Konstituierende Sitzung

Türkheim: Gudrun Kissinger-Schneider und Franz Haugg als Bürgermeister-Vize gewählt

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Türkheims neue Gemeinde-Spitze (vorne v. rechts): Bürgermeister Christian Kähler mit seinen Stellvertretern Gudrun Kissinger-Schneider und Franz Haugg

Türkheim – Nach acht Jahren bekommt die Marktgemeinde neue stellvertretende Bürgermeister. Beide Personalien spiegeln das gute Abschneiden von Freien Wählern und Grünen wider, künftig werden Gudrun Kissinger-Schneider (gewählte Dritte) und Franz Haugg den noch zwei Jahre amtierenden Rathauschef Christian Kähler vertreten und unterstützen. Vereidigt wurden auch neun neue Gemeinderäte, unter anderem auch der Wählervereinigung Türkheim, die erstmals zur Wahl angetreten war.

Mit einem „es war eine tolle Zusammenarbeit“ bedankte sich Christian Kähler gleich zu Beginn der konstituierenden Gemeinderatssitzung bei seinen beiden bisherigen Stellvertretern Walter Fritsch (SPD) und Josef Vogel (FW). Beide hätten ihn sehr gut vertreten, bemerkte Kähler, sei doch die Koordination von mehreren Terminen anders nicht möglich. Allerdings fügte er an, künftig noch mehr als bisher die Vertretung auch dazu nutzen zu wollen, die eine oder andere Pause für sich selbst zu schaffen.

Mit den neugewählten Stellvertretern bekommt Kähler allerdings nicht nur versierte sondern auch, geht man nach dem Wahlergebnis, beliebte Gemeinderäte. So lag etwa Gudrun Kissinger-Schneider mit 1.787 auf Platz drei hinter Josef Vogel und Franz Haugg, mit über 2.100 Stimmen deutlichster Gewinner der Kommunalwahlen. Entsprechend setzte sich Haugg auch souverän gegen die Vorschläge von SPD (Walter Fritsch) und CSU (Anne Huber) durch und musste gegen Peter Ostler von der Wählervereinigung Türkheim ins Stechen; die Gruppierung um Michaela Vaitl-Scherer hatte auf Anhieb vier Mandate geholt.

SPD & CSU gehen leer aus

Jens Gaiser (CSU) hatte seine Fraktionskollegin ins Spiel gebracht und darauf bestanden, dass seine Fraktion (fünf der 20 Sitze) den Zweiten Bürgermeister stellen sollte; dem folgte die Mehrheit der Gemeinderäte bei der Abstimmung aber nicht und schickte Haugg und Peter Ostler (WVT) ins Stechen. Auch bei der Wahl zum zweiten Stellvertreter unterlag Huber, ebenso wie der SPD-Kontrahent Markus Schäffler und der nochmals vorgeschlagene Ostler gegen die langjährige Gemeinderätin Gudrun Kissinger-Schneider, die bei der Kommunalwahl nochmals zulegen und weitere 1.000 Stimmen auf sich vereinigen konnte.

Der neue Türkheimer Gemeinderat hat seine Arbeit aufgenommen. Vereidigt wurden zwei neue Bürgermeister-Stellvertreter sowie, hier zu sehen, neun neue Gemeinderäte.

In einer Stellungnahme gegenüber dem Wochen KURIER brachten die gewählten Stellvertreter ihre Freude und auch Dankbarkeit für das in sie gesetzte Vertrauen zum Ausdruck. So meinte Franz Haugg (FW), die Wahl sei nicht nur spannend, sondern auch überraschend gewesen und „spiegelt das Wahlergebnis wider und das freut mich besonders“.

