Unterallgäu als Positiv-Beispiel

Schwabens Inklusionsbeauftragte sehen viele Baustellen

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In gemütlicher Runde im Kemptner Allgäu Art Hotel berichteten die Inklusionsbeauftragten von ihren oft harten Kämpfen für Menschen mit Behinderungen.

Region – „Das läuft zäh an“, sagte Johann Mayr vom Inklusionsamt beim Zentrum Bayern Familie und Soziales der Region Schwaben. Bei einem Treffen der Inklusionsbeauftragten ganz Schwabens im Kemptner Allgäu Art Hotel stellte Mayr Neuheiten vor.

Mit „zäh“ meinte er insbesondere das Budget für Arbeit, das seit seiner Einführung im Januar noch niemandem bewilligt worden sei. Ziel dieser Gelder ist es, Menschen mit Behinderung Beschäftigungsalternativen zur Werkstatt auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Dabei zahlt der Bezirk dem Arbeitgeber bis zu 75 Prozent des Arbeitsentgelts als Ausgleich für die Leistungsminderung. Eine Anleitung und Begleitung am Arbeitsplatz übernimmt der Freistaat Bayern. Aber die Hürden seien sehr hoch. Dementsprechend gespannt waren alle Inklusionsbeauftragten, wann es den ersten Fall gibt.

„Wir wollen die Inklusionsbeauftragten vernetzen und einen Austausch ermöglichen“, sagt Florian Benz, der zusammen mit seiner Kollegin Annett Loeprecht beim Regionalen Eingliederungsmanagement (rem) das Treffen in Kempten organisiert hatte. Regelmäßig werden bei den Zusammenkünften beispielhafte Betriebe besichtigt.

Viel Einsatz verlangt ihr Amt von allen Inklusionsbeauftragten. Das wurde in den Gesprächen klar. Frustriert zeigte sich zum Beispiel einer der Vertreter aus der Region Lindau. Die Pflegesatzverhandlungen bei einem örtlichen Ferienhaus für Menschen mit Behinderung gestalten sich schwierig, weil sowohl Kinder als Erwachsene dort Ferien machen können: Das passt in kein Schema, heiße es dann vom Bezirk Schwaben. Seit Neuestem zahle eine große Krankenversicherung nur noch den Pflegesatz des Bezirk Schwaben, das heißt 40 Euro weniger am Tag. „Der Naturschutz ist mehr wert als Menschen mit Behinderung“, empörte sich der Beauftragte und forderte: „Wir brauchen die gleichen Rechte wie die Untere Naturschutzbehörde, die auch schnell ihr Veto einlegen kann.“ Sein Kollege aus dem Landkreis, der für Baufragen zuständig ist, stimmte mit ein. Vor allem bei denkmalgeschützten Gebäuden müsse er viel Überzeugungsarbeit leisten, dass diese auch genügend behindertengerecht ausgestaltet würden.

Anders sieht es da im Unterallgäu aus. Hier gibt es einen Aktionsplan mit 70 Maßnahmen, die zur Hälfte schon umgesetzt seien. Das Flexibus-System soll über den ganzen Landkreis ausgebreitet werden. Das Jobcenter leiste eine tolle Reha-Beratung und es gebe große Firmen, die Menschen mit Behinderung einstellen.

Von vielen Veränderungen berichteten die Beauftragten aus Memmingen und Kempten. In Memmingen gebe es einen regionalen Arbeitstisch und aus einer Projektidee der Modellregion Inklusion in Kempten ist eine Börse für Arbeitsstellen in Kindertagesstätten entstanden. Stolz zeigte sich auch Waltraud Joa aus dem Ostallgäu. Kürzlich sei es gelungen, acht Schwerstbehinderte auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzubringen. Positiv ist auch die Auszeichnung des Landratsamtes für sein barrierefreies Besucherleitsystem.

Mayr lud die Inklusionsbeauftragten ein, einmal Kontakt mit den Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatern (EUTB) aufzunehmen, die es in jeder Region gibt und die er kürzlich zu einer Schulung geladen hatte. Diese Stellen beraten zu allen Fragen der Teilhabe.

Schnellere Hilfe

Zum Beispiel beim Teilhabe-Planverfahren. Das soll dafür sorgen, dass Menschen mit Behinderung keine Nachteile mehr erfahren, wenn sie von mehreren und nicht nur von einem Rehabilitationsträger (Arbeitsamt, Renten-, Pflegeversicherung, Bezirk, Krankenversicherung…) zum Beispiel Unterstützung für die Teilhabe an der Freizeit mit Fahrdiensten, einem Rollstuhl oder Unterstützung am Arbeitsplatz erhalten. Neu im Gesetz ist jetzt ein „Beschleunigungsparameter“, wie Mayr es nennt. Der Antrag kann bei einem der Rehabilitationsträger eingereicht werden, der innerhalb von zwei Wochen die relevanten Bereiche an die anderen Rehabilitationsträger abgeben muss. Der Antragsteller kann aber auch verlangen, dass alles über einen Leistungsträger abgewickelt wird. Eine Entscheidung, ob zum Beispiel der Rollstuhl bewilligt wird, muss innerhalb von zwei Monaten erfolgt sein, sonst könne der Behinderte von seinem Selbstbeschaffungsrecht Gebrauch machen. Begründete Zweifel wurden da von den Inklusionsbeauftragten laut, ob man dieses Geld dann zurückbekommen werde. „Die ersten müssen klagen“, war Mayrs klare Antwort. 

suk

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