Einfriedungssatzung geändert

Türkheimer Hecken dürfen künftig in den Himmel wachsen

+
Dieses Grundstück gilt vor allem beim Straßenbauamt als mustergültig: Die Einmündung der Poldl-Schuhwerk-Straße in die Jakob-Sigle-Straße. Der Zaun ist allerdings nur 90 Zentimeter hoch.

Türkheim – Schon in der vorangegangenen Sitzung hatte der Marktgemeinderat über die Einfriedungssatzung diskutiert. Dabei ging es vor allem um die Höhe der „Einfriedung“ wie Hecke, Gabione, Zaun oder Mauer. Nun wurde die Satzung beschlossen, während bauliche Abgrenzungen eine Höhe von 120 Zentimeter nicht überschreiten, dürfen Hecken und Sträucher in den „Himmel wachsen“.

Es war zwar nicht gerade eine heftige, dafür aber eine leidenschaftliche Diskussion, die die Gemeinderäte führten, als das Thema Einfriedungssatzung auf den Tisch kam. Mit einer Dia­show hatte der Marktbaumeister den Gemeinderäten gezeigt, worüber man diskutiert. Da waren Mauern zu sehen und Gabionen, also mit Steinen gefüllte Stahlkörbe. Idealerweise sähe aber ein Grundstück aus wie jenes an der Einmündung der Poldl-Schuhwerk- in die Jakob-Sigle-Straße. Es ist von einem modernen nur gut 90 Zentimeter hohen Stahlzaun umgeben, der Grund und Straßenraum voneinander trennt.

Schon im vergangenen Jahr hatte sich der Gemeinderat mit dem Thema befasst. Es geht vor allem darum, zu definieren, wie Einfriedungen, also Zäune, Mauern oder auch Hecken, aussehen sollten, vor allem im Bereich von Verkehrswegen. Deshalb wären 90 Zentimeter hohe Zäune ideal, da sie dem im Fahrzeug sitzenden Autofahrer frei Sicht gewähren. Andererseits seien in der Vergangenheit auch immer wieder Mauern gebaut worden, erinnerten die Räte. Auch wurde kritisiert, dass diese Einmischung in die „Planungshoheit“ der Häuslebauer zu weit gehe. Auch gerade bei Hundebesitzern, deren Lieblinge hinter den nicht mal meterhohen Zäunen Anlauf nähmen, würde sich die eine oder andere Gemeinderätin doch einen höheren Schutz für Fußgänger wünschen. Nicht zuletzt mit dem Hinweis, dass man auch jenem keine Steine in den Weg lege, der statt einem Zaun lieber eine Hecke pflanze, die leicht die Zwei-Meter-Marke überrage.

Zu wenig Kontrolleure

Andere dagegen lehnten die Satzung grundsätzlich ab. Entweder müsse man beides, also Hecke wie Zaun oder Mauer begrenzen oder keines. Auch eine einheitliche Regelung werde dem Ganzen nicht gerecht. Wie wolle man etwa die Höhe einer Hecke kontrollieren? Hier gab Bürgermeister Christian Kähler den Kritikern Recht: Es fehle schlicht an Manpower für die Kontrolle. Und Gudrun Kissinger-Schneider gab zu bedenken, dass eine grüne Mauer zu einem deutlich besseren Klima in den Straßen beitragen könnte als Mauern.

Mit diesem Auftrag wurde die Satzung nun für die jüngste Sitzung überarbeitet und fand das Ok der Gemeinderäte. Zum einen gibt es Bestandsschutz für bestehende Bauwerke. Auch bei Industrieanlagen gelten andere Vorgaben für die Einzäunung. Wer aber nun seinen Grund und Boden einzäunen möchte, darf nicht zu weit gehen bzw. zu hoch werden. 120 Zentimeter dürfen Mauern und Zäune künftig hoch sein und damit 30 Zentimeter höher als bislang vorgesehen. Hecken und Sträucher dagegen dürfen diese Höhe überschreiten, außer im so genannten Sichtdreieck, also an Einmündungen von Straßen etwa, wo der Fahrzeugführer die übergeordnete Straße einsehen muss. 

Oliver Sommer

Auch interessant

Meistgelesen

A96 bei Stetten: Unterallgäuer Lieferwagen landet nach Crash im Grünstreifen
A96 bei Stetten: Unterallgäuer Lieferwagen landet nach Crash im Grünstreifen
300.000 Euro Schaden: Brand zerstört Kammlacher Kfz-Halle
300.000 Euro Schaden: Brand zerstört Kammlacher Kfz-Halle
Brand im Bad Wörishofer Parkhaus Kurpromenade - Ursache nach wie vor unklar
Brand im Bad Wörishofer Parkhaus Kurpromenade - Ursache nach wie vor unklar
Bad Wörishofen: Bewaffnetes Trio raubt 21-Jährigen aus
Bad Wörishofen: Bewaffnetes Trio raubt 21-Jährigen aus

Kommentare