40 Flächen fürs Eigenheim geplant

Türkheimer Neubaugebiet „Südlich der Ramminger Straße“ ohne Tempolimit und Abbiegespur

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Südlich der Ramminger Straße soll ein Baugebiet entstehen, jedoch ohne Tempo 30 und eine Abbiegespur. Das entschieden die Türkheimer Gemeinderäte jüngst in ihrer Sitzung.

Türkheim – In der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates ging es in der Hauptsache um die Vorstellung des Bebauungsplans „Südlich der Ramminger Straße“. Eigens dafür waren zwei Planer aus Kaufbeuren angereist, auch wurde über das Thema Einmündung diskutiert. Mehrheitlich stimmten die Räte dabei für eine Variante ohne Abbiegespur. Nun können sich die Träger öffentlicher Belange zu den Bebauungsplänen äußern.

Die Bewohner der beiden Grundstücke an der Ramminger Straße dürfen sich freuen, denn ihr Grund ist soeben größer geworden. Man habe sich in Gesprächen mit den Grundstückseignern innerhalb des Neubaugebietes abgestimmt, sagte Bürgermeister Christian Kähler. So habe man eine Übereinkunft erzielt, so Kähler, „es passt soweit alles“. Damit meinte der Bürgermeister auch die Einfahrt in das Wohngebiet, die für die Abstimmung auf zwei Varianten reduziert wurde.

So gibt es einmal die Variante ohne Abbiegespur, die ohne Verbreiterung der Ramminger Straße auskommt und quasi für eine Verkehrsberuhigung sorgt, wenn ein Fahrzeug abbiegen will. Nachdem bei dieser Variante auch keine Verschleppung der Fahrspuren benötigt wird, können 55 bzw. 68 Quadratmeter Fläche die dafür vorgesehen waren, den jeweiligen Grundstücken zugeschlagen werden. In der zweiten Variante muss die Fahrbahn verbreitert werden, um die Abbiegespur und einen Fahrbahnteiler aufzunehmen. Auch für diese Variante muss kein weiterer Grund erworben werden, was allerdings auch an der Weigerung des Besitzers nördlich der Ramminger Straße scheitern dürfte – was den früheren Zweiten Bürgermeister Walter Fritsch zu einer recht emotionalen Ansprache veranlasste: Man habe hier ein zukunftsträchtiges Baugebiet, doch eine zukunftsorientierte Anbindung desselben sei daran gescheitert, dass der Anrainer seinen Grund nicht habe hergeben wollen. „Ich bin sehr enttäuscht von diesem Grundstücksbesitzer“, so Fritsch.

"Kriegen kein Tempo 30"

In der weiteren Diskussion forderten mehrere Räte, man solle doch auf eine Verkehrsberuhigung setzen und entweder Verschwenkungen oder ein Tempolimit für die Ramminger Straße einführen. Während der Versuche mit Verschwenkungen hatte sich herausgestellt, dass die Lärmbelastung für die Anwohner extrem steigt. Einer Verkehrsberuhigung in Form eines Tempolimits, wie von Gudrun Kissinger-Schneider und Josef Vogel gefordert, erteilte Kähler umgehend eine Absage. Man könne derzeit nur über eine Ausbauvariante diskutieren, ein Tempolimit stehe nicht zur Debatte. „Wir kriegen kein Tempo 30“, so Kähler mit Blick auf das Landrats­amt, wo man argumentiert, dass es sich hierbei um eine Ortsverbindungsstraße und zugleich Ableitungsstrecke von der Umgehung handle. Auch aus finanzieller Sicht, machte Kämmerer Claus-Dieter Hiemer deutlich, ergebe es keinen Sinn, wertvolles Bauland für eine Verschwenkung herzugeben, nachdem der Anlieger nördlich der Straße keinen Grund hergeben will. So stimmten nur drei der 20 stimmberechtigten Gemeinderäte für eine Version mit Verschwenkung. Somit wurde in der Schlussfolgerung der Variante eins ohne Abbiegespur und Verkehrsinsel zugestimmt. Allerdings hofft man mit fortschreitender Bebauung auf mehr innerörtlichen Charakter der Straße und die Einsicht der Fahrer, hier nicht zu sehr auf das Gaspedal zu steigen.

40 Flächen fürs Eigenheim

Im zweiten Teil der Diskussion hatten die Planer der Firma Abt aus Kaufbeuren das Wort. Dabei wurden die Rahmenbedingungen für den Bebauungsplan vorgelegt. Man lehne sich an die Pläne für das Gebiet nördlich des Laternenwegs an, so Paul Schöne, der mit Firmenchef Thomas Haag die Details erklärte; Schöne ist für den Vorentwurf für die vorzeitige Auslegung verantwortlich. Demnach wird es 40 Parzellen zwischen 500 und 1.200 Quadratmeter Größe geben, auf denen neben Doppelhaushälften auch Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser Platz finden sollen. Entsprechend seien auch die Geschossflächen- und Grundflächenzahl angelegt. In den Planungen, die nun veröffentlicht werden, sind auch die Zahl der Bäume festgelegt sowie Details zur Gestaltung der Grundstücke. Moniert wurde, dass weder eine Firstrichtung vorgegeben sei, noch dass es eine Überwachung der Begrünung geben wird. Man könne mehr tun, meinte Gudrun Kissinger-Schneider hinsichtlich des Klimas und der Wohnqualität durch eine entsprechende Begrünung. Hier müsse nachgearbeitet werden, befand die Grünen-Gemeinderätin – musste sich aber von Thomas Haag sagen lassen, dass die Pläne immer grüner seien als die Realität. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Bäume erst zu einer bestimmten Größe heranwachsen müssen.

Rechtfertigung notwendig

Mit Blick auf die Verkehrsflächen erfuhren die Räte, dass diese mit Absicht so undifferenziert dargestellt werden. Sonst müsste der Bebauungsplan jedes Mal geändert werden, wenn man hier Änderungen vollziehe. In der Summe stimmten die Räte den vorgestellten Plänen zu, nun müssen die Planer zunächst aber die „Auslegehilfen“ der Regierung bearbeiten. Diese fordern mehr Nachweise, dass ein entsprechendes Baugebiet nötig und eine Innenverdichtung bzw. Nachverdichtung nicht möglich ist. Letztmalig war es beim Projekt nördlich des Laternenwegs der Fall, diese Auslegehilfen, mit Verweis auf die schon länger andauernden Planungen zu negieren, erklärte Haag den Räten. Im aktuellen Fall und bei allen künftigen Neubaugebieten müssen sich die Kommunen rechtfertigen, warum man nach außen geht anstatt im Ortskern oder auf unbebauten Grundstücken zu bauen.

Oliver Sommer

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