Statt Meister bald Bachelor?

Verdienst fürs Lebenswerk: Kreishandwerkerschaft zeichnet in Mindelheim 29 Altmeister aus

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Kreishandwerksmeister Robert Plersch (links) und Präsident der Handwerkskammer von Schwaben Hans-­Peter Rauch (rechts), vergaben eine Ehrenurkunde, zwei Silberne Ehrennadeln und eine Goldene Ehrennadel an (v. links): Alfred Notz (Metallbauermeister, Markt Rettenbach), Horst Dargel (Maschinenbaumechanikermeister, Memmingen), Markus Höbel (Schreinermeister, Boos-Reichau) und Günter Zeile (Schneidwerkzeugmechanikermeister, Memmingen).

Unterallgäu – „Sie haben sich auf besondere Weise für das Handwerk verdient gemacht“, bedankte sich Hans-Peter Rauch, Präsident der Handwerkskammer von Schwaben, bei einer ganzen Reihe sogenannter Altmeister. Mit 25 Goldenen Meisterbriefen, einer Ehrenurkunde sowie zwei Silbernen und einer Goldenen Ehrennadel wurden im Mindelheimer Silvestersaal Herren und Damen ausgezeichnet, die sich seit Jahrzehnten für ihren Handwerksberuf stark machen.

Bevor sie ihre Ehrung in Empfang nahmen, gab es noch ein „Feuerwerk“ an Lobesworten, wie auch Rauch in seiner Rede im Hinblick auf Silvester eingeleitet hatte. Den Startschuss gab Kreishandwerksmeister Robert Plersch: Über 60 Jahre Lebenserfahrung sowie über 30 Jahre als Meister eines Betriebs – das hatten die Geehrten nämlich gemeinsam – seien freilich „nicht immer ganz ohne Hürden“. Aber: „Sie haben es mit Weitblick, mit fachlicher Kompetenz und vor allem mit großem Durchhaltevermögen geschafft.“

Im Mindelheimer Silvestersaal durften vergangene Woche 29 „Altmeister“ aus dem Landkreis Unterallgäu und Memmingen ihre Ehrung in Empfang nehmen.

Auch zu den denkbaren Berufsabschluss-Bezeichnungen „Bachelor Professional“ und „Master Professional“, die derzeit zur Diskussion stehen, äußerten sich Plersch und Rauch. Deren Hintergrund: Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte diese Titel angeregt, um den bekanntlich bewährten Meistertitel zu stärken. Während von den Hochschulen Kritik kommt, weil bei den neuen Titeln Verwechslungsgefahr mit den Hochschulabschlüssen drohe, sieht Plersch der möglichen Änderung positiv entgegen: „Der Meistertitel soll um die Bezeichnung ‚Bachelor Professional‘ ergänzt aber ausdrücklich nicht ersetzt werden. Er soll die Gleichwertigkeit mit dem akademischen Bachelor unterstreichen.“ Am morgigen Freitag, 29. November, will der Bundesrat übrigens über die neuen Titel beraten.

Aber zurück zu den geehrten Handwerksmeistern, die auch von der Lokalpolitik den Rücken gestärkt bekamen: Stellvertretende Landrätin Marlene Preißinger bedankte sich bei „geballter Handwerkerkompetenz“. Alle Geehrten hätten maßgeblich daran mitgewirkt, „dass es dem Landkreis Unterallgäu gut geht“. Mindelheims Dritter Bürgermeister Roland Ahne ergänzte, die Auszeichnungen seien nicht nur fürs Meister-Dasein, sondern für ein ganzes „Lebenswerk“. Und Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder bedankte sich dafür, dass die langjährigen Meister „Generationen von jungen Leuten in einem ehrlichen Beruf eine Perspektive gegeben haben“.

Marco Tobisch

Kommentar zu den frisch gebackenen "Altmeistern" von Marco Tobisch:

Sie sind die Stars ihres Handwerks!

Im Sport wird nur der Beste einer Saison Meister – derjenige, der sich gegen sämtliche Konkurrenten durchsetzt. Von „Altmeistern“, wie sie nun für ihr Handwerk in Mindelheim geehrt wurden, ist im Sport dann die Rede, wenn ein Spieler seinen Zenit längst überschritten hat oder für vergangene Heldentaten ausgezeichnet wird. Im Handwerk ist das anders: Noch heute sind viele der Geehrten als Betriebsleiter oder Geschäftsführer für ihr Lebenswerk aktiv, fungieren als Vorbilder für Mitarbeiter und insbesondere für nachkommende Generationen. Mit dem, was sie tun und wie sie sich nicht nur im Betrieb, sondern auch in der Innung für ihre Zunft einsetzen, setzen sie Maßstäbe und prägen auch die Entwicklung ihres Handwerksberufes. Und, um es sportlich auszudrücken: Ihr Handeln macht sie zu aktiven und erfolgreichen Cristiano Ronaldos und Lionel Messis des Handwerks – und nicht zu „Altmeistern“ wie Beckenbauer oder Breitner, deren Ruhm langsam verhallt.

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