Suchtpräventions-Verantwortliche stellen Aufklärungsprojekte vor

Unterallgäuer Rausch-Bremser seit 20 Jahren

+
Bilder, die mit Suchtpräventionsprogrammen verhindert werden sollen. Dafür setzt sich die AWO mit ihren verschiedenen Maßnahmen schon seit 20 Jahren ein.

Unterallgäu – Dass viele Jugendliche sich schon lange vor ihrer Volljährigkeit ständig „die Hucke vollsaufen“, ist nur ein Gerücht – das beweist die Statistik von 2016: Demnach trinkt gerade mal jeder zehnte Teenager zwischen zwölf und 17 Jahren regelmäßig ­Alkohol. Wesentlich häufiger greifen da schon junge Erwachsene zur Flasche, wo fast jeder Zweite ­regelmäßig Bier, Wein oder Schnaps konsumiert. Um die Alkoholsucht im Unterallgäu zu reduzieren und diese besonders bei der jüngeren Generation gar nicht erst aufkommen zu lassen, leisten der Bezirksverband Schwaben e.V. der Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Träger der Psychosozialen Beratungsstelle Memmingen seit 1998 wertvolle Aufklärungsarbeit.

Mit Ursula Hiller und Stefan Marx sind es derzeit zwei Kräfte, die sich mit der Suchtprävention im Landkreis beschäftigen. Ihre Aufgabe ist es, so formuliert es das Landratsamt, „die Lebenskompetenz der Schüler zu stärken, um Alkohol- und Suchtmittelkonsum zu vermeiden bzw. zu verhindern“. Hiller besuche deshalb Schulen im ganzen Landkreis. Aber auch gemeinsame Projekte mit dem Kreisjugendamt Unterallgäu stünden auf der Agenda, um frühzeitig über Alkohol und Drogen aufzuklären.

Die Präventionsmaßnahmen lassen sich in drei Kategorien unterteilen: universelle Maßnahmen, die für alle Menschen nützlich sind; selektive Prävention für jene, die bereits mit einem Suchtproblem zu kämpfen hatten; und zuletzt noch die indizierte Prävention für akut Suchtgefährdete. Wichtig bei sämtlichen Maßnahmen: Es geht nicht nur darum, allein mit Horror-Bildern und -Geschichten abzuschrecken sondern ebenso darum, den Selbstwert des „Patienten“ zu stärken und mit sachlichen Informationen über Rauschmittel aufzuklären.

Universelle Maßnahmen zur Prävention bei Jugendlichen betreffen dabei nicht nur die Jugend per se. Auch die Eltern holen sich die Suchtberater ins Boot und bieten beispielsweise Elternabende in Schulen oder auch Einzelgespräche an. Geschult in Sachen Prävention werden auch Lehrer, Mitarbeiter von Jugendhilfeeinrichtungen oder auch sogenannte Präventionsmentoren – Schüler an Fachoberschulen, die das Wissen an ihre Mitschüler weitergeben können.

Der Klassiker unter den Angeboten dürfte wohl das Schulprojekt „Stark im Leben“ sein. Hier werden Schüler der achten Klassen im Landkreis zum Thema Sucht aufgeklärt, Lehrer ins­truiert und auch ein Elternabend abgehalten.

Andere konkrete Beispiele, wo die Alkoholprävention vorbildlich umgesetzt wird, ist beispielsweise die Teenie Disco für Zwölf- bis 15-Jährige. Hier sollen die angehenden Jugendlichen lernen, dass Feiern auch ohne Alkohol Spaß machen kann. Wie Kreisjugendpflegerin Julia Veitenhansl im jüngsten Jugendhilfeausschuss allerdings zu berichten wusste, würden die Partygänger oft bewusst „alkohol-ähnliche“ Getränke bestellen – etwa einen alkoholfreien Caipirinha. Gleiches gilt für die Cocktailmixkurse und den Cocktailwagen des Kreisjugendrings, die trotz Alkoholverzichts gut angenommen werden.

Wer bereits ein Alkoholproblem hatte, für den gibt es ein anderes passendes Projekt: Der Einstieg erfolgt hier meist durch die Polizei, die dem Jugendamt eine Meldung erstattet. Das Amt führt dann ein Erstgespräch mit dem betroffenen Jugendlichen und seinen Eltern, ehe der ­Jugendliche „steil“ in den Workshop durchstartet – „Steil – Steig ein ins Leben“ ist nämlich das Motto hinter dem Präventionsangebot.

Auch Landrat Hans-Joachim Weirather steht hinter den Maßnahmen, mit denen die Jugendlichen (zurück) auf den rechten Weg geführt werden sollen. Der Landrat hofft, dass junge Schicksale auf diese Weise noch korrigiert werden können, damit es später nicht zu Folgeproblemen kommt.

Marco Tobisch

Auch interessant

Meistgelesen

Türkheimer Schülerinnen bei Wirtschaftsplanspiel erfolgreich
Türkheimer Schülerinnen bei Wirtschaftsplanspiel erfolgreich
Mindelheim steigt auf Recyclingpapier um
Mindelheim steigt auf Recyclingpapier um
Unfallverursacher flüchtet auf A96
Unfallverursacher flüchtet auf A96
Kieslaster bei Stetten umgekippt
Kieslaster bei Stetten umgekippt

Kommentare