Servus und Danke, lieber Altlandrat

Unterallgäuer nehmen in Mindelheim Abschied von Dr. Hermann Haisch

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Mindelheim – „Gott isch a Mensch“, hallte die Stimme von Altlandrat Dr. Hermann Haisch durch die Stadtpfarrkirche. Für einen kurzen Augenblick wurde Haisch wieder zum Leben erweckt durch eine Tonaufnahme, in der er letztes Jahr an seinem 80. Geburtstag in derselben Kirche, in der er nun verabschiedet wurde, aus der Schwäbischen Weihnacht von Arthur Maximilian Miller las. Viele Menschen nahmen an seiner Beerdigung teil, ein schwarzer Strom zog durch die Mindelheimer Innenstadt.

Er spielte gerne ein Geburtstagsständchen mit seiner Trompete am Telefon, um sein Gegenüber damit zu überraschen und eine Freude zu bereiten. Das hätte er sich neben dem Job als Unterallgäuer Landrat auch noch vorstellen können: Eine Solotrompete eines großen Orchesters.

Doch Haisch war 28 Jahre lang Chef einer ganzen Behörde. Ein Chef, der auf vielen Terminen am liebsten gleichzeitig gewesen wäre. Ein Chef, der „uneingeschränkt hinter der Mannschaft stand und immer ein Lob und Dankeschön auf den Lippen hatte“, sagte Landrat Hans-Joachim Weirather über ihn. Obwohl Haisch CSU-Kommunalpolitiker war, sei er kein Karrierist, sondern ein „Überzeugungstäter, nicht des Establishments, sondern der Basis“ gewesen, sagte Staatsminister a.D. Franz Josef Pschierer über seinen Freund und Weggefährten. „Er wollte Landrat. Er konnte Landrat und konnte das sehr gut.“ Haisch habe sein Amt als Lebensaufgabe gesehen, diese lieben und leben gelernt. „Hermann war überall“, sagte Pschierer. Durch seine Omnipräsenz hatten die Menschen einen „Landrat zum Anfassen“. Er war „unverfälscht und echt“, volksnah, eben ein „Original“. Und da war es nicht verwunderlich, dass er sich für die Vereine und das Ehrenamt engagierte.

Für Sohn Gerhard Haisch war er ein musikalisches Talent, ein guter Redner, humorvoll, hilfsbereit, zuverlässig. Gerhard Haisch hofft, dass sein Vater ihm und seiner Familie im Himmel die Pforten aufmacht, doch „uns pressiert‘s noch nicht“, sagte er. Schließlich war es Zeit, sich zu verabschieden, mit einem „Servus, Danke und Vergelt‘s Gott“, wie Pschierer es tat. Viele Menschen waren jetzt für ihren Altlandrat da und begleiteten ihn auf seinen letzten Weg zum Friedhof.

Julia Böcken

Rubriklistenbild: © Julia Böcken

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