Doppelt gewaschen

Wash-Wash: Unterallgäuerin (71) enttarnt Trickbetrüger

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Das Beweismaterial, das die Kripo beim jüngsten Versuch des Wash-Wash-Tricks gesichert hat

Unterallgäu – Mit dem Enkeltrick oder als „falscher Polizist“ Senioren übers Ohr zu hauen, das war offenbar gestern: Wie die Polizei mitteilt, gibt es mit dem „Wash-Wash“-Trick (engl. für Waschen) eine ganz neue Masche, mit der zuletzt auch eine 71-jährige Unterallgäuerin reingelegt wurde – sich dann aber doch noch aus ihrer Misslage befreite.

Zur Erklärung: Bei der „Wash-Wash“-Methode wird den Opfern demonstriert, dass angeblich echte, eingefärbte Banknoten durch chemische Reinigung wieder umlauffähig gemacht werden können. Im Fall der Unterallgäuerin hatte diese zunächst eine Immobilie im Internet inseriert, woraufhin sich ein angeblicher US-Amerikaner meldete. Dieser gab an, derzeit in Afghanistan stationiert zu sein und kurz vor der Pensionierung zu stehen. Im Laufe seines Auslandseinsatzes sei er zu einer großen Geldsumme gekommen – insgesamt 7,2 Millionen Euro, wie er im Gespräch mit der 71-Jährigen behauptete. Mittels eines Kuriers – nach eigenen Angaben ein Diplomat – sollte die Unterallgäuerin schließlich an das Geld für ihre Immobilie bekommen.

Der angebliche Trick hinter der Transaktion: Damit die Grenzposten keinen Verdacht schöpfen, hatte der vermeintliche US-Amerikaner die Scheine nach eigenen Aussagen so eingefärbt, dass sie wie weißes Papier wahrgenommen werden. Das Geld an die Dame übergeben sollte schließlich besagter Kurier, den die Unterallgäuerin für seine Dienste im Voraus mit 2.800 Euro bezahlen sollte.

Um die Dame nicht stutzig werden und den Betrug auffliegen zu lassen, wurde sogar ein Treffen zwischen der 71-Jährigen und dem angeblichen Kurier in Augsburg vereinbart. Dieser zeigte dort einen Tresor vor, in dem tatsächlich Geldbündel lagen. Um das Verschleierungs-Prozedere zu demonstrieren, entnahm der „Diplomat“ zwei Geldscheine und bearbeitete diese mit verschiedenen Chemikalien, bis er schließlich zwei Scheine in der Hand hielt. Die Frau war damit überzeugt und übergab die 2.800 Euro.

Schließlich wurde ein weiteres Treffen der Beiden vereinbart, bei dem der Kurier den restlichen Betrag des Amerikaners waschen wollte – diesmal gegen eine Bezahlung im fünfstelligen Bereich. Pünktlich zu diesem Termin am 5. November hatte die Dame aber zu ihrem Glück bereits die Polizei eingeschaltet, die den Mann noch an Ort und Stelle festnahm. Schon am 9. November musste der 33-Jährige, der angab, Kameruner zu sein, sich für seine Machenschaften vor dem Amtsgericht Memmingen verantworten und wurde schließlich mit einem Haftbefehl ins Gefängnis geschickt.

Bleibt die abschließende Frage: Ist die Wash-Wash-Methode mit echten Geldscheinen überhaupt möglich? „Nein“, sagt die Polizei. „Es ist nicht möglich, Geldscheine durch Verfahren zu bleichen und anschließend wieder in den Urzustand zu versetzen“, teilt die Kripo Memmingen mit.

Marco Tobisch

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