn Mitarbeiter positiv getestet wurden. Was zunächst verwundert: Zehn der positiv Getesteten sind bereits gegen Corona geimpft. Das Landratsamt erklärt dazu: „Es gibt auch bei einer Impfung keinen hundertprozentigen Schutz.“ Die gute Nachricht aber sei, wie Sprecherin Eva Büchele aufklärt: „Wenn es einen erwischt, dann meist mit einem milden Verlauf. Das hat sich bis jetzt auch in dieser Senioreneinrichtung so bestätigt.“ Überhaupt seien die schweren Corona-Krankheitsverläufe im Landkreis stark zurückgegangen, sagt Landrat Eder: Während im Februar binnen einer Woche 17 Unterallgäuer im Zusammenhang mit Corona verstorben waren, seien es in den letzten neun Wochen noch etwa zwei Menschen pro Woche im Schnitt gewesen. „Das spricht dafür, dass wir schwere Auswirkungen besser im Griff haben und ein Impferfolg da ist.“

Dennoch seien die Intensivstationen in der Region weiter stark belastet und hätten ihre Patienten teils „weit abverlegen müssen“, so Eder. Im Klinikverbund Allgäu lagen am gestrigen Freitag 14 Menschen mit Corona auf der Intensivstation, drei von ihnen in Mindelheim. Dass hier kaum Entlastung zu spüren sei, liege auch daran, dass die Patienten tendenziell jünger würden und der „Kampf um den Menschen“ schlichtweg länger dauere, so Eder. „Im Februar sind ältere Patienten schneller verstorben. Das meine ich nicht abwertend, denn es ist um jeden Einzelnen fürchterlich.“ Eine leichte Entlastung sei derweil beim Rettungsdienst zu verzeichnen, der inzwischen weniger Fahrten zu bewältigen habe, so Eder.

Schnelltest-Angebot wächst weiter

Auch die deutlich erhöhte Zahl an Corona-Tests in Schulen habe den Inzidenzwert wachsen lassen, meint der Landrat. Überhaupt habe der Landkreis „mit Tests viel unternommen“, denn die Ausweitung dieses Angebot sei auch im Hinblick auf weitere Öffnungsschritte sinnvoll – insbesondere, wenn die Öffnungen an Negativ-Nachweise gekoppelt seien. Inzwischen gibt es an 28 Orten im Unterallgäu Anlaufstellen für Schnelltests sowie in Erkheim und am Flughafen ein Angebot für PCR-Tests. Auch die Apotheken wolle man fragen, ob sie PCR-Tests ins Angebot aufnehmen, kündigte Eder am Donnerstag an.

Stärkste Waffe im Kampf gegen Corona dürften aber wohl die Impfungen sein. 53.000 Impfungen wurden inzwischen in den beiden Impfzentren in Bad Wörishofen und Memmingen durchgeführt, 10.000 weitere von Haus­ärzten. Insgesamt haben rund 14.700 Unterallgäuer schon ihre zweite Impfung erhalten. Die Kapazität stehe und falle dabei mit der zur Verfügung stehenden Zahl der Impfdosen, wie Landrat Eder erklärte. „Im Impfzentrum würde noch mehr gehen. Wir verimpfen bereits alles, was wir kriegen.“

Von Impfstoff-Lieferungen limitiert

Auch der Impfbus ist inzwischen unterwegs und klappert vor allem Unterallgäuer „Randgemeinden“ ab, die einen weiten Anfahrtsweg ins Impfzentrum hätten. Bernhard Kerler, Bürgermeister von Bad Grönenbach, regte an, ob dieser nicht auch in Gewerbegebiete fahren und in Betrieben impfen könnte? Da der Bus seinen Impfstoff aber aus den Impfzentren bezieht, sei neben dem Personal auch der Impfstoff hier wieder der „limitierende Faktor“, erklärte Alex Eder.

Als weitere Stütze für die Impf­offensive sollen voraussichtlich ab Juni Betriebsärzte gegen Corona impfen dürfen. Zehn Betriebe hat das Bayerische Gesundheitsministerium für Modellprojekte ausgewählt – darunter aus der Region auch Magnet-Schultz aus Memmingen. Minister Klaus Holetschek erklärte dazu: „Uns ist wichtig, vor allem den Firmen und Unternehmen ein erstes Impfangebot zu machen, die auf eine Tätigkeit in Präsenz angewiesen sind und Homeoffice nicht oder nur eingeschränkt umsetzen können.“ Auch die Firma Grob wäre bereit: „Unsere werkärztliche Abteilung ist organisatorisch so aufgestellt, dass wir bei ausreichend vorhandenem Impfstoff sofort über 100 Impfungen pro Tag durchführen könnten“, hatte Betriebsarzt Dr. Peter Pawlitzki erst kürzlich auf Nachfrage gesagt. Laut Grob sollen einer internen Abfrage zufolge 80 Prozent der Mitarbeiter impfbereit sein.

Marco Tobisch

Was Sie auch interessieren könnte:
Ab Montag gibt es in Mindelheim eine weitere Teststation für Corona-Schnelltests
Entwarnung in den Unterallgäuer Impfzentren nach einer Bombendrohung

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Raucherpause mit Folgen: Zigarette löst Garagenbrand in Mindelheim aus
MINDELHEIM
Raucherpause mit Folgen: Zigarette löst Garagenbrand in Mindelheim aus
Raucherpause mit Folgen: Zigarette löst Garagenbrand in Mindelheim aus
RTL-Dessous-Show als Sprungbrett?
MINDELHEIM
RTL-Dessous-Show als Sprungbrett?
RTL-Dessous-Show als Sprungbrett?

Kommentare