Claus-Dieter Hiemer stellt Zahlen aus 2018 vor

Türkheims Kämmerer: »Gemeindekasse ist gut gefüllt«

PantherMedia 16250721
+
PantherMedia 16250721

Türkheim – Wie man’s macht, macht Mann es verkehrt es verkehrt. Oder wie im Falle Türkheims, der Kämmerer Claus-Dieter Hiemer. Der legte die vorläufige Jahresrechnung für 2018 vor, gab einen kurzen Ausblick auf die Planungen für die kommenden Jahre und ließ sich zu der Aussage hinreißen, dass man nahezu schuldenfrei sei. Weniger als eine halbe Million Miese weisen die Konten der Marktgemeinde aus. Doch anstatt Lob, kassierte der Kämmerer vor allem von vielen Gemeinderätinnen Kritik. Dabei hatte Hiemer klar gestellt, dass die Gemeindekasse gut gefüllt sei und eben nicht leer, wie manche gerne unken würden.

Besser als erwartet war das vergangene Jahr gelaufen, resümierte Claus-Dieter Hiemer in seinem kurzen Bericht. Der Kämmerer der Marktgemeinde wollte an sich nur kurz die vorläufige Jahresrechnung präsentieren, die eben besser als geplant war. So konnte Hiemer 1,248 Millionen Euro über Plan im Verwaltungshaushalt verbuchen. Zu verdanken war dies unter anderem einem Einnahmeplus von über einer Dreiviertelmillion. Insbesondere bei der Gewerbesteuer konnte die Gemeinde sich über sprudelnde Einnahmen freuen. Dagegen sah es im Vermögenshaushalt bedeutend düsterer aus, lagen hier doch die Einnahmen etwas über einer Million unter den Erwartungen. Das liege unter anderem daran, meinte Hiemer, dass man Grundstücksverkäufe auf das neue Jahr verschoben habe. Somit würden diese Gelder nicht komplett fehlen sondern einfach nur im nächsten Jahr, also heuer, gebucht. Dass sich der Haushalt dann doch noch positiv darstellt, liegt unter anderem auch daran, dass Hiemer lange durchgeschleifte Haushaltsposten, etwa für den Straßenbau aufgelöst und die Gelder somit wieder frei verfügbar wurden. Insgesamt, meinte Hiemer, habe er 25 Posten, die man seit Jahren in den Büchern stehen habe, aufgelöst und dadurch gut 700.000 Euro gewonnen.

Mit diesen, immer noch vorläufigen, Zahlen, so Hiemer, komme man in diesem und dem nächsten Jahr ohne Neuverschuldung aus. „Der nächste Gemeinderat kann ohne Schulden starten“, so Hiemer mit Blick auf das kommende Jahr, wo dann ein neuer Marktgemeinderat gewählt wird. „Wir sind nahezu schuldenfrei“, freute sich der Finanzexperte, der Schuldenstand betrage zum 31. Dezember des vergangenen Jahres 435.000 Euro, demgegenüber stehen Rücklagen von gut 2,5 bis drei Millionen Euro. Man habe die guten Zeiten ausgenutzt, so Hiemer weiter und wenn er eine Sondertilgung vornehmen dürfte, stünde unter dem Haushalt der Stadt eine Null. Pro Kopf der Einwohner entsprechen diese 435.000 Euro ungefähr 60 Euro.

Damit aber verließ Hiemer den Pfad der Tugend und skizzierte die Ausgaben für die kommenden Jahre: „Es stehen große Aufgaben vor der Türe“. Bis 2022 werde man nicht ohne neue Schulden auskommen, prognostizierte er, im schlimmsten Falle würden es um die sechs bis 6,5 Millionen Euro werden, etwa durch den Neubau des Kindergartens. Allerdings flössen hier auch Zuschüsse. Er plane aber, betonte Hiemer mehrfach, kaufmännisch vorsichtig – und unterstrich, dass die Gemeindekasse, mit Blick auf die Rücklagen eben nicht leer sondern gut gefüllt sei. „Der Markt Türkheim ist finanziell kerngesund“. Und er sehe nicht, dass sich das in den nächsten Jahren ändern werde.

Doch anstatt Lob wie von Seiten der CSU-Fraktion hagelte es vornehmlich Kritik. Angesichts der vorgelegten Zahlen wollten verschiedene Gemeinderätinnen wisse, wo denn der Handlungsspielraum bleibe, wenn man positive Ergebnisse nur durch alte Reserven erzielen könne. Schaue man auf die kommenden Jahre, etwa auch beim Thema Straßen, wo durch den Wegfall der Strabs ein Finanzposten wegfalle, wisse man nicht, wie das Geld hereinkomme. Demgegenüber verteidigte sich Hiemer, betonte, dass er stets vorsichtig kalkuliere und vor allen Dingen, nicht verantwortlich sei für die Ausgaben – weder für die Kostenmehrungen etwa im Bereich eines Neubaus (Thema Kindergarten), noch für die kostspieligen Entscheidungen des Gemeinderates. Als Kämmerer obliegt es Hiemer vielmehr, das Geld zusammenzuhalten und zu sehen, wie man die vorhandenen Reserven optimal nutzen kann.

Entscheidung gefallen

Und wie der Gemeinderat beim Thema Geld vorgeht, machte eine Gemeinderätin exemplarisch deutlich am Ende der Sitzung unter „Anträge“. So regte sie an, dass sich doch die Planer für die Neubaugebiete, über die man diskutiert hatte, doch im Gremium vorstellen sollten, damit man wisse, wer die Wünsche des Gemeinderates am Besten umzusetzen vermag. Allein, merkte Bürgermeister Christian Kähler an, die Ausschreibungen dafür seien mittlerweile gelaufen, die Planer – man hatte sogar auf Anregung zwei weitere angeschrieben – hätten ihre Angebote eingereicht und eine Entscheidung sei mittlerweile auch gefallen. Man könne das Prozedere nicht im Nachhinein ändern. Und sollten die Planer sich vorstellen müssen und kurz ihre Vorstellungen skizzieren, koste dies auch Geld, gab Kähler zu bedenken. Fakten, die bei den Rätinnen auf Unverständnis stießen. Künftig werde man ein System etablieren, bei dem die Wünsche des Gemeinderates eigens berücksichtigt werden sollen. Derzeit folgt die Auftragsvergabe dem jeweils besten bzw. günstigsten Angebot.

Oliver Sommer

Auch interessant

Meistgelesen

Fachstelle gegen sexuelle Gewalt: Wieso immer mehr Unterallgäuer Hilfe suchen
Fachstelle gegen sexuelle Gewalt: Wieso immer mehr Unterallgäuer Hilfe suchen
Erstkommunion in Wiedergeltingen
Erstkommunion in Wiedergeltingen

Kommentare