Marktrat macht den Weg frei für neues Bürger- und Kulturzentrum

Kirchheims „Leuchtturmprojekt“ geht in die Umsetzung

Der Kirchheimer Gasthof Adler soll trotz nun höherer Kostenprognosen zum Bürger- und Kulturzentrum umgebaut werden.
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Der Kirchheimer Gasthof Adler soll trotz nun höherer Kostenprognosen zum Bürger- und Kulturzentrum umgebaut werden. Darüber war man sich auch im Marktrat zuletzt einig.
  • VonOliver Sommer
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Kirchheim – Die Geschichte des geplanten Bürger- und Kulturzentrums im Herzen von Kirchheim ist lang und inzwischen begleitet von diversen Verzögerungen. Letzte Woche aber hat der Marktrat mit großer Zustimmung den Weg frei gemacht für den Start des „Leuchtturmprojektes“, so Bürgermeisterin Susanne Fischer in der Sitzung. Man habe viel Herzblut investiert und intensiv vorgearbeitet, nun könne der Erbbaurechtsvertrag mit dem Grafen unterzeichnet und das Projekt Bürger- und Kulturzentrum gestartet werden.

„Ich freue mich ganz außerordentlich, dass wir jetzt tatsächlich starten können“ brachte Christine Vogginger die Gefühle der wohl meisten Gemeinderäte auf den Punkt. Es sei viel Zeit vergangen, seit man den Beschluss gefasst habe und es sei nun höchste Zeit, „dass jetzt ein Startschuss fällt“. Die Freude, nun mit dem Umbau des alten Gasthofs Adler zu einem Bürger- und Kulturzentrum im Herzen des Ortes starten zu können, war den Gemeinderäten anzusehen, vor allem aber aus ihren Äußerungen herauszuhören.

Zuvor hatte Bürgermeisterin Susanne Fischer die Geschichte des Vorhabens Revue passieren lassen. So nannte Fischer, die vergangenes Jahr die Nachfolge von Hermann Lochbronner angetreten hatte, das Vorhaben ein „Leuchtturmprojekt“ – das mit viel Herzblut, intensiver Vorarbeit durch den Marktrat und die Vereine, das Projektteam und das Architekturbüro sowie von Fachplanern begleitet worden war. Nicht unerwähnt blieb der im Februar 2020 durchgeführte Bürgerentscheid, bei dem sich eine große Mehrheit der Kirchheimer für den Umbau ausgesprochen hatte. Schließlich sei im Gemeinderat im November vor einem Jahr der Beschluss zur Umsetzung 2020 gefasst worden.

Wie berichtet, gibt es seit über zwei Jahren Pläne, die über 400 Jahre alten Wirtschaft gegenüber des Fuggerschlosses umzubauen zu einem Vereinszentrum mit Anlagen für Theater, Schützen, Musik und Faschingsverein sowie einer Gastronomie. Dafür allein hatte der Freistaat Mittel in Höhe von 2,5 Millionen Euro zugesagt, weitere Fördergelder fließen aus anderen Töpfen. Erstmals ins Stocken geraten waren die Planungen durch den Bürgerentscheid, eine weitere Verzögerung gab es im vergangenen Winter durch den Tod von Albert Graf Fugger. „Die Erbnachfolge musste für die Unterzeichnung des Erbbaurechtsvertrages dokumentiert sein“, erinnerte die Bürgermeisterin. Deshalb habe man den Vertrag mit den geänderten Modalitäten neu verhandeln müssen. Das alte Wirtshaus ist im Besitz der Grafenfamilie, die allerdings einer Verpachtung auf 99 Jahre an die Gemeinde zugestimmt hatte. Für Kritik hatte neben der Erb­pacht-Bauvertrag auch die Kostenschätzung gesorgt: Hatte es anfangs geheißen, die Staatsregierung unterstütze das Projekt mit 600.000 Euro, so konnte der Bürgermeister gemeinsam mit dem damals amtierenden bayerischen Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer eine Erhöhung der Förderung auf 2,5 Millionen bei damals geschätzten Baukosten von etwa 3,5 Millionen Euro erreichen.

