Ein Aushängeschild für Türkheim

Türkheimer Gemeinderat gewährt Zuschüsse für die VHS und den Eissportverein

Siebenschwabenhaus in Türkheim
+
Das Siebenschwabenhaus in Türkheim: Hier ist die VHS untergebracht, die nun um einen finanziellen Zuschuss gebeten hat.

Türkheim – Wie viele Vereine und öffentliche Einrichtungen hat die Gesundheitskrise auch der Türk­heimer Volkshochschule finanziell arg zugesetzt. Vor allem die Schließung der Einrichtung im ersten Lockdown hat das finanzielle Polster der Erwachsenen-Bildungseinrichtung so abschmelzen lassen, dass man seitens der Vorstandschaft um einen Zuschuss bei der Gemeinde nachgesucht hat. Mit den bewilligten Geldern sollen unter anderem zwei Luftreinigungsgeräte bezahlt werden. 

Im vergangenen Monat hatte die Marktgemeinde wieder das Füllhorn über den Vereinen ausgeschüttet und diesmal sogar doppelt so viel Geld an die Vereine überwiesen. Ansonsten kann aber jeder Verein um einen Zuschuss oder die Kostenübernahme bei größeren Anschaffungen bitten, zumeist fließt dann die Hälfte der eingesetzten Summe – für Trachtengewänder, kostspielige Reparaturen oder andere größere Anschaffungen etwa – an den Verein zurück. Und so hatten auch diesmal zwei Vereine einen Antrag auf Zuschuss gestellt, wobei beide Summen indirekt dem Lockdown geschuldet sind.

So musste unter anderem die Eissporthalle geschlossen bleiben, weshalb man sich in der Verwaltung dazu entschlossen hatte, auch die Eisbereitung auszusetzen. Es komme billiger, so Bürgermeister Christian Kähler, die Eisfläche abzutauen, anstatt die Kosten für die Eismaschine den gesamten Winter zu zahlen, noch dazu, wenn man nicht wisse, wann die Eishalle wieder aufgesperrt werden darf. Man könne innerhalb von einer Woche wieder Eis aufbauen, so Kähler. Das sei energetisch günstiger, als die Fläche den gesamten Winter bestehen zu lassen. In diesem Fall müsse man sagen, dass das Abtauen einen positiven Nebeneffekt hatte, denn dadurch wurde ein Schaden an der Eismaschine entdeckt, der rasch behoben werden konnte. Man habe die Schließung genutzt, schreibt der Vorstand des Eissportvereins Türkheim, Leonhard Weber, die Sicherheitsventile durch eine Fachfirma austauschen zu lassen. Es sei, schreibt Weber weiter, nach einer Betriebsdauer von inzwischen mehr als 20 Jahren dringend geboten gewesen. Zudem sei durch ein defektes Ventil Kältemittel ausgetreten und verloren gegangen. Die Rechnung für die Arbeiten beläuft sich auf 16.000 Euro, über eine Vereinbarung zwischen der Fachfirma und dem Eissportverein, kostenlos Werbung für die Firma zu schalten, habe man 6.000 Euro gespart. Daher verbleibe ein Rechnungsbetrag von 10.000 Euro und man hoffe auf eine Übernahme von 50 Prozent der Kosten bzw. 5.000 Euro. Eine Summe, die die Marktgemeinde per Abstimmung übernehmen wird.

Volle Summe erstattet

Auch die VHS Türkheim hatte Einbußen durch den Lockdown, allerdings übernimmt die Marktgemeinde in diesem Fall nicht die üblichen 50 Prozent der Kosten. Er habe lange überlegt, gestand Bürgermeister Kähler, und sei zu dem Schluss gekommen, dass die VHS kein Verein sei. Vielmehr sei diese Einrichtung der „Erwachsenenbildung“ so etwas wie der verlängerter Arm der Gemeinde, sagte Kähler. Im Prinzip sei die VHS eine kommunale Einrichtung, weshalb er vorschlage, nicht nur die Hälfte, sondern die gesamte Summe von über 2.500 Euro zu übernehmen. Zentha Rummel, Erste Vorsitzende des Siebenschwabenhauses, hatte in ihrem Schreiben dargelegt, dass dem Verein bzw. der VHS durch den Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres Einnahmen für die Kurse in Höhe von 5.200 Euro entgangen seien. Weitere 3.100 Euro würden durch Kurse, die nicht hätten stattfinden dürfen, fehlen. Demgegenüber stehen aber Ausgaben in Höhe von 2.147 Euro für das Update eines Computerprogramms, ohne welches, so Rummel, ein produktives Arbeiten nicht möglich gewesen wäre. „Die Kosten zu tragen wäre in ‚normalen‘ Zeiten kein Problem“, schreibt Rummel in dem von ihr und der Schatzmeisterin des Siebenschwabenhauses, Susanne Kindlmann, unterzeichneten Brief. Weiterhin habe man in zwei Luftreinigungsgeräte investiert für den Kursraum und das Büro. Beide Räume würden über eine geringe Raumhöhe und geringe Grundfläche verfügen, schreibt Rummel, sodass man mit den beiden Geräten, die 577 Euro kosten, die Luftqualitätswerte verbessern könne. Man hoffe auf eine wohlwollende Prüfung der Bitte, auch mit Blick auf die weiterhin desolate finanzielle Situation.

So hatte man im September und Oktober einige Kurse mit geringer Beteiligung und unter strengen Hygieneauflagen, die ihrerseits wieder viel Geld gekostet hatten, stattfinden lassen; seit Oktober aber mussten wieder alle Kurse ausgesetzt werden, auch solche, die im Freien hätten stattfinden sollen. Auch hier rechne man wieder mit Ausfällen, so Rummel. Umso wichtiger sei die finanzielle Unterstützung durch die Verwaltung. Hatte zuvor schon Christian Kähler das Engagement der Gemeinde angeregt, so unterstützte Gudrun Kissinger-Schneider die Position des Bürgermeisters. In einem enthusiastischen State­ment lobte die Grünen-Gemeinderätin die Arbeit der Damen der VHS, die Kurse hätten abwickeln müssen, ein Online-Programm auf den Weg gebracht hätten und mit ihrer Arbeit und so zu einem Aushängeschild für Türkheim geworden seien. Diesen relativ kleinen Betrag könne man locker stemmen, so Gudrun Kissinger-Schneider.

Oliver Sommer

Auch interessant

Meistgelesen

Bombendrohung gegen Unterallgäuer Impfzentren: Polizei gibt Entwarnung
Bombendrohung gegen Unterallgäuer Impfzentren: Polizei gibt Entwarnung
Schwarz gekleidete Unbekannte schlagen auf Mindelheimer ein
Schwarz gekleidete Unbekannte schlagen auf Mindelheimer ein
Stockheim: Auch die Donath-Mühle profitiert von der Dorferneuerung
Stockheim: Auch die Donath-Mühle profitiert von der Dorferneuerung

Kommentare