Kritik an Regierung Schwabens

Türkheimer Marktgemeinderäte fühlen sich bei Kita-Planung übergangen

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So soll der Kindergarten St. Elisabeth in Zukunft aussehen.

Türkheim – Ist der Türkheimer Gemeinderat noch Herr über die Planungen für die beiden neuen Kindergärten St Josef und St Elisabeth oder tanzen die Räte nach der Pfeife von Regierung und Landrats­amt? Diese Frage stellte insbesondere Otto Rinninger zur Diskussion und merkte an, dass er sich am Verfahren störe.

Der federführende Architekt Rolf Steinhauser war persönlich mit seiner Planerin nach Türkheim gekommen, um den Planungsstand für den Kindergartenneubau am Standort St. Elisabeth vorzustellen. Nachdem man die Pläne überarbeitet habe, gebe es nun das Ok seitens der Regierung und auch des Landrats­amtes. Dabei ging es vor allem um die Förderung des Neubaus und es wurde schnell klar, dass nur gut die Hälfte der geplanten Flächen bzw. Räume förderfähig sind. Insbesondere Technik- und Lagerräume, erfuhren die Gemeinderäte, würden nicht gefördert. Dabei stiegen Räte und Architekt in die schon geführte Diskussion ein, welches Einsparpotenzial möglich wäre, wenn man auf bestimmte Räume, insbesondere im Keller, verzichten würde. Dadurch würde der Platzbedarf in Erdgeschoss wachsen, einsparen ließe sich allenfalls der Aufzug.

Angemerkt wurde in der Diskussion auch, dass man einen zukunftsfähigen Kindergarten wolle. Dieser brauche, vielleicht nicht gleich, aber auf absehbare Zeit, Therapie- und Lagerräume. Insbesondere, wenn man einen vom Bestand unabhängigen Kindergarten wolle, seien solche Räume unverzichtbar; durch Weglassen dieser drei Räume ergebe sich ein Einsparpotenzial von gut 50.000 Euro. Allerdings wäre das nicht der große Wurf, waren sich die Räte einig, alles im Erdgeschoss unterbringen zu wollen. Und an dieser Stelle meldete sich Rinninger zur Wort, der sich eigener Aussage nach am Verfahren störe.

Man sei bei der Planung übergangen worden und könne nur noch zustimmen, monierte er mit Blick auf die geförderten 429 Quadratmeter zu den 823 Quadratmetern tatsächlicher Fläche. Eine Flächenmehrung, die aus Rinningers Sicht nicht nötig wäre. Wobei sich der Gemeinderat sagen lassen musste, dass mit Ausnahme eines Raumes, der um neun Quadratmeter angewachsen war, bei allen Flächen eine quasi Punktlandung vollzogen wurde und die Mehrung im Bereich von Zehntel und Hundertstel Quadratmetern liegt. Alle Pläne lägen sehr nah am Raumprogramm, so ­Steinhauser, und seien im Vergleich zu anderen Kindergartenplänen im normalen Bereich. Von anderer Seite hieß es zudem, dass man mit nicht einmal zehn Prozent Flächenzuwachs bei 880 Quadratmetern leben könne.

Auch die angesprochenen Kindergartenbeiträge blieben bezahlbar, wurden entsprechende Befürchtungen entkräftet. Allerdings mache sich die Vielzahl der Beteiligten, neben dem Marktgemeinderat, der die Verantwortung für die Finanzierung trage, bemerkbar. Vor allem wurden die Fachberatungsstelle und die Regierung von Schwaben kritisiert, sie hätten bestimmte Ideen von vornherein abgelehnt und sich geweigert, Fördermöglichkeiten zu berechnen; man könne sich doch nicht von der Regierung sagen lassen, „das gefällt uns nicht“. Cornelia Neugebauer fragte gar, ob es denn eine Möglichkeit gebe, sich gegen diese Einmischung zu wehren. „Welche finanziellen Auswirkungen das hat, fragt keiner“, so Neugebauer.

Kritisiert wurde auch die Information der Beteiligten durch das Hauptamt, so basiere die Entscheidung des Marktgemeinderates auf einer nicht eben optimalen Vorbereitung. Dem gegenüber erklärte Bürgermeister Christian Kähler, dass man sich vor einem Jahr bewusst für zwei Standorte mit zwei Gruppen entschieden habe und sich das Konzept als solches nicht geändert habe. Auch für den zweiten Bürgermeister Walter Fritsch war die Kritik nicht begründet. „6,2 Millionen (gesamt für beide Kindergärten) nehmen ich so hin. Die Mehrkosten für St. Josef sind für mich nachvollziehbar“, erklärte der Vize den Gemeinderäten. Viel mehr wandte sich Fritsch gegen die durchaus knappe Entschlüsse und appellierte an die Fraktionen, doch an einem Strang zu ziehen für die Kommune. Die Planer erhielten den Auftrag, Möglichkeiten der Energieeinsparung in Betracht zu ziehen, in der ersten Sitzung im neuen Jahr wird es abermals um die Planungen gehen.

Oliver Sommer

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