Halt am Storchenhotel

Vier Stationen auf Storchenradweg in Pfaffenhausen, Kirchheim und Tussenhausen

1 von 3
Am Storchenkran wird es künftig ein Fernrohr geben, um die Störche besser beobachten zu können. Den Startschuss für den Storchenradweg haben gegeben (von links): Leo Rasch (zweiter Vorsitzender des LBV), Franz Renftle (Bürgermeister von Pfaffenhausen), Brigitte Kraft (Leiterin der Bezirksgeschäftsstelle des LBV), Hans Roth (Inhaber der Brauerei Storchenbräu), Hermann Lochbronner (Bürgermeister von Kirchheim), LEADER-Koordinator Ethelbert Babl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten, Michael Stoiber (Geschäftsführer der LAG), Christine Vorgginger (Marktrat Kirchheim), Johannes Ruf (Bürgermeister von Tussenhausen) und Karin Holzeu (Firma Holzheu).
2 von 3
3 von 3

Kirchheim – Der Storchenradweg verbindet voraussichtlich ab September die Gemeinden Tussenhausen, Pfaffenhausen und Kirchheim. Am vergangenen Freitag fiel der Startschuss für das 20.000 Euro teure LEADER-Projekt, das von der LAG (Lokale Aktionsgruppe Kneipp­land Unterallgäu) gefördert wird. An insgesamt vier Stationen können Fahrradfahrer etwas über die Lebensweise der Weißstörche erfahren und sind zum Mitmachen aufgefordert.

Am Storchenkran wird es künftig ein Fernrohr geben, um die Störche besser beobachten zu können. Den Startschuss für den Storchenradweg haben gegeben (von links): Leo Rasch (zweiter Vorsitzender des LBV), Franz Renftle (Bürgermeister von Pfaffenhausen), Brigitte Kraft (Leiterin der Bezirksgeschäftsstelle des LBV), Hans Roth (Inhaber der Brauerei Storchenbräu), Hermann Lochbronner (Bürgermeister von Kirchheim), LEADER-Koordinator Ethelbert Babl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten, Michael Stoiber (Geschäftsführer der LAG), Christine Vorgginger (Marktrat Kirchheim), Johannes Ruf (Bürgermeister von Tussenhausen) und Karin Holzeu (Firma Holzheu).

betreffenden Gemeinden, die „mit Herzblut dabei sind“, wie Brigitte Kraft, Leiterin der Bezirksgeschäftsstelle des LBV, lobte, beteiligen sich finanziell am Projekt.

Eine Förderung müsse aber in jedem Fall „in die lokale Entwicklungsstrategie passen“, sagte Michael Stoiber, Geschäftsführer der LAG. Der Storchenradweg passe gleich doppelt gut hinein. Zum Einen spiele die Umweltbildung eine entscheidende Rolle, denn die Lebensweise der Störche werde hier an vier Stationen spielerisch nähergebracht. Auf einer Gesamtlänge von 40 Kilometern lernen die Kinder und Erwachsenen etwas über die Region und die Natur. „Man darf aber nicht zu viele Stationen etablieren, da sich die Fahrradfahrer ja noch bewegen sollen“, erläuterte Kraft.

Der zweite Aspekt richtet sich an den Tourismus. Mit der Lebensraumstrategie will der Landkreis Erlebnisräume wie die Glückswege in seinem Gebiet erschaffen. 14 solcher Glückswege sind bereits in Planung, drei davon als reine Fahrradwege, der Rest als Wanderwege. Der Storchenradweg wird ein solcher Glücksweg sein, denn der Storch zählt bekanntlich zu den Glücksbringern. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch das Maskottchen für den geplanten Radweg einen radelnden Storch darstellt.

Radfahrer sollen auf der Strecke etwas erleben, aber sich genauso gut niederlassen können. Zum Ausspannen könne man ein kühles Bier in der Brauerei Storchenbräu in Pfaffenhausen trinken, schlug Stoiber vor, denn der Radweg führt dort vorbei. Seit genau 20 Jahren unterstützt die Brauerei Naturschutzmaßnahmen des LBV. „Pro verkaufte Kiste Störchlebier gehen zehn Cent auf das Konto der LBV, Ortsgruppe Memmingen“, berichtete Hans Roth, Inhaber des Storchenbräus. Erstmals unternimmt die LBV auch etwas für den Schwarzstorch, der anders als der Weißstorch ein scheuer Waldvogel ist. Um den Besuchern etwas ganz besonderes bieten zu können, will Roth das Kühlschiff begehbar machen. Vom dortigen Balkon aus habe man eine schöne Aussicht über Pfaffenhausen.

