Neues Videoreisezentrum

Bad Wörishofen: Bahnfahrer haben jetzt wieder einen Ansprechpartner

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Der neue, moderne Service-Schalter der Bahn hat letzte Woche seinen Betrieb in Bad Wörishofen aufgenommen.

Bad Wörishofen – Seit vergangener Woche können sich Bahnreisende in Bad Wörishofen wieder vis-a-vis mit einem Bahnmitarbeiter unterhalten, wenn sie Informationen zu den Zügen, eine Fahrkarte oder eine Fahrplanauskunft brauchen. Möglich macht es, nach der Schließung der Agentur im Bahnhof, ein Videoreisezentrum. Nach einem halben Jahr Vorarbeit hat die Bahn im Allgäu nun ihr fünftes Videoreisezentrum (VRZ) in der Kneippstadt eröffnet.

Es ist ein bisschen wie in alten Zeiten. Da saß der Bahnbeamte, bei dem es Fahrkarten und Reiseauskunft gab, auch hinter einer Glasscheibe. Heute ist das der Videomonitor, auf dem die freundliche Mitarbeiterin erscheint, sobald man das Knöpfchen drückt. Allerdings sitzt die Dame knapp 50 Kilometer Luftlinie entfernt in Kempten und nicht nur hinter der Glasscheibe am Tresen. Ansonsten hat sich aber dank der modernen Technik, wenn sie funktioniert, nicht viel geändert. Man kann sich mit dem Mitarbeiter, der den Bahnkunden dank Kamera ebenfalls sehen kann, unterhalten, bekommt Antwort auf fast alle Fragen zum Thema Verbindungen, Fahrkarten und Züge. Sogar mitgebrachte Dokumente können die Bahnmitarbeiter in Kempten – ebenfalls dank Videotechnik – sehen.

Lösungssuche seit Juli 2017

Ein Jahr habe Stillstand geherrscht, erinnerte Paul Gruschka zur Einweihung des neuen VRZ, das wenige Meter neben dem alten Bahnhof, direkt am Zugang zum Gleis, steht. Kurgäste wie Bürger seien auf ihn zugekommen, so der Wörishofer Bürgermeister, und hätten nachgefragt, was denn nun geplant sei. Das Videoreisezentrum sei eine tolle Sache, so Gruschka, der sich im Vorfeld mit anderen Stadträten im damals naheliegenden VRZ in Immenstadt über die Technik informiert hatte. Seitdem vor etwa einem Jahr, Ende Juli 2017, die Bahn ihren Schalter geschlossen hatte, habe man gemeinsam eine Lösung gesucht. Ein Fahrkartenautomat, so Gruschka, „genügt nicht“. Insbesondere Senioren, aber nicht nur die, haben ihre liebe Not mit den Automaten, die weder über aktuelle Züge Auskunft geben können noch über Verbindungen. Auch, hatte Gruschka im Laufe der Recherchen festgestellt, wissen die Mitarbeiterinnen im VRZ auch bei Themen wie Barrierefreiheit Bescheid und ob man beispielsweise ein Fahrrad mit in den Zug nehmen kann. „Man merkt erst einmal, wie komplex eine Zugreise ist“, so Gruschka. So habe man seit Juli eben nach einer Lösung gesucht, so Gruschka, unter Einbeziehung lokaler Unternehmer und sogar der Tourismus- und Gästeinformation. Herausgekommen ist wohl die beste machbare Lösung. Dabei war allerdings noch die eine oder andere Schwierigkeit auf dem Bahnhofsgelände selbst zu überwinden, gehört doch das Areal nicht mehr der Bahn und auch Belange der Feuerwehr etwa oder der Barrierefreiheit mussten mit einbezogen werden in die Planungen.

Nicht nur für Senioren

So konnten die Bereichsleiter Wolfgang Jakob und seine Kollegin Bärbel Fuchs von DB-Regio, die für die Bestellung der Züge und des VRZ zuständig ist, gemeinsam mit Paul Gruschka, das fünfte Videoreisezentrum im Allgäu und damit das 20. in Bayern, eröffnen. In ganz Deutschland gibt es mittlerweile 44 Videoreisezentren bzw. auch Videoreiseschalter, die teils noch mit Mitarbeitern vor Ort besetzt sind. Seit 2013 werden die Videozentren als Ersatz für geschlossene Schalter errichtet, wo immer es die Infrastruktur zulässt. Eine Befragung der Nutzer hat ergeben, dass die Videoreisezentren unabhängig vom Alter in Anspruch genommen werden. Der durchschnittliche Nutzer ist 40 Jahre alt, vor allem aber auch jüngere Menschen nehmen das Angebot aber gerne an. Denn hier braucht man im Gegensatz zum Internet auch keine Kreditkarte für die Bezahlung (man kann aber mit Kredit- und EC-Karte zahlen).

Nach Aussage von Reinhold Pohl, dem Leiter Regionaler Vertrieb/ Marketing Süd, funktioniere die Technik zu 99 Prozent einwandfrei, das wisse man aus der Befragung ebenfalls. Das Videoreisezentrum, so Pohl, „ist angewandte Digitalisierung“. Geöffnet ist das neue VRZ unter der Woche bis 19 Uhr, am Samstag zwischen 8.15 und 14.45, an Sonn- und Feiertagen von 8.15 bis 13.45 Uhr.

Oliver Sommer

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