Steigende Kosten im Baugewerbe

Mittlerweile ist klar, dass diese Summen so nicht mehr zu halten sind. Darauf machte auch Susanne Fischer aufmerksam und bezog sich auf die die steigenden Kosten im Baugewerbe, die Unsicherheiten ob der Finanzierbarkeit ausgelöst hätten. So besuchte die Bürgermeister mit einer kleinen Gruppe abermals die Regierung von Schwaben und erreichte eine Aufstockung der Fördermittel um über eine halbe Million Euro auf 3,2 Millionen. Die dortige Ansprechpartnerin ließ die Bürgermeisterin und ihr Team aufatmen. „Sie sagt, dass keine erneute Kalkulation der Preise erforderlich ist“, erinnerte Fischer an die Gespräche seinerzeit. Abweichungen durch höhere Ausschreibungsergebnisse würden mit der Regierung von Schwaben besprochen. Und: „Gegebenenfalls haben wir Zugriff auf andere Fördertöpfe.“ Auch hier übernehme die Regierung von Schwaben die Koordination. Aber, stellte Fischer klar: die bisherige Förderzusage sei „wasserdicht, die Fördermittel liegen bereit“. Mittlerweile sind die Kosten für das Vorhaben gestiegen, man gehe mit Gesamtkosten von 5,5 Millionen Euro in die Ausschreibung, auch wenn es inzwischen einen Aufschlag durch die Planer von 16,5 Prozent gebe.

Chancen für Kirchheim größer als die Risiken

Die Diskussionen im Marktrat und das Gespräch mit der Regierung von Schwaben hätten ihr, merkte Fischer an, „die nötige Bestätigung gegeben, dass die Chancen für den Markt Kirchheim größer sind, als die Risiken“. Finanziell werde die Umsetzung mit all den anderen Verpflichtungen nicht leicht werden. „Aber wir werden es schaffen.“ Und Fischer war überzeugt: „Wir werden einen Mittelpunkt im Herzen Kirchheims schaffen, der Platz für Begegnungen, Sport und Musik, Theater und Kultur bieten wird. Wir werden damit eine wichtige nicht nur kulturelle Aufgabe erfüllen, sondern Platz für Tradition, Gemeinschaftspflege, Platz für neue Ideen schaffen, einen Platz für Alt und Jung und das direkt bei uns vor Ort.“

Es werde Leben in den Markt kommen, das für alle Menschen eine Bereicherung sein werde, sagte die Bürgermeisterin. Und egal, ob die Menschen zu Fuß oder mit dem Rad von weiter weg herkommen, man werde sie alle willkommen heißen. Und Fischer appellierte an ihre Ratskollegen: „Lasst uns mutig sein und den Weg gemeinsam gehen. Lasst uns unsere Chance nutzen.“ Eine Forderung, die die Gemeinderäte in ihren Aussagen unterstützten. So nannte nicht nur Vogginger das Vorhaben eine „Chance für Kirchheim“, im Mittelpunkt vom Ort und für das soziale Leben der Gemeinde. Man habe alle Risiken abgewogen und eine große Planungssicherheit, ergänzte Jürgen Glogger. Allein die wirtschaftliche Situation im Land, bzw. deren Entwicklung könne man nicht beeinflussen. Aber, so Glogger: Wenn man zusammenhalte, die Basis nicht verliere und die soliden Ansätze beibehalte, bekomme man ein „wunderbares Objekt“. Für Markus Mößnang ist das Vorhaben eine gute Investition in die Zukunft, vor allem für die Kinder und die zukünftigen Generationen. Die würden den Räten für den Mut, das Vorhaben umzusetzen, danken, war er überzeugt.

Im Weiteren fielen dann noch Worte wie „das Megaprojekt für Kirchheim im 21. Jahrhundert“ und es wurde betont, welch einmalige Chance man mit dem Projekt habe, etwas Einmaliges für den Markt zu realisieren. Georg Baur erinnerte an den vorangegangenen Gemeinderat, der das Projekt auf den Weg gebracht hatte und meinte, dass man auch die Kritiker nicht vergessen dürfe und auch die Widerstände berechtigt gewesen seien. Man habe aber ein deutliches Votum der Bürger für das Vorhaben. Nun gelte es, den Willen der Bürger umzusetzen. Schon einmal habe man mit dem Vereinsheim des TSV etwas aus dem Boden gestampft, auf das man stolz sein könne und das werde man mit dem Adler nun wieder schaffen. „Lasst uns alle das jetzt beginnen“, sagte Baur. Man werde sehen, dass das nicht nur für die Kirchheimer ein Treffpunkt werde. Und er versprach, mit Blick auf die Mahner, dass man die Kosten im Auge behalten und sparen werde, wo es gehe. Dann könne man mit gutem Gewissen an das Projekt herangehen.

Schließlich forderte Erich Wörishofer seine Ratskollegen auf, für das Projekt zu stimmen und damit ein Zeichen zu setzen. Schließlich votierten alle 15 Räte inklusive der Bürgermeisterin für die Unterzeichnung des Erbbaurechtsvertrages mit der Grafenfamilie und den Projektstart. Der nächste Schritt wird ein kleiner „Spatenstich“ am Ort des Wirtshauses sein, mit dem dann offiziell die Arbeiten beginnen werden.

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