Parkplatznot nur lokal, nicht flächendeckend

Verkehrsplaner stellen Ergebnisse der Parkraumerhebung für Mindelheims Altstadt vor

Verkehr Mindelheim Konzept Altstadt
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Während in der Maximilianstraße zur Spitzenzeit tatsächlich kein einziger Parkplatz mehr frei ist, gibt es rund um den Altstadtring (hier in der Frundsbergstraße) häufig noch Kapazitäten.
  • Marco Tobisch
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Mindelheim – Der Mindelheimer Altstadt im Gesamten fehlt es zwar nicht akut an Parkplätzen, aber etwa 25 bis 40 weitere Parkplätze würden das Geschehen in der Maximilianstraße doch erheblich entzerren. Zu diesem Ergebnis kommt das Büro Modus Consult aus Ulm, das von der Stadt mit der Erstellung eines Mobilitätskonzept beauftragt wurde. Durchgeführt hat haben die Verkehrsexperten aus Ulm bereits eine Haushaltsbefragung und eine Parkraumerhebung. Die Ergebnisse von Letzterer hat Stefan Hangleiter, Projektleiter bei Modus Consult, kürzlich dem Stadtrat vorgestellt.

An einem Dienstag sowie einem Donnerstag Ende Oktober waren die Planer von Modus Consult losgezogen, um zwischen 7 und 19 Uhr halbstündlich bzw. stündlich die Autokennzeichen auf den Parkplätzen zu notieren. Rund 1.190 Stellplätze rund um die Altstadt und den Altstadtring hat das Büro dabei gezählt und begutachtet – davon 699 „freie“ Parkplätze, 125 mit Parkscheibe, 321 mit Parkschein und 45 Bewohnerparkplätze.

Die wohl wichtigste Beobachtung: Zur Spitzenzeit um 10 Uhr gibt es in der Altstadt keinen freien Parkplatz mehr, wie Hangleiter erklärte. Nur vereinzelte Parkmöglichkeiten gibt es um 9 und um 11 Uhr. Und nach einer Entlastung um die Mittagszeit wird es auch gegen 15 und 16 Uhr nochmal schwer, einen freien Parkplatz zu ergattern – eine Vollauslastung gibt es nach 10 Uhr aber laut Modus Consult keine mehr.

Außerdem ist Stefan Hangleiter aufgefallen, dass der Anteil an Kurzzeitparkern in Mindelheim hoch ist. Verglichen mit anderen Städten in ähnlicher Größe seien 1,2 Stunden mittlere Parkdauer „wenig“. Nur jeder Zehnte parkt in Mindelheim länger als zwei Stunden.

Mehr Chancen am Ring

Was derweil nicht verwundert: Je nachdem, wie weit der Weg in die Innenstadt ist und ob ein Parkplatz kostenfrei ist, steigt bzw. sinkt laut der Ergebnisse von Modus Consult auch die Chance, einen freien Parkplatz zu finden. So war beispielsweise zur Spitzenzeit um 10 Uhr, als die Parkplätze in der Maximilianstraße voll ausgelastet waren, an den kostenpflichtigen Parkplätzen am Forum und an der Kaufbeurer Straße noch mehr als ein Drittel frei. Am alten Normaparkplatz an der Georgenstraße war die Chance auf einen freien Parkplatz zu dieser „Rush Hour“ nicht ganz so groß, aber auch hier wären noch einige Autofahrer fündig geworden, wie die Erhebungszahlen zeigen.

Vergleichsweise angespannt ist die Situation bei den Bewohnerparkplätzen: Die vorhandenen Parkplätze in der Pfarr-, Hauber-, Kleinhanns- und Lautenstraße sind ebenso fast dauerhaft besetzt wie in der Hechel-, Hungerbach- und Schlachthausgasse. Nur in der Mindelgasse und Fuggerstraße gab es an den beiden untersuchten Tagen noch ein paar freie Parkplätze.

Auch auf eine zuletzt diskutierte Tiefgarage auf dem Kloster­areal ging Hangleiter ein. Diese würde vor allem den Parksuchverkehr – also Autos, die auf der Suche nach einem Parkplatz teils mehrfach durch die Straße fahren – erheblich reduzieren. Rein aus verkehrlicher Sicht empfahl der Experte aus Ulm eine Erschließung über die Frundsbergstraße – wobei angesichts der vielfach diskutierten Gegenargumente wie etwa bezüglich des Denkmalschutzes oder des Holzbaur-Gartens Christoph Walter (CSU) zuletzt schon deutlich gemacht hatte, diese Variante werde wohl im Stadtrat niemand mehr favorisieren.

Zum Parkplatzbedarf äußerte sich Modus Consult schon recht konkret: Zusätzliche öffentliche Stellplätze in der Altstadt empfiehlt das Ulmer Büro etwa 25 bis 40, um den Druck in der Maximilianstraße zu reduzieren. „Klassisches Defizit“ gebe es aber keins, wie Hangleiter auf Nachfrage von Ursula Kiefersauer (MBG) bestätigte. Grundsätzlich, so der Projektleiter, gelte es, die parkenden Autos angesichts der vorhandenen freien Parkplätze außerhalb des Altstadtrings möglichst gleichmäßig zu verteilen. Ein Leitsystem für Parkplatzsuchende hält Hangleiter dabei für sinnvoll. Ein Vorschlag könne laut des Experten von Modus Consult im fertigen Konzept auch lauten, die Parkkosten in der Maximilianstraße teurer zu gestalten, um die Attraktivität zu verlagern.

Entscheidung der Politik

Bürgermeister Stephan Winter erklärte daraufhin, der Stadtrat habe sich in der Vergangenheit bewusst dazu entschieden, die Einzelhändler mit günstigen Parkpreisen zu unterstützen und Kundschaft in die Stadt zu locken. Ob man das ändern wolle, sei laut Winter letztlich eine politische Frage. „Wir haben genug Parkplätze, aber halt nicht dort, wo der Kunde sie haben will.“

Nach Erfahrungswerten, wie viele Leute von außerhalb gar nicht erst in die Altstadt rein fahren, weil sie in Mindelheim womöglich keinen Parkplatz finden, fragte Manfred Salger (CSU). Das sei schwer zu beantworten, meinte Hangleiter, der womöglich über die notierten Autokennzeichen noch eine Aussage dazu wagen will.

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