Kreiskämmerer rechnet mit Kostensteigerung

Unterallgäu: Jugendamt muss immer öfter eingreifen

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Wenn das Jugendamt eingreifen und ein Kind in einer Pflegefamilie oder einem Heim unterbringen muss, kostet das den Landkreis pro Tag und Kind bis zu 300 Euro.

Unterallgäu – Immer häufiger muss auch im Unterallgäu das Jugendamt einschreiten und Kinder aus Familien holen – natürlich immer nur im Notfall, wenn ansonsten gar keine Alternative mehr infrage kommt. Wie Kreiskämmerer Sebastian Seefried in der jüngsten Kreisausschusssitzung vorausblickte, werde das Defizit, das daraus für den Landkreis entsteht, im kommenden Jahr um rund 900.000 Euro höher ausfallen als noch im Jahr 2018.

Wie Seefried erklärte, sei es für den Landkreis an dieser Stelle schwierig, mit Sparmaßnahmen zu reagieren. Bevor ein Kind kaputt gehe, müsse man es aus seiner Familie herausnehmen. „Wir können nicht sagen: Wir geben weniger für die Jugendhilfe aus.“ Steuerungsmaßnahmen gebe es höchstens an anderen Stellen.

Landrat Hans-Joachim Weirather, der dem Kreiskämmerer beipflichtete und von „gesetzlichen Pflichtleistungen“ sprach, ordnete die Situation im Landkreis auf Nachfrage von Kreisrat Robert Plersch (CSU) ein: Was die steigenden Fallzahlen angehe, sei der Landkreis Unterallgäu „in guter Gesellschaft“. Trotzdem: Betrachte man allein die Zahlen, seien diese hierzulande immer noch „niedrig bis sehr niedrig.“ In Vollzeitpflege – also bei Pflegefamilien – befinden sich derzeit 71 Kinder, für deren Betreuung der Landkreis Unterallgäu aufkommt. Sie sind dabei gar nicht zwangsläufig im Landkreis untergebracht. Denn allein der Wohnsitz der leiblichen Eltern entscheidet, wer für die Pflege bezahlen muss. 110 weitere Kinder aus dem Unterallgäu belegen zudem derzeit einen Platz in einer Einrichtung der Jugendhilfe – zum Beispiel in einem Heim. Und auch für 18 Heranwachsende, die tagsüber in einer Heilpädagogischen Tagesstätte untergebracht sind aber die Nacht zuhause verbringen, müsse der Landkreis Geld ausgeben. „Natürlich prüft man immer wieder, ob eine Maßnahme auch beendet werden kann“, sagt Landratsamt-Pressesprecherin Eva Büchele. Und ohnehin sei selbstverständlich das Ziel, ein Kind in seiner Familie zu lassen.

Bis zu 300 Euro pro Tag und Kind

Kommt es aber tatsächlich zu dem Fall, dass ein Kind „in ultima ratio“, wie Weirather sagte, aus einer Familie herausgerissen werden und in einem Heim oder bei einer Pflegefamilie untergebracht werden müsse, könne das für den Landkreis durchaus teuer werden. In Extremfällen würden pro Tag und Kind bis zu 300 Euro anfallen – zu tragen vom Landkreis. In diesem Zusammenhang berichtete der Landrat auch von einem Beispiel einer Familie, die aus Nordrhein-Westfalen ins Unterallgäu gezogen war. Alle vier Kinder der Familie mussten später vom Landkreis in einer Einrichtung untergebracht werden.

Alternativlösung gebe es keine. Schließlich bestehe der rechtliche Anspruch, in einem solchen Fall für die Kinder- und Jugendhilfe aufzukommen. „Und dann zahlen wir“, so Weirather. 13,5 Millionen Euro sind heuer insgesamt an Ausgaben für die Jugendhilfe angesetzt, dem gegenüber stehen Einnahmen von 6,6 Millionen Euro – ergibt in Summe ein Defizit von rund 6,9 Millionen Euro. Und dieses wird im kommenden Jahr nach Einschätzung von Kreiskämmerer Seefried um rund 900.000 Euro wachsen.

Weirather verwies noch darauf, die Problematik werde im dafür zuständigen Jugendhilfeausschuss noch genauer beleuchtet. Dessen nächste Sitzung findet am 3. Dezember im Landratsamt statt. 

Marco Tobisch

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