Ebenfalls einen guten Blick hat man auf den Storchenkran in Kirchheim bei der Firma Holzheu, auf dem neun Paare ihre Jungen füttern. „Das gibt es selten, dass so viele Störche zusammen brüten“, klärte zweiter Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), Leo Rasch, auf. Bei der künftigen Station an der Firma Holzheu habe man „eine 100-prozentige Garantie, dass man hier Störche sieht“, sagte LEADER-Koordinator Ethelbert Babl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten. Hier soll ein Fernrohr installiert werden, mit dem man die neun Nester ganz nah heranholen kann. So nah, dass man sogar die Küken sehen kann und feststellen wird, dass die Kleinen noch keine roten Füße wie ihre Eltern haben. 38 Storchenpaare nisten im Unterallgäu und passen auf ihre 60 Jungstörche auf. Im Oberallgäu gebe es dagegen kein einziges Storchenpaar, berichtete Babl. Das liege auch an den guten Mäusebeständen auf den Feldern, die das Unterallgäu vorweisen kann.

Der Kirchheimer Bürgermeister, Hermann Lochbronner, erzählte einige Geschichten über den Storchenkran. Vor einigen Jahren sei es so kalt gewesen, dass die Jungvögel nicht überlebt haben. Ein anderes Mal sei das eine Tonne schwere Nest heruntergefallen und durchschlug einen Container der Firma Holzheu. Obwohl die Vögel viel Dreck machen, organisierte Holzheu extra einen ausrangierten Bau­kran, da der alte nicht mehr vom TÜV abgenommen wurde. Sie baute noch extra Nester, die mit Körben von der Nachbarfirma Wanzl ausgestattet wurden und füllten diese mit Hackschnitzel. Mittlerweile werde im „Storchenhotel“, wie es Lochbronner nannte, gestritten, wer dort jetzt nisten darf. „Wir brauchen noch mehr Stellplätze“, sagte der Bürgermeister. Auch auf den elf Kaminen des Schlosses seien schon fünf Nester gesichtet worden.

Eine weitere Station für die Radler befindet sich im Kirchheimer Naherholungsgebiet. Dort wartet ein Küken aus Metall mit einem offenen Schnabel darauf, gefüttert zu werden. Es wird eine schnabelähnliche Vorrichtung geben, mit der man vom Boden Nahrung aufpicken kann. Extra Stulpen liegen auch bereit. Daneben befindet sich eine Tafel mit Informationen über die Nahrungsquelle der Störche, welches Futter sie brauchen, aber auch über mögliche Gefahren, die während der Futtersuche auftauchen könnten.

Der Traum vom Fliegen wird an der dritten Station aufgegriffen. Ein lebensgroßer, dreidimensionaler Storch mit einer Flügelspannweite von zwei Metern wird bei Grob Air stehen. Für Selfies kann man sich darunter stellen und mit der eigenen Spannweite vergleichen. Eine elektronische Tafel informiert über den Storchenzug. Die Störche, die über den Sommer im Unterallgäu leben, fliegen über die Westroute wieder in ihr Winterquartier nach Afrika. Mit dem Finger muss man erst den richtigen Weg entlangfahren, bevor man Wissenswertes über die Route der Zugvögel erhält, die zum Teil 10.000 Kilometer zurücklegen. Für Schulen soll es ein eigenes Konzept geben, das erst noch mit den Lehrern ausgearbeitet werden müsse, wie Kraft ankündigte.

Bei der vierten und somit letzten Station wird das Wissen mit einem Bandolino abgefragt. Dort werden neben dem Ruflaut und der Ernährung der Störche auch andere Stelzvögel vorgestellt. Mit Schnüren muss man dann zuordnen und verbinden, welches Merkmal welcher Vogel aufweist. Wenn man richtig liegt, ergibt die Schnur am Ende ein Muster. 

Julia Böcken

Rubriklistenbild: © Julia Böcken

Auch interessant

Meistgelesen

Bad Wörishofen: Kurpark-Leuchten wird bis Mitte Juni verlängert
Bad Wörishofen: Kurpark-Leuchten wird bis Mitte Juni verlängert
UPM Ettringen: Erste 18 Mitarbeiter in Werksarztpraxis geimpft
UPM Ettringen: Erste 18 Mitarbeiter in Werksarztpraxis geimpft
Mindelheim: 5G-Initiative demonstriert „Antennen-Wald“ vor dem Forum
Mindelheim: 5G-Initiative demonstriert „Antennen-Wald“ vor dem Forum
Bad Wörishofer Therme ab heute wieder offen!
Bad Wörishofer Therme ab heute wieder offen!

Kommentare