Warmisrieder ist Vizeweltmeister im Betonbau

Beton, Stahl und Silber

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Die beiden Vizeweltmeister im Stahlbetonbau: Medin Murati aus Warmisried (links) und Timo Schön aus Velburg.

Warmisried/Memmingen – Die deutsche Flagge schwenkend mit dem Nationalteam einlaufen und von Menschen aus aller Welt bejubelt werden: So etwas erleben nur Sportler – könnte man meinen. Aber bei den World Skills ist das anders. Hier messen sich die Besten ihrer Berufe; einer davon ist ein Betonbauer aus Warmisried.

Medin Murati kann mit seinen 20 Jahren eine beeindruckende Liste an Erfolgen vorweisen: Kammersieger der Handelskammer Schwaben, Bayerischer Meister, Deutscher Meister und seit Oktober nun auch Vizeweltmeister im Stahlbetonbau. Gemeinsam mit seinem Teamkollegen Timo Schön aus Velburg in der Oberpfalz hat er sich in Abu Dhabi gegen die Konkurrenz durchgesetzt; nur für den Sieg über Österreich hat es um nur vier Punkte nicht mehr gereicht. „Da geht es dann um kleinste Nuancen“, erklärt Murati. 

Für ihr Projekt hatten die beiden Betonbauer vier Tage Zeit:

Drei Wände mit Decke, Unterzug und einem arabischen Türbogen mussten den Richtkriterien entsprechend gebaut werden. Bewertet wurden Zeit, fachgerechte Ausführung und das Einhalten der Toleranz von nur einem Millimeter.

Jedoch ging für Murati und Schön die Arbeit in Abu Dhabi schon früher los als gedacht. Bei ihrer Ankunft mussten sie nämlich feststellen, dass noch lange nicht alles für den Wettkampf vorbereitet war. So waren die Bodenplatten für ihr Gewerk zwar schon betoniert, aber es war noch nichts ausgeschalt und ihr Material mussten sie auch selbst vorbereiten, um antreten zu können. „Aber was soll’s, hat dann doch alles funktioniert“, kommentiert Murati das Ganze knapp.

Von den vielen Zuschauern und Kameras, die ihn bei der Arbeit begleiteten, ließ Murati sich nicht ablenken: „Das waren wir vom Training ja schon gewohnt“, sagt der 20-Jährige. Ein Problem gab es dann aber doch noch: Ausgerechnet in dem Teil des Geländes, der für die Bauberufe vorgesehen war, hat die Klimaanlage nicht richtig funktioniert – und das bei einer Außentemperatur von rund 40 Grad. Schwitzen bei der Arbeit und Mittagessen im klimatisierten und stark heruntergekühlten Restaurant – da ist das Risiko, krank zu werden, hoch. So ging es auch Murati, der schon am zweiten Wettkampftag mit einer Erkältung zu kämpfen hatte. Aber trotz Hitze, Stress, Erkältung und Kameras haben Murati und Schön es aufs Treppchen geschafft und Silber für Deutschland geholt.

Medin Muratis Eltern und seine ältere Schwester Lejla waren mit nach Abu Dhabi gereist, um ihm beim Wettkampf zuzusehen. Sein jüngerer Bruder Adem konnte nicht dabei sein, hat aber alles per Whatsapp und Livestream verfolgt und von Zuhause aus mitgefiebert. „Das ist einfach der Hammer“, freut sich Muratis Schwester. „Meine Eltern und mein kleiner Bruder sind auch unglaublich stolz!“

Auch Muratis Kollegen bei der Memminger Firma Kutter, wo er seit seiner Lehrzeit arbeitet, freuen sich über seinen Erfolg. Sie hatten den 20-Jährigen auch schnell wieder, denn schon eine Woche später war er wie gewohnt auf der Baustelle zu finden. Zu dieser Jahreszeit schon eine gewisse Umstellung, was die Temperaturen betrifft.

Und wie geht es nach jetzt nach den World Skills weiter? Medin Murati will beruflich auf jeden Fall noch weiterkommen und noch schwierigere Projekte bewältigen. Auch den Techniker oder den Meister zu machen, sei ein möglicher Weg. Alles machbar: Als Vizeweltmeister dürften ihm dafür alle Türen offen stehen.

von Anna Müller

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