2020 mehr Verkehrstote und Schwerverletzte

Verkehrsunfallstatistik Bad Wörishofen: Wo es zählt, blieb der Corona-Effekt aus

Unfall Polizei Bad Wörishofen
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Die Bad Wörishofer Polizei hat zuletzt ihre Unfallzahlen aus dem vergangenen Jahr vorgestellt und die Entwicklung erklärt.
  • Marco Tobisch
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Bad Wörishofen/Wertachtal – Die 767 Verkehrsunfälle, die die Bad Wörishofer Polizei im letzten Jahr aufnehmen musste, stellen mit Blick auf die letzten fünf Jahre einen Tiefstwert dar. Im Grunde erfreulich für die Beamten. Dass die Statistik 2020 aber auch einige Schatten beinhaltet, hat Polizeichef Thomas Maier im Gespräch mit dem Wochen KURIER erklärt.

Denn der Rückgang sei insbesondere auf den innerörtlichen Verkehr zurückzuführen, der während der Corona-Monate im Vergleich zu den Vorjahren entzerrt war. So gab es unter anderem weniger Parkrempler oder andere Kleinunfälle (Rückgang von 558 auf 480 Unfälle), die letztlich für die Bewertung aber nicht entscheidend seien, meint Maier. „Dass in der Verkehrsdichte mal jemand hinten drauf fährt, passiert. Da gibt es aber meistens keine Verletzungen, denn die Fahrzeugsicherheit ist inzwischen schon enorm geworden.“

Trotz Lockdown kaum verbessert

Aber obwohl Autos sicherer werden und Veränderungen wie Lockdown und Homeoffice den Verkehr phasenweise erheblich reduziert haben, sind die Unfälle mit Personenschaden (von 101 auf 98) und Unfälle „mit schwerwiegender Ursache“ (von 194 auf 189) im Vergleich zu 2019 kaum zurückgegangen. „Schön, dass es leicht zurückgeht, aber ich hätte mir hier durch die Lockdowns eine erhebliche Verbesserung gewünscht“, sagt Maier.

Während sich Corona bei den Kleinunfällen zumindest leicht ausgewirkt hat, blieb ein Effekt für schwerwiegende Unfallfolgen aus. „Insgesamt sind die Unfallzahlen bei uns auf niedrigem Niveau, das stimmt mich schon zufrieden. Aber zwei Tote und 33 Schwerverletzte sind zu viel.“ In beiden Kategorien lag der Vorjahreswert knapp drunter. Die beiden schwerwiegendsten Fälle des letzten Jahres: Eine Autofahrerin verunglückte tödlich, ohne fremdes Einwirken. Und ein 58-jähriger E-Bike-Fahrer, der in Türkheim ein am Straßenrand geparktes Auto übersehen hatte, zog sich beim Sturz eine tödliche Kopfverletzung zu.

Eine der beiden letztjährigen Tragödien im Dienstbereich der Bad Wörishofer Polizei: In Türkheim verunglückte im November ein E-Bike-Fahrer, nachdem er ein geparktes Auto übersehen hatte.

Unfallschwerpunkte gab es im letzten Jahr keine und auch mit dem Straßenbau im Unterallgäu zeigt sich Thomas Maier zufrieden. Wo der Polizeichef in Gesprächen mit dem Landrats­amt derweil noch ringt, ist eine Tempo-30-Regelung in der Tussenhauser Straße vor der Albert-Schweitzer-Volksschule in Ettringen. Maier würde hier gerne, wie es in nahezu allen anderen Gemeinden in seinem Dienstbereich bereits der Fall ist, das Fahrtempo vor der Schule von 7 bis 17 Uhr auf einer Länge von 300 Metern reduzieren. Noch stelle sich die Kreisbehörde quer mit der Begründung, die Schule sei zu weit weg von der Straße, berichtet Maier, der das anders sieht: „Ich persönlich sage, das gehört gemacht, denn hier spielt sich der Schulverkehr ab. Das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen.“

