Jetzt sollen die Fachleute entscheiden

Verkehrskonzept Maristenareal: Bürgerdialog bringt Fortschritte, aber keine Lösung

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Schulwerksdirektor Peter Kosak erklärte, das Schulwerk wolle sich ebenfalls an der Lösung des Verkehrsproblems beteiligen – und dafür womöglich eine ursprünglich als Biotop geplante Fläche zur Verfügung stellen, wo das sogenannte „Kiss & Ride“ abgewickelt werden könnte.

Mindelheim – Auch im zweiten Bürgerdialog blieb es erwartungsgemäß schwierig, auf einen grünen Zweig zu kommen: Einmal mehr diskutierten am Mittwoch vergangener Woche unter anderem Anlieger, Schul- und Elternvertreter in der Unterkirche darüber, wie sich der Verkehr rund ums Maristenareal entzerren lässt. Nach rund zweieinhalb Stunden – davon etwa eineinhalb Stunden Diskussion – erklärte Moderatorin Ingegerd Schäuble vom Münchner Schäuble-Institut für Sozialforschung: „Ich habe das Gefühl, dass wir das gar nicht so gut miteinander bewältigen können.“ Immerhin habe man in einigen Teil­aspekten Tendenzen feststellen können, die das Institut nun gemeinsam mit Stadtplaner Andreas Bergmann vom Büro „Stadt, Land, Verkehr“ in einem möglichst guten Kompromiss festzurren will – und schließlich dem Stadtrat vorlegt. Dieser will die Ideen aufgreifen und am 22. Juli über ein neues Konzept beschließen.

Oranna Erb, ebenfalls vom Schäuble-Institut nach Mindelheim gekommen, gab den rund 80 Gästen zunächst einen Rückblick auf die vergangenen Veranstaltungen, bei denen bereits nach einem Verkehrskonzept fürs Maristenareal gesucht wurde – angefangen bei einer Meinungsabfrage im November 2017 und schließlich fortgesetzt mit dem ersten Bürgerdialog im Mai. Erb machte klar, wie schwierig es sei, alle Interessensgruppen unter einen Hut zu bringen. Davon zählte sie insgesamt elf auf, unter anderem Schüler, Eltern, Anlieger oder umliegende Firmen. Und diese elf Gruppen kämen zudem auf unterschiedlichste Weise an ihr Ziel – eine weitere Herausforderung für die Planer. Als Teilbereiche des neuen Konzepts nannte sie deshalb die Regelung fürs Dauerparken, das Festlegen einer sogenannten „Kiss & Ride“-Zone (wo Eltern ihr Kind aussteigen lassen oder abholen können), den Ausbau der Radwege, die möglichst gerechte Verteilung des Verkehrs und die „Reduzierung gebietsfremden Verkehrs“, etwa Einpendler, die ihrer Arbeit in der Innenstadt nachgehen. Beziehe man all diese verschiedene Interessen ein, gebe es freilich keine 100-Prozent-Lösung, erklärte Erb. Auch Bürgermeister Dr. Stephan Winter hatte zuvor schon von einem „offenen Meinungsbild“ gesprochen, das bereits im Mai „eine ganze Bandbreite von Lösungsansätzen“ hervorgebracht habe.

Neue Grundschule

Was im Vergleich zum letzten Bürgerdialog neu hinzukommt: Das Schulwerk der Diözese Augsburg gab vor wenigen Tagen bekannt, in Mindelheim eine neue, einzügige Grundschule eröffnen zu wollen – ebenfalls auf dem Maristenareal. Eine eigene Hol- und Bringlösung werde es dafür in der Kaufbeurer Straße geben. Das bestätigte auch Schulwerksdirektor Peter Kosak: „Die Grundschule wird die Sachlage nicht verschlechtern.“ Die Planung der neuen Schule sei darüber hinaus sogar Denkanstoß dazu gewesen, dass sich das Schulwerk selbst an der Lösung des Verkehrsproblems beteiligen will. Wie Kosak erklärte, denke man aktuell darüber nach, eine Weitsprunganlage im Süden des Areals abzugeben und zur künftigen „Kiss & Ride“-Zone umzugestalten. Auch eine ursprünglich als Biotop geplante Fläche hin zur Kaufbeurer Straße zur Verfügung zu stellen, sei denkbar. Als nicht verhandelbar erklärte Kosak derweil den Hartplatz, dessen Umnutzung zum Bereich für Elterntaxis Planer Andreas Bergmann anfangs zur Diskussion gestellt hatte. Die im letzten Bürgerdialog ins Spiel gebrachte Fläche südlich der Bahnlinie in die Lösung des Verkehrskonzept miteinzubeziehen, hält Kosak für nicht sinnvoll. Ohnehin müsste die Stadt diese Fläche erst erwerben. Erste Gespräche zwischen Besitzer und Stadt haben zwar bereits stattgefunden – diese wiederaufnehmen würde Dr. Winter aber nur gesetzt den Fall, es liege der ausdrückliche Wunsch seitens der Bürger vor, dort „etwas Vernünftiges zu machen“.

Während zahlreiche Teilnehmer des Dialogs wie Martin Hundhammer, Tobias Hötzel oder Kurt Stempfle das Schulwerk für ihre Eigeninitiative bei der Suche nach geeigneten Flächen lobten, gab´s von Grünen-Stadtrat Josef Doll Kritik: „Wir brauchen dem Schulwerk nicht dankbar sein“, denn eine Grundschule gehöre in die Stadtmitte. Zum Champagnatplatz würde der Großteil der, laut Dolls Schätzungen, 100 Schüler mit dem Auto gebracht. Der Ansatz des Schulwerks für „Kiss & Ride“-Zonen „am Biotop“ und/oder der jetzigen Weitsprunganlage sei deshalb nur eine „winzige Lösung“.

