Experte klärt über "Neue psychoaktive Substanzen" auf

Vortrag über NPS: Dosis plötzlich lebensgefährlich

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Der Verein Fliegenpilz mit Dirk Grimm (2. v. links).

Mindelheim – „Konsumenten werden zu Versuchskaninchen“, so der Sozialpädagoge und ehemalige DJ Dirk Grimm vom Projekt „mindzone“ in München. Zuletzt fand im Mindelheimer Forum eine Infoveranstaltung zum Thema „Neue psychoaktive Substanzen“ (NPS) statt. Das Publikum setzte sich aus Mitarbeitern sozialer Einrichtungen, Schulen und Kliniken zusammen, die im Berufsalltag mit dem Thema konfrontiert sind. Veranstalter war der Verein Fliegenpilz (Memmingen), der sich um die Suchtprävention in der Region kümmert.

Zusammen mit Kollegen betreut Grimm regelmäßig auf Festivals, Partys und Diskotheken in ganz Bayern Infostände des Projekts „mindzone“. Ziel dessen ist es, Jugendliche und junge Erwachsene über die Gefahren und Risiken von Drogen aufzuklären. Durch seine langjährige Arbeit eignete sich Grimm auch Fachwissen im Bereich der NPS an. In Mindelheim klärte der Experte auf: „Neue psychoaktive Substanzen ist nicht der Name für die neuesten auf dem Markt erhältlichen Drogen, sondern bezeichnet Substanzen, die nicht unter die bisherige Gesetzgebung fallen.“ Also Substanzen, die nicht im Betäubungsmittelgesetz gelistet sind oder zu den zwei gelisteten Stoffgruppen des Neue-psychoaktive-Substanzen-Gesetzes (NpSG) von 2016 gehören, den künstlich hergestellten Cannabinoiden und Amphetaminen.

Die chemischen Reinsubstanzen werden als „Research chemicals“ bezeichnet, diese werden zudem als Wirkstoff bei der Herstellung von sogenannten „Legal highs“ verwendet. Hierbei wird ein Trägermaterial z.B. eine Kräutermischung mit der Substanz bedampft oder vermengt. Die wiederholte molekulare Veränderung, um so die Gesetzgebung zu umgehen, kann Wirkungen hervorrufen, die vom ursprünglichen Wirkspektrum der Ursprungssubstanz stark abweichen. „So kann es schnell passieren, dass eine eigentlich ungefährliche Dosis verdreifacht wird und so zu einer lebensgefährlichen Überdosis führt“, warnt Grimm die Zuhörer. Die Bezeichnung „legal high“ und irreführende Werbung in den zahlreichen Online-Shops täusche die Käufer außerdem über den Rechtsstatus der erworbenen Substanzen hinweg. Tatsächlich sind sie illegal. In den seltensten Fällen ist der enthaltene Wirkstoff ausgewiesen oder für den Laien ersichtlich, ob dieser im Betäubungsmittelgesetz oder dem NpSG gelistet ist. So mache sich der Käufer unwissentlich strafbar.

Dirk Grimm zufolge ist einer der Gründe, warum Jugendliche NPS konsumieren, der Irrglaube, dass diese nicht nachgewiesen werden könnten. Mittels eines Bluttests können aber auch sie im Körper festgestellt werden. Auch Neugier und die gute Zugänglichkeit via Online-Shops seien Gründe dafür, dass viele Jugendliche schon Erfahrungen mit NPS gemacht haben.

Brigitte Grenzstein vom Verein Fliegenpilz bedankte sich beim Referenten für den Vortrag und merkte an, dass die Bemühungen nicht aufhören dürften, die Menschen über die Wirkweise und die Gefahren der Drogen zu informieren.

wk

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