Am Wochenende beim Deutschen Multimediapreis in Dresden

Warum Mila Hölzle Stockheims »Ehrenfrau« der Buchrezensionen ist

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Seit fünf Jahren veröffentlicht Mila Hölzle in ihrem Blog „Das Haus der bunten Bücher“ Rezensionen. Damit ist sie nun sogar für den Deutschen Multimediapreis nominiert, der am kommenden Wochenende in Dresden verliehen wird.

Stockheim – Manche Menschen scheinen irgendwie mehr Zeit zur Verfügung zu haben als andere: So zum Beispiel Mila Hölzle. Obwohl sie mitten in den Vorbereitungen aufs Abitur steckt, ist die 16-Jährige vielfach engagiert. Seit 2014 – begonnen hatte sie also als Elfjährige – betreibt sie mit ihrem Bücherblog „Das Haus der bunten Bücher“ ein echtes Herzensprojekt, das ihr in Kürze einen Auftritt auf der ganz großen Bühne verschaffen wird. Die Stockheimerin ist für den Deutschen Multimedia­preis nominiert, der am kommenden Wochenende in Dresden verliehen wird.

„Ich weiß zwar nicht, was – aber ich denke, ich werde dort etwas gewinnen“, sagt die Schülerin des Kaufbeurer Marien-Gymnasiums zuversichtlich. Schon zum zweiten Mal hatte sie sich für eine Nominierung beim Multimediapreis beworben, heuer hat es geklappt. „Die Wettbewerbsjury hätte gerne noch länger in dieser Schatzkammer gestöbert und nominierte den Blog daher für einen der Preise“, schwärmte der Veranstalter in einer ersten Pressemitteilung über Milas Blog.

Start als Elfjährige

Ihr Blog, das ist eine Art öffentliches Tagebuch, in dem die 16-Jährige im Internet regelmäßig Bücher rezensiert, Autoren interviewt oder ihre Lieblingsrezepte veröffentlicht. „Mal mehr, mal weniger“, sagt sie, denn vor allem in der stressigen Klausurenphase komme sie freilich nicht ganz so häufig zum Lesen, geschweige denn zum Rezensieren.

Begonnen hatte sie bereits als Elfjährige. Ihre ältere Schwester Lioba hatte damals ein halbes Jahr in Frankreich verbracht und ihre Erlebnisse und Geschichten in einem Blog für die Heimat festgehalten. Als sie zurückkam, hatte sie ihrer Schwester geraten: „Mila, mach doch einen Bücherblog!“ Angefangen mit ersten Rezensionen zu gelesenen Büchern „hat mich der Blog dann über die Jahre begleitet“. Später veröffentlichte Mila auch Bastelanleitungen, Rezepte oder Interviews mit Autoren – darunter auch einige namhafte wie Rufus Beck oder Elfie Donnelly, die Benjamin Blümchen und ­Bibi Blocksberg zu Papier gebracht hatte. „Die Hörspiele kennt jeder. Bibi Blocksberg habe ich als Kind auch oft zum Einschlafen gehört“, sagt Mila.

Die Schlafenszeit dürfte bei der 16-Jährigen in letzter Zeit aber ein wenig zu kurz kommen, so lässt es jedenfalls ihr vielfältiges Engagement vermuten: Im Stamm-Kneipp-Verein tanzt Mila in der Jazz Dance-Gruppe, für den TSV Bad Wörishofen schwamm sie schon zum schwäbischen Meistertitel, zudem ist sie Oberministrantin der Stockheimer Minis und war zuletzt Jungschützenkönigin ihres Bad Wörishofer Ortsteils.

Auch die Sprache darf neben der Schule nicht zu kurz kommen: Seit ihrer Kindheit spricht Mila Esperanto – eine Plansprache, die überwiegend dem Latein und romanischen Sprachen entstammt aber auch germanische oder slawische Wörter beinhaltet. Zudem war die Stockheimerin zuletzt noch auf einer ganz anderen Baustelle unterwegs: Mila ist es mit zu verdanken, dass „Ehrenmann“ und „Ehrenfrau“ 2018 zum Jugendwort des Jahres gekürt wurden. Die 16-Jährige war nämlich Teil der Jury.

Wortgewandt in Chemie

Sich mit Sprache zu beschäftigen und auch selbst viel zu schreiben, bringt auch sie selbst in ihrer Entwicklung voran, glaubt Mila. So sei sie unter anderem „wortgewandter“ bei Literaturanalysen im Deutsch­unterricht oder auch bei ihrer Seminararbeit, bei der sie die „Speicherung von Energie in flüssige Wasserstoffträger“ untersucht.

Lieber schreibt sie aber natürlich über „seichte Jugendbücher“ oder Romane. Hundertprozentig festlegen könne sie sich aber nicht bei der Frage, was sie denn am liebsten lese. „Da gibt es so viele Bücher“, lacht die junge Frau. Was dann immer mit dazugehört: Wichtige Seiten oder Zitate abzufotografieren oder Gedanken mitzuschreiben. Denn diese sind hinterher Gold wert und sparen Zeit, wenn ­Mila ihre Rezensionen aufschreibt. Gelesen werden diese übrigens von rund 1.000 Menschen jeden Monat, die ihr auf verschiedenen Kanälen folgen. Enttäuschen muss sie allerdings Schüler, die ihre Deutschlektüre nicht selbst lesen wollen und lieber einer Zusammenfassung aus dem Internet vertrauen. „Die werden sie bei mir leider nicht finden.“

Die Veranstalter des Multimediapreises mb21 jedenfalls waren überzeugt vom Angebot, das sie im „Haus der bunten Bücher“ vorfanden. Drei Tage wird Mila ab kommendem Freitag, 22. November, in Dresden verbringen. Dass aus Stockheim kein Fanbus mitfährt, sieht die 16-Jährige auch als Chance. „Ich fahre allein, so lerne ich vielleicht auch ein paar Leute kennen.“ Neben dem Programm des Veranstalters will sie dann auch die Freizeit nutzen, um die sächsische Landeshauptstadt anzuschauen. Was sie mit dem möglichen Preisgeld von 1.000 Euro machen würde, weiß sie bereits: „Das würde ich gleich wieder in die Homepage investieren.“

Marco Tobisch

Zur Info: Milas Blog ist zu finden unter dashausderbuntenbuecher.blogspot.com.

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