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Ein Türkheimer fängt in El Paso

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Von: Thomas Ernstberger

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Beim „El Paso Locomotive FC“ als Torhüter aktiv: der gebürtige Türkheimer Philipp Beigl.
Beim „El Paso Locomotive FC“ als Torhüter aktiv: der gebürtige Türkheimer Philipp Beigl. © EPLFC

Türkheim – In der Jugend hütete er das Tor des SV Salamander Türk­heim – jetzt hat er in Texas sein privates und sportliches Glück gefunden: Philipp Beigl. Woran denken Sie, wenn sie El Paso hören? Richtig: An Western wie „Die Stadt der Rechtlosen“, an Wüste, an ­Kojoten, an den Rio Grande, an Indianer und vielleicht die Grenze zu Mexiko. Aber sicher am allerwenigsten an Fußball. 

Und doch wird dort, im Südwesten der USA, Fußball gespielt. Und das sogar mit einem Türkheimer im Tor. „Phil-ipp BYE-gull“ wird er ausgesprochen – so liest man’s auf der offiziellen Homepage des „El Paso Loco­motive FC“, einem Verein in der „USL Championship“, der amerikanischen 2. Liga. Das ist eine Profiliga, in der Philipp Beigl nach seinem Reservisten-Dasein (nur ein Punktspiel-Einsatz) bei New Mexico United (Sitz in Albuqerque, ebenfalls USL Championship) durchstarten und endlich Stammkeeper werden will – obwohl der Verein gerade mit Evan Newton noch einen zweiten, erfahrenen Torwart ausgeliehen hat. „Das wird ein gesunder Konkurrenzkampf“, sagt Beigl beim Telefonat mit unserer Zeitung. „Ich gehe davon aus, dass ich als Nummer eins in die Saison gehe. Das ist immer mein Anspruch.“

Der 29-jährige Torhüter, der in der Saison 2016/17 beim TSV Landsberg und zuvor beim FC Memmingen im Tor stand (51 Bayernliga-, zehn Landesliga- und zwölf Regionalligaspiele), lebt seit dreieinhalb Jahren in Amerika, der Heimat seiner Frau Margo – einer Krankenschwester, die er im Urlaub in der Dominikanischen Republik kennengelernt und im November 2019 geheiratet hat.

Längst in den Vereinigten Staaten „angekommen“ und bald Eltern: Philipp Beigl mit Ehefrau Margo und ihren beiden Vierbeinern Winston und Judy.
Längst in den Vereinigten Staaten „angekommen“ und bald Eltern: Philipp Beigl mit Ehefrau Margo und ihren beiden Vierbeinern Winston und Judy. © privat

Dadurch wurde Philipp Beigl ein „permanent resident“, also ein dauerhafter Bewohner der USA, der keine der sieben „­Visa-Plätze“ blockiert, die jedem Verein zur Verfügung stehen. Vor dem Vereinswechsel wohnten „Beigo“ und seine Ehefrau in Albuquerque, „mitten in der Wüste“ von New Mexico. Seine Schwiegermutter kommt aus Iowa, wohnt aber seit fast 20 Jahren dort.

Vor drei Wochen ist der gebürtige Türkheimer mit seiner Margo und den beiden Hunden, einem deutschen Boxer und einem Mischling, ins dreieinhalb Stunden entfernte El Paso (knapp 700.000 Einwohner) umgezogen, nachdem er am 1. Januar einen Einjahres-­Vertrag unterschrieben hatte. „Wir haben dort ein Haus direkt an der Grenze zu Mexiko mit drei Schlafzimmern, einem kleinem Pool und Palmen im Garten und Blick auf die Berge“, erzählt Beigl bei Temperaturen um die 26 Grad am frühen Vormittag. Glück pur in Texas: „Das ist einer der besten Staaten in Amerika. Ich liebe den ,American way of life‘, ich bin hier Profi und kann davon leben. Wir sind sehr happy“, schwärmt der Keeper. Damit aber noch nicht genug des neuen Glücks: „Ich werde Anfang März Papa. Es wird ein Mädchen“, verrät der Bald-Papa.

Privat läuft also alles nach Wunsch. Jetzt muss „nur“ noch der sportliche Erfolg folgen. Dafür trainiert der Keeper zur Zeit zweimal am Tag, je einmal wegen der hohen Mittags-Temperaturen schon um 8.30 Uhr am Morgen. „Wir gehen mit Mütze und Schal auf den Platz und beenden das Training in T-Shirt und kurzer Hose“, berichtet er. Zur Zeit ist er voll im Vorbereitungsstress: „Ich habe erst wieder einen freien Tag, wenn das Baby zur Welt kommt.“

Deutsches Treffen

Die neue Saison beginnt für die „Lokomotive“ von El Paso und ihren deutschen Torhüter am 12. März in Sacramento. Zum ersten Heimspiel kommt gleich Philipps Ex-Verein Mexiko United in den „South West University Park“, ein Baseball-Stadion für 10.000 Zuschauer, in dem El Paso seine Heimspiele austrägt. Die Highlights für Beigl folgen aber erst im Sommer: Am 16. Juli (zuhause) und am 13. August spielt El Paso gegen die Colorado Springs Switch­backs.

Das ist der neue Verein von Abwehrspieler Dennis Erdmann, der von 2019 bis 2021 für 1860 München in der 3. Liga spielte. „Ich freue mich unheimlich auf die Spiele gegen ihn. Einfach geil, dass einer wie der ,Earthman‘ jetzt in der gleichen Liga wie ich spielt. Das ist noch ein echter Typ. Einer, den ich immer gerne mochte.“ Vor seinem Abflug in die Staaten sagte Erdmann vor kurzem: „Ich mag dieses Ami-Feeling. In Amerika Fußball zu spielen, ist seit Jahren mein Traum.“

Da sind sich die beiden Deutschen in der 2. US-Liga absolut einig…

Thomas Ernstberger

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