Die Statistik ist in diesem Bereich erfreulich, bei Schulwegunfällen steht in den letzten Jahren stets die Null – die „einzige zufriedenstellende Zahl“ in dieser Rubrik, wie der Polizeichef betont. Für die Sicherheit der letzten Jahre habe aber nicht nur die Polizei gesorgt. Maier: „Neben unseren Jugendverkehrserziehern gilt mein großer Dank allen Schulweghelfern und Schülerlotsen, die sich bei Wind und Wetter rausstellen und markante Punkte sichern.“

Keine Panik mehr im Winter

Mit Blick auf die Ursachen, die hinter den 767 Verkehrsunfällen des letzten Jahres stehen, fällt auf, dass Unfälle wegen Eis und Schnee (6) kaum mehr eine Rolle spielten – zum einen natürlich wegen der milden Witterungen, zum anderen laut Maier dank immer besserer Fahrzeugtechnik. Aber auch für die Fahrer selbst hat der Polizeichef ein Lob übrig: „Die Leute verfallen im Winter nicht mehr so leicht in Panik, das hat sich gebessert.“

Polizeichef Thomas Maier

Einen Anstieg (von 21 auf 31 Fällen) gab es im Vergleich zu 2019 bei Unfällen, bei denen zu schnelles Fahren die Ursache war. Nahezu unverändert liegt das Niveau der Unfälle nach Vorfahrtsverstößen (51) oder Alkoholkonsum (14) – wobei Maier in Sachen Alkohol und Drogen auch von einer hohen Dunkelziffer ausgeht. Meistens waren 2020 wie in den Vorjahren auch Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Ausfahren oder zu wenig Sicherheitsabstand ursächlich bei Verkehrsunfällen. Das führt Maier zum Teil auch auf neue 30er-Zonen zurück, wo es schlichtweg etwas „dauert, bis Gewohnheit eintritt“.

Krachendes Blech sei in der Regel auch die Folge bei Wildunfällen, die laut Maiers Zahlen seit 2018 leicht rückläufig sind. 2020 kam es im Dienstbereich der Polizei Bad Wörishofen, zu dem neben der Kneippstadt auch Türk­heim, Ettringen, Markt Wald, Tussenhausen, Amberg, Wiedergeltingen und Rammingen zählen, zu 276 Wildunfällen. Von Polizeiseite könne man diese Rubrik allerdings kaum beeinflussen, sagt Maier: „Die Wildsauherde, die sich auf den Weg macht, wird uns nicht Bescheid sagen, dass sie jetzt über die Straße läuft.“ Sein einziger Appell deshalb, um den Positivtrend bei Wildunfällen fortzusetzen, lautet deshalb schlichtweg, nachts in Waldgebieten „langsamer und wachsamer“ zu fahren.

Unfallflucht: Aufklärungsquote steigt

Ebenfalls kontinuierlich in die richtige Richtung ging es seit 2017 bei den Unfallfluchten, diese sanken im letzten Jahr auf 124 Fälle. Der Polizeichef warnt auch weiterhin: „Auch, wer zunächst keinen Schaden sieht, muss sich unbedingt mit dem Geschädigten in Verbindung setzen, egal wie.“ Wenn in einer Stunde niemand komme, solle man die Polizei anrufen. Denn wer sich einfach vom Acker mache, dem drohe nicht nur eine empfindliche Geldstrafe, sondern auch der Führerscheinentzug. Dazu kommt: „Es gibt meistens Zeugen, die etwas beobachtet haben und mitteilen.“ So stieg die Aufklärungsquote bei Unfallfluchten letztes Jahr auf über 44 Prozent. Nichtsdestotrotz lobt Maier abschließend: „Der Großteil unserer Bevölkerung lebt brav, solide und regelkonform und hat mit der Polizei nix zu tun. 95 Prozent fahren anständig und rücksichtsvoll.“

Marco Tobisch

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