LEW TelNet berichtet dem Gemeinderat

Türkheim: So wurde beim Breitbandausbau „geschlampt“

Breitbandausbau Glasfaser Türkheim
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Mittlerweile sollten alle offenen Kabel-Baustellen geschlossen sein. Nachzügler will die LEW TelNet bis zum Frühjahr 2021 schließen. Probleme macht die in Teilen schlampige Ausführung bis heute, seitens LEW TelNet sollen aber alle Probleme beseitigt werden.
  • Marco Tobisch
    VonMarco Tobisch
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Türkheim – Türkheim-Rammingen gehört wie drei weitere Hot­spots zu den Pilotregionen, in denen der Stromanbieter LEW mit seiner Tochter TelNet den Ausbau des schnellen Internets bzw. des Breitbandnetzes mit bis zu einem Gigabit Übertragungsvolumen (pro Sekunde) vorantreiben will. In der jüngsten Gemeinderatssitzung resümierte Johannes Stepperger über das bislang Vollbrachte. Dabei muss der Telekommunika­tionsanbieter aber erst einmal offene Baustellen zu Ende bringen. Der Ausbau des schnellen Breitbandnetzes mit Glasfaserkabel lässt sich LEW TelNet einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in Schwaben kosten.

Aus Sicht Johannes Steppergers ist es eine Erfolgsstory: Seit nicht ganz 25 Jahren ist der Stromversorger mit seiner Telekommunikationstochter TelNet am Markt und hat 250 Kommunen mit Breitband versorgt. Allein für den Anschluss ans schnelle Internet mit bis zu einem Gigabit pro Sekunde (oder über 1.000 Mbit/s) investiert TelNet einen zweistelligen Millionenbetrag, wie Stepperger den Gemeinderäten erklärte. Während im Privatbereich, also für Haushalte, eine Bandbreite von bis zu einem Gigabit ausreicht, benötigen Unternehmen und Selbstständige deutlich mehr als ein Gigabit, um etwa Daten zu versenden oder eine Produktion aufrechtzuerhalten. Insbesondere im Homeoffice müssen die Mitarbeiter deutlich größere Datenmengen bearbeiten und benötigen entsprechend große und schnelle Übertragungsraten.

Nachdem die Nachfrage entsprechend gestiegen sei, so Steppberger, habe man die richtige Entscheidung getroffen, indem man nicht länger auf Kupfer sondern auf das zukunfts­trächtige Glasfaserkabel setze. Daher sei Türkheim-Rammingen auch eine Pilotregion für LEW TelNet. Der Glasfaserausbau mit „LEW Highspeed“ ist eine Initiative der LEW-Gruppe. Dabei biete man den Kunden Internet, Telefonie und Fernsehen über Glasfaser. Dafür werde das eigene Glasfasernetz in den LEW Highspeed-Kommunen bis in alle Haushalte erweitert und die LEW trage die Investitionen für den Ausbau des Glasfasernetzes.

Auch wenn die Resonanz über den Ausbau sehr positiv sei, wie Stepperger weiß, sei doch einiges schiefgelaufen, gestand der Geschäftsführer ein. Bis Mitte dieses Jahres waren Subunternehmer der Firma Vitronet zugange, die teilweise nicht sehr akkurat gearbeitet hatten, wie sich im Laufe der Diskussion herausstellte. So wurden zunächst der Gemeinde bzw. der Verwaltung und über diese auch LEW TelNet diverse Missstände offenbart. Von TelNet mit den Arbeiten beauftragt, hatte Vitronet aus Essen die Arbeiten wiederum an Subunternehmer, namentlich die Firmen Arslan Bau und Krono Bau, vergeben, deren Brigaden die Leitungen unter die Erde verlegen sollten. Eine Qualität, die eindeutig nicht den Ansprüchen von TelNet entspreche, wie ­Stepperger deutlich machte. Insbesondere beim Einbau der Kabel und das Schließen der Gräben hatten die Firmen „geschlampt“, etwa den Boden nicht genügend verdichtet, so dass sich dieser bereits über dem Kabel gesetzt hat. Auch im Umfeld waren die Arbeitskolonnen nicht gerade leichtfüßig zugange, zerstörten sie doch mit den Abgasen der Bagger Hecken und Gebüsche bzw. auch Randsteine. Selbstverständlich komme LEW für die Schäden auf, machte ­Stepperger klar.

Irsinger bekommen Aufschub

Derzeit beseitige die Firma Krono Bau als Nachunternehmer die Schäden. Auch sind deren Leute damit beauftragt, Nachzügler anzuschließen. Das war ebenfalls ein Schwerpunkt der Nachfrage, wurden vor allem die Irsinger von der Bekanntmachung durch M-Net, das dortige Netz aufzugeben, überrascht. Man finde hierfür eine Lösung, versprach ­Stepperger und stellte in Aussicht, dass das Angebot, für 399 Euro ans Glasfasernetz angeschlossen zu werden, auf jeden Fall bis Ende des Jahres weiter gelte. Für die Irsinger werde man dieses Angebot voraussichtlich bis April kommenden Jahres verlängern. Und Stepperger machte klar, dass kein Kunde zwei Verträge bezahlen müsse. Wer derzeit noch anderweitig gebunden sei, wechsle eben entsprechend später zu TelNet.

Besondere Fälle, wie sie ein Gemeinderat kennt, fallen künftig in die Zuständigkeit von ­Florian Eisenbarth, den TelNet als Ansprechpartner für die Arbeiten eingesetzt hat. Man sei derzeit dabei, die Mängel – bis zu zehn pro Woche – zu beseitigen. Auch würden alle Nachzügler bis Ende April kommenden Jahres am neuen Breitbandnetz hängen, versicherte Eisenbarth. Erst dann werden die Arbeiten abgenommen. Ab da beginnt dann auch die Uhr für eventuelle Gewährleistungsansprüche zu ticken. Eisenbarth machte klar, dass zwei Winter ausreichen würden, um zu erkennen, dass es Probleme mit der Verdichtung des Bodens bzw. Asphaltierung geben könnte. Fünf Jahre lang müsse die bauausführende Firma nachbessern, wenn es Probleme mit ihrer Arbeit gibt. Über eine Entschädigung für die Arbeit der Verwaltung wollten zwar die Räte reden – immerhin hätte das Baumamt die Schäden begutachten müssen – seitens der LEW verwies man aber auf die Investition an sich. Immerhin, das wurde im Verlauf der Diskussion deutlich, stehen Bürgermeister Christian Kähler und Stepperger in engem Kontakt und regem Austausch.

Oliver Sommer

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