"Eigentum verpflichtet"

Kein Planungsstopp bei Türkheimer Waaghaus

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Das Türkheimer Waaghaus, das zuletzt häufig im Gemeinderat diskutiert wurde. Auf der Nordseite soll hier ein Anbau den Veranstaltungssaal beherbergen.

Türkheim – Nun dürfte endgültig das letzte Wort gesprochen sein im Fall des Türkheimer Waaghauses. In der jüngsten Sitzung erteilte die Gemeinderatsmehrheit dem Ansinnen der Freien Wähler eine Absage, das denkmalgeschützte Waaghaus abzureißen und stattdessen einen Neubau hochzuziehen. Dass immer noch keine Ruhe in die Diskussion einkehren konnte, lag an den abermals gestiegenen Baukosten. Nun aber ersetzt eine Kostenplanung die vorläufigen Schätzungen.

„Wir haben einfach keine Alternative“, macht Bürgermeister Christian Kähler im Gespräch mit dem Wochen KURIER deutlich. Der Türkheimer Rathauschef ist nicht nur ob des Antrags der Freien Wähler aufgebracht, viel mehr wurmt ihn auch, dass man so tut, als gäbe es eine Alternative zum Ausbau des alten Gebäudes, in dem immer noch sichtbar eine Waage untergebracht war. Und das nun zu einem neuen sozialen Treffpunkt und Veranstaltungszentrum werden soll.

Wie schon berichtet, gab es drei Entwürfe, wie man das denkmalgeschützte und viele 100 Jahre alte Gebäude um- und ausbauen könnte. Schließlich setzte sich der Plan durch, nach dem der Bestand durch einen Veranstaltungssaal in einem Anbau auf der Nordseite ergänzt werden sollte. Dabei musste auf die historische Bausubstanz ebenso Rücksicht genommen werden wie auf den Untergrund. Hatte man in ersten Schätzungen von etwa 1,7 Millionen Euro für den Um- und Neubau gesprochen, wobei die Gemeinde auf Zuschüsse von etwa 1,4 Millionen Euro hoffen durfte, verteuerte sich die Maßnahme – zum Leidwesen der Freien Wähler – mit Vorlage der Kostenberechnung für die Förderanträge auf 1,95 Millionen Euro. Aus Fördermitteln für Projekte, die die soziale Integration fördern sollen – also Dorfgemeinschaftshäuser, wie das Waaghaus eines werden soll – kann sich die Gemeinde Mittel von bis zu 90 Prozent der förderfähigen Kosten erwarten. Konkret gab es auch schon eine Förderzusage von 1,207 Millionen Euro.

Wirtschaftlich zumutbar?

Die verbleibenden 700.000 Euro Eigenanteil sind es, die die Fraktion um Otto Rinninger zu ihrem Veto hinsichtlich der Planungen bewog. Dabei gebrauchte der FW-Chef nicht nur Vergleiche wie „Fass ohne Boden“ sondern unterstellte, die Gemeinde werde sich mit dem Projekt finanziell überheben. Das Projekt sei unwirtschaftlich und unzumutbar, heißt es im Antrag der Fraktion zur jüngsten Gemeinderatssitzung. Demgegenüber erkannte aber die Mehrheit im Gemeinderat, dass ein Baustopp in der Angelegenheit der Kommune nicht weiterhelfe. Kähler umreißt das Problem in kurzen Worten so: „Wir dürfen das Haus nicht einfach abreißen. Auch können wir es nicht verkaufen und schon gar nicht nichts tun.“ So könnte man argumentieren, dass sich die Gemeinde finanziell gar nicht engagiert. Doch allein, um das Gebäude im jetzigen Zustand zu erhalten, müsste die Kommune um die 200.000 Euro ausgeben – für nichts. Durch dieses Geld werde das Gebäude in seiner Art nicht verbessert sondern einfach nur der jetzige, desolate Zustand erhalten, so Kähler. Darauf würde die Denkmalschutzbehörde bestehen. „Eigentum verpflichtet“, beschreibt Kähler das. Man diskutiere nicht umsonst schon seit einigen Jahren, was in dem alten Waaghaus entstehen soll. Und dabei sei ein Abriss eben nicht einmal denkbar, könnte der Denkmalschutz auf dem Wiederaufbau des Gemäuers bestehen. „Wir haben keine Alternativen“, so Kähler, „wie etwa einen Ersatzneubau“. Ob es in der Bevölkerung tatsächlich auch eine Mehrheit für den Abriss gibt, wie es Rinninger behauptet hatte, weiß Kähler nicht. Immer wieder gebe es zwar diesen Vorschlag, der aber eben nicht möglich sei. So packe man das Problem nun an, wobei Kähler darauf hofft, dass es nochmals einen Nachschlag von der Regierung von Schwaben geben könnte. Dort habe man ihm versichert, die Kosten auf Basis der nun vorliegenden Berechnungen zu prüfen und eventuell die Differenz als Förderbescheid neu zu gewähren. „Das wissen wir aber mit Sicherheit erst im Frühjahr kommenden Jahres“, so Kähler.

Immerhin, ist sich der Rathaus­chef sicher, werde es keine bösen Überraschungen beim Bau selbst geben. Denn mit dem beauftragten Architekten hat Kähler auch den Kreisheimatpfleger im Boot, der das Haus und dessen Bausubstanz und die Struktur des Baus in- und auswendig kennt. So habe ihm Peter Kern versichert, dass die 1,9 Millionen Euro Baukosten „soweit fix“ seien und er zudem mit einem Puffer geplant habe. „Er hat mir versichert, er weiß, wie das Haus strukturiert ist“, so Kähler – und dass man die Kosten einhalten könne. „Mir ist es lieber, wenn wir jetzt richtig planen, mit Puffer und dann einen Deckel drauf haben“, erklärt Kähler. Weitere Kostensteigerungen kann allerdings auch die beste Planung nicht ausschließen, dann nämlich, wenn die Kosten im Zuge der Teuerung einfach ansteigen.

Je länger sich also die Planung und die anschließende Ausschreibung hinzieht, desto weiter können in der Zwischenzeit die Kosten für die Arbeiten steigen. Am Ende der jüngsten Sitzung stand denn auch der Applaus für die standhaften Gemeinderäte, die sich mit ihrem Willen, das alte Gebäude zu einem neuen sozialen Treffpunkt zumachen, durchsetzen konnte. 

Oliver Sommer

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