Erstmals war die Wahl der Stellvertreter „ohne Absprache unter den Fraktionen, was früher üblich war“, durchgeführt worden. Nicht zuletzt deshalb hatten wohl auch vier Fraktionen Kandidaten für beide Posten ins Rennen geschickt. „Sehr wichtig ist, dass eine Frau wieder eine Stellvertreter-Position ausfüllt“, meinte Haugg und fügte noch hinzu, dass die Freien Wähler „mit Christian Kähler schon immer eine gute Zusammenarbeit“ gepflegt hätten und man sich deshalb auf die nächsten sechs Jahre freue.

Wie Haugg auch thematisierte Gudrun Kissinger-Schneider die Zahl der Wähler, die ihr und Haugg das Vertrauen geschenkt hatten. Kissinger-Schneider: „Es hat mich riesig gefreut, dass mir so viele Kolleginnen und Kollegen vertrauen“. Und es sei wohl bitter, dass CSU und SPD gleich mehrere herbe Verluste hätten hinnehmen müssen. „Aber beide haben ja bereits bei der Wahl Stimmen und Mandate verloren“, so die Gemeinderätin. „Im Gegenteil dazu haben die Grünen zugelegt und ich persönlich das drittbeste Stimmenergebnis in Türkheim erzielt. Auch der Zuspruch ihrer beiden Fraktionskollegen und vieler Freunde hätten sie motiviert, als Kandidatin für das Dritte Bürgermeisteramt anzutreten. Sie sei sich der Ehre, aber auch der Verantwortung, die dieser Posten mit sich bringe, bewusst und wolle ihn bürgernah ausüben, sagte Kissinger-Schneider.

Ortsplanung geht an Grüne

Ein weiterer Erfolg für die Fraktion der Grünen sei, dass man ein gesondertes Referat „Mobilität“ habe durchsetzen können. Newcomer Tobias Specht, der erst im vergangenen Herbst die Fraktion übernommen hatte, darf sich hier engagieren, Fraktionskollegin Anna-Kristin Josten (Grüne) wird das Amt der Referentin für Ortsplanung und die Bauleitgruppe übernehmen. Als Architektin bringe sie dafür beste Voraussetzungen mit, sagte Kissinger-Schneider, die bedauerte, dass ihr Antrag, einen (vorberatenden) Ortsentwicklungs- und Wirtschaftsförderungsausschuss einzuführen, gescheitert war. „Die vielen Aufgabenbereiche, die in ihm behandelt werden sollten, müssen wieder nebenbei aufgegriffen werden“ so Kissinger-Schneider. Dadurch werde ein kreatives, vorausschauendes und fraktionsübergreifendes Agieren, „wie wir uns das gewünscht hätten“, erschwert. So müsse „mühsam im großen Plenum diskutiert werden“, was nicht unbedingt zielführend sei. Man werde aber weiterhin Themen wie etwa eine nachhaltige Ortsentwicklung oder die Leerstandssituation auf die Tagesordnung bringen.

13 Referate

Neben dem Rechnungsprüfungsausschuss, der mit dem Bürgermeister und sieben weiteren Gemeinderäten besetzt wurde, gibt es wieder einen Bauausschuss, ebenfalls geleitet vom Ersten Bürgermeister und mit sieben Gemeinderäten. Darüber hinaus werden spezifische Themen in den 13 Referaten diskutiert, neben dem erwähnten „Verkehr und Mobilität“ gibt es beratende Referenten für die Themen Landwirtschaft und Gemeindewald, Ortsplanung, Straßen und Wege sowie Handwerk, Industrie, Handel und Jahrmarkt, ein Referat Finanzangelegenheiten, zum Thema Wasser, Abwasser, Strom- und Gasversorgung sowie Natur- und Umweltschutz, das sich auch auf Anlagen, Ehrenmale und Friedhöfe erstreckt. Schließlich wurden auch noch Experten für die Themen Kindergärten, Feuerschutz und Personalangelegenheiten sowie ­Sozialwesen und Altenbetreuung, Jugend und Schulwesen und für das Vereinswesen, Kultur und Heimatpflege bestimmt.

Oliver Sommer

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