»Schildbürgerstreich«

Überlegt wurde auch, die Fläche westlich der besagten Weitsprunganlage in die Planungen miteinzubeziehen, die jedoch aktuell von 14 Fußballteams des TSV Mindelheim genutzt wird. Deshalb meldete sich Stadtrat Uli Manlig zu Wort, der eine Umnutzung dieser Fläche als „Schildbürgerstreich ohnegleichen“ bezeichnete. „Wir brauchen die Fläche unbedingt.“

Weil insbesondere der Ort einer oder mehrerer „Kiss & Ride“-Zonen viele verschiedene Ideen und Meinungen hervorbrachte, brach Moderatorin Schäuble die Diskussion nach zweieinhalb Stunden ab. Man müsse die Gestaltung des finalen Vorschlags an den Stadtrat nun „in die Hände von Fachleuten“ geben. „Ich traue uns das zu“, meinte Schäuble. Oranna Erb, die sämtliche Ideen mitnotiert hatte, fasste die verschiedenen Bereiche am Ende zusammen und versuchte, jeweils einen Konsens zu finden.

Die Ergebnisse im Überblick:

LKW sollen am Champagnatplatz zwischen 7 und 8 Uhr keine mehr fahren dürfen. Dafür plädierte Gymnasiums-Schulleiter Gottfried Wesseli.• Schwabenwiese:

LKW sollen am Champagnatplatz zwischen 7 und 8 Uhr keine mehr fahren dürfen. Dafür plädierte Gymnasiums-Schulleiter Gottfried Wesseli.

Rund 200 bis 300 Parkflächen stehen hier derzeit zur Verfügung, wie eine Nachfrage von Karin Spiegl ergab. Dass die Schätzung so unpräzise ist, liegt daran, dass bislang Markierungen fehlen, wie auch Josef Doll moniert hatte. Künftig sollen die Parkflächen befestigt sein – auch, um unnötige Staubschwaden zu vermeiden. An der Schwabenwiese soll künftig das „Kiss & Ride“ für die Kita abgewickelt werden. Eine Brücke hinüber zum ehemaligen Internatsgelände hat der Stadtrat bereits beschlossen. Damit das Fahrtempo auf ein Minimum gedrosselt wird, empfiehlt Stadtplaner Bergmann einen Zick-Zack-Kurs, über den die Parker ein- und ausgeleitet werden. Trotzdem soll die Schwabenwiese auch in Zukunft „Multifunktionsraum“ bleiben und Veranstaltern Platz bieten, beispielsweise für den Street Food Markt. Und sie könne auch „nicht alleiniger Problemlöser“ für den Verkehr sein, wie Bergmann anmerkte.

• „Kiss & Ride“:

Weil dazu besonders viele unterschiedliche Vorschläge kamen, blieb dieser Punkt bis zum Ende der umstrittenste. Obwohl es viele Befürworter dafür gab, den aktuellen Lehrerparkplatz umzusiedeln und an dieser Stelle eine Bring- und Holstelle für Elterntaxis einzurichten, zählten die Moderatorinnen mehr Gegenstimmen. Dass allein die Schwabenwiese für diesen Zweck nicht ausreicht und dass es mehrere solcher Zonen geben muss, um den Verkehr zu den Stoßzeiten in der Früh und vor allem mittags – da warten die Eltern schließlich rund zehn Minuten – zu entzerren, da waren sich die Diskussionsteilnehmer überwiegend einig. Weitere Standorte für „Kiss & Ride“ könnten je nach Prüfung durch das Schulwerk die vorhandene "Biotopfläche" oder die Weitsprunganlage sein. Alternativ, diesen Vorschlag hatte Gymnasiums-Schulleiter Gottfried Wesseli angebracht, könne man womöglich auch eine weitere städtische Fläche ins Auge fassen, die nordwestlich des Julius-Strohmayer-Stadions liegt und wo derzeit Holz gelagert wird.

• Radverkehr:

Tobias Hötzel hatte die Stärkung der Nord/Süd-Achse für Radfahrer gefordert. Zudem könnten sogenannte Fahrradstraßen die Attraktivität steigern, künftig umweltfreundlich auf zwei Rädern in die Schule zu fahren. Wie auch Klaus Eschenbach aufgeklärt hatte, bedeutet eine Fahrradstraße nicht etwa, dass dort zwangsläufig nur Fahrräder fahren dürfen. Auch Autos könnte man die Zufahrt zu solchen Straßen genehmigen, jedoch mit Priorität und mehr Achtsamkeit für Radfahrer. Die Georgenstraße könnte man, so der mehrfache Wunsch, zur Fahrradstraße erklären. Wichtig aber sei zunächst, ein Umdenken zu erreichen und das Radfahren nicht als „Beschwerlichkeit“ zu sehen, meinte Experte Andreas Bergmann.

• LKW-Fahrverbot:

Brummifahrern zwischen 7 und 8 Uhr ein Durchfahrtsverbot zu erteilen, hatte Schulleiter Wesseli den Münchner Planern vorgeschlagen. Andreas Bergmann merkte dazu an, das müsse man mit den betroffenen Firmen absprechen.

Marco Tobisch

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