Zweimal Freispruch, einmal Gefängnis

Urteil im Bad Wörishofer Totschlagsprozess

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Am Memminger Landgericht fiel am Freitag das Urteil gegen drei Männer, die wegen gemeinschaftlichen Totschlags angeklagt waren.

Memmingen/Bad Wörishofen – Drei Männer, heute 34, 37, und 56 Jahre alt, sollen in Bad Wörishofen im Alkoholrausch einen Bekannten zu Tode geprügelt haben. Am Freitag fiel am Landgericht Memmingen nun das Urteil.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sollen sich die Angeklagten in der Nacht auf den 5. September 2018 in einem Wohnheim zusammen mit dem 46-Jährigen Opfer massiv betrunken haben. Gegen halb ein Uhr morgens sei es dann zum Streit gekommen, der schnell handgreiflich wurde: Der jüngste der drei Angeklagten habe dem wehrlosen Opfer laut Staatsanwaltschaft immer wieder mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die anderen beiden hätten sich bald daran beteiligt. Die Folge von über 60 Schlägen: Rippenbrüche, eine Nasenbeinfraktur und ein beidseitiges Schädel-Hirn-Trauma. Durch die massiven Kopfverletzungen gelangte Blut in den Rachenraum des Mannes – er erstickte. Danach sollen die Angeklagten den Tatort grob gereinigt, den Leichnam ins Bett gelegt und ihn mit einer Decke zugedeckt haben.

Der 34-jährige Angeklagte soll außerdem rund drei Wochen nach dieser Tat den Bruder seiner damaligen Freundin zusammengeschlagen haben. Staatsanwalt Sebastian Murer forderte für ihn deshalb eine Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Jahren wegen gemeinschaftlichen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Für die beiden anderen Angeklagten sah er eine Haftstrafe von jeweils 13 Jahren wegen gemeinschaftlichen Totschlags für angemessen. Alle drei Männer sollten nach dem Verbüßen eines Teils der Strafe – fünfeinhalb beziehungsweise viereinhalb Jahre – wegen ihrer schweren Alkoholabhängigkeit in einer Entzugsanstalt untergebracht werden.

Ganz anders sahen das die drei Verteidiger: Bei der Anklage auf gemeinschaftlichen Totschlag plädierten sie alle auf Freispruch. Der Verteidiger des 34-Jährigen sprach sich in Bezug auf den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung für eine Haftstrafe von zwei Jahren aus mit der Unterbringung seines Mandanten in einer Entzugseinrichtung.

Im Zweifel für die Angeklagten

Nach mehrstündiger Beratungszeit verurteilte die Erste Strafkammer des Landgerichts den 34-jährigen Angeklagten dann zu einer Haftstrafe von zehn Jahren – nicht wegen Totschlags, sondern wegen Körperverletzung mit Todesfolge für die Tat in Bad Wörishofen zusammen mit gefährlicher Körperverletzung für den Übergriff auf den Bruder seiner damaligen Freundin. Das Gericht ordnete außerdem an, dass der 34-Jährige nach der Verbüßung einer Teilstrafe in eine Entzugsanstalt eingewiesen werden soll. Wie auch die beiden anderen Angeklagten ist der Mann schwer alkoholabhängig – laut Einschätzung des Gerichts besteht ein „symptomatischer Zusammenhang zur Tat“.

Der 56-Jährige und der 37-Jährige wurden wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Wie der Vorsitzende der Ersten Strafkammer ausführte, spreche unter anderem die Vielzahl der Verletzungen des Opfers genauso wie die Tatumstände dafür, dass die beiden Männer ebenfalls beteiligt waren. Nur könne man es ihnen nicht zweifelsfrei nachweisen – in solch einem Fall gilt das Prinzip „in dubio pro reo“, im Zweifel für den Angeklagten.

Die Ermittler hatten an allen drei Angeklagten Blut und DNA-Spuren des Opfers gefunden. Jedoch hatte eine mit deren Auswertung betraute Rechtsmedizinerin bei der Verhandlung erklärt: „Ich kann anhand der Befunde nicht sagen, welche Aktion durchgeführt wurde.“

Eine weitere Schwierigkeit bei der Urteilsfindung: Es gab keine unabhängigen Zeugen, die die Tat beobachtet hätten; die drei Angeklagten haben im Prozess konsequent geschwiegen. Das Gericht stützte sich deshalb auch auf die Aussage des 37-Jährigen bei der Polizei. Er hatte damals erzählt, dass der jüngste Angeklagte dem Opfer im Streit mit der Faust ins Gesicht geschlagen habe. Der Mann fiel nach hinten auf das Bett, konnte sich aber wieder aufrichten. Daraufhin soll der 34-Jährige immer wieder auf das Opfer eingeschlagen und -getreten haben. Der 37-Jährige selbst und der 56-jährige Mitangeklagte hätten aber nicht zugeschlagen. (am)

Zeugin berichtet, Angeklagter habe sie um ein Alibi gebeten 
Wegen Totschlags Angeklagte von weiteren Zeugen belastet 
Gerichtsmediziner sprechen von mindestens 64 Schlägen und Tritten 
Urteil im Bad Wörishofer Totschlagsprozess verschoben

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