Martin Osterrieder folgt auf Franz Josef Pschierer

Wechsel an der Spitze des CSU-Kreisverbands Unterallgäu

Martin Osterrieder übernimmt das Amt des CSU-Kreisvorsitzenden von Franz Josef Pschierer
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Martin Osterrieder (3. v. links) übernimmt das Amt des CSU-Kreisvorsitzenden von Franz Josef Pschierer (3. v. rechts). Als Stellvertreter wurden im Gasthof Stern in Rammingen gewählt (v. links) Florian Dorn, Michaela Bahle-Schmid, Verena Winter, Peter Wachler und Christine Vogginger (nicht auf dem Foto).
  • Marco Tobisch
    VonMarco Tobisch
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Rammingen/Unterallgäu – Nach den Pleiten der letzten zwei Jahre will der Unterallgäuer Kreisverband der CSU nun endlich die Trendwende schaffen. Bei der Kreisvertreterversammlung am Dienstag letzter Woche wurden die Missstände zum Teil deutlich angesprochen. Diese auf Kreisebene zu beheben, liegt seit letzter Woche in der Verantwortung von Martin Osterrieder. Der Benninger löste Franz Josef Pschierer nach dessen achtjähriger Amtszeit als Kreisvorsitzender ab.

Nachdem Pschierer die Ehrengäste begrüßt und gemeinsam mit den gut 100 Delegierten der beiden verstorbenen CSU-Mitglieder Hermann Haisch und Hans Mayer gedacht hatte, kam der seit Juni 2013 amtierende Vorsitzende auf die aus CSU-Sicht wenig glorreichen Großereignisse der letzten beiden Jahre zu sprechen: die Kommunalwahl im Frühjahr 2020 sowie die Bundestagswahl vor wenigen Wochen. „Beide Wahlen waren nicht unbedingt von Erfolg gekrönt, wir haben beide verloren“, erklärte Pschierer. Den Ausschlag dazu habe eine Summe von Ursachen gegeben. Bei der Landratswahl beispielsweise habe man mit Rainer Schaal einen Kandidaten mit besten Qualifikationen und Voraussetzungen präsentiert. Die Präsentation selbst sei dann aber „nicht gelungen“, was „vielleicht unser Fehler“ gewesen sei, so Pschierer. Auch habe man sich nicht als geschlossene Mannschaft gezeigt. Andere Parteien hätten das im Unterallgäu besser geschafft. „Auch ich übernehme dafür ein Stück weit die Verantwortung“, meinte der scheidende Kreisvorsitzende selbstkritisch. Am Tag der Kommunalwahl hatte Schaal im Landkreis 25,6 Prozent der Stimmen geholt, in der Stichwahl gegen Alex Eder (Freie Wähler) hatte nur noch jeder fünfte Unterallgäuer den CSU-Kandidaten gewählt.

Positiv wertete Pschierer derweil die Entwicklung im Kreistag nach der Wahl – wobei er besonders Fraktionsvorsitzenden Andreas Tschugg lobte: Als „Moderator, Integrator und Ideengeber“ mache Tschugg seinen Job gut, auch arbeite er eng und konstruktiv mit Landrat Eder zusammen – unter anderem die Themen Klinik-Weiterentwicklung, Sparkassen-Fusion, Corona, Ansiedlungspolitik, Wohnungsnot, Zersiedelung und die Gewerbe sprach Pschierer in diesem Zusammenhang konkret an.

Zwei Direktmandate

Auf Bundesebene folgte vor wenigen Wochen bekanntlich die nächste Pleite, die auch im Unterallgäu Spuren hinterließ. Immerhin: Alexander Engelhard (Wahlkreis Neu-Ulm) sowie der in Rammingen auch anwesende MdB Stephan Stracke (Wahlkreis Ostallgäu) zogen per Direktmandat für die CSU in den Bundestag ein. Ihnen gratulierte Pschierer, fügte aber an, er hätte beiden ein Mandat in Regierungsverantwortung gewünscht. „Aber das sieht jetzt wohl anders aus“, so Pschierer mit Blick auf die Sondierungsgespräche in Berlin.

Wie schon bei der Landratswahl warnte Pschierer auch bei der Bundestagswahl davor, die Ursachenforschung nur auf den Kandidaten (Armin Laschet) zu konzentrieren. Auch im Unterallgäu habe man den Wahlkampf nicht nach Wunsch führen können – unter anderem mangels Veranstaltungen. „Wir hatten die Redner, aber die Festzelte haben gefehlt“, erklärte Pschierer. „Einen Wahlkampf kann man nicht über das Netz führen, das ist ein Irrtum.“ Außerdem habe die Union laut des Mindelheimers zu viel Zeit damit verbracht, die Wahlprogramme anderer Parteien zu kritisieren. Und nicht zuletzt hätten auch die Freien Wähler für eine weitere Spaltung des bürgerlichen Lagers und infolgedessen für eine Schwächung der Union gesorgt.

Verloren hat die CSU vor allem bei Über-60-Jährigen und beim Mittelstand. Bei letzterer Zielgruppe will Pschierer selbst nun die Trendwende einleiten: Am 6. November will sich der Staatsminister a.D. wieder zum Landesvorsitzenden der Mittelstands­union wählen lassen. „Dort will ich meinen Beitrag leisten, um Vertrauen zurückzugewinnen.“ Und weil dort eine Menge Arbeit warte, werde er nun auch nicht mehr als Kreisvorsitzender der Unterallgäuer CSU kandidieren, so Pschierer. Aus Amtsmüdigkeit, Frust oder gesundheitlichen Gründen gebe er das Amt nicht ab, wie er selbst betonte.

Das ist „der Neue“

Für Pschierers Amtsnachfolge war nur ein schriftlicher Wahlvorschlag eingegangen und auch vor Ort meldete sich kein Herausforderer zu Wort. So wurde Martin Osterrieder aus Benningen zu Beginn des abendlichen „Wahlmarathons“, wie er sagte, mit 96 Prozent der Stimmen gewählt. Bei seiner Vorstellung hatte der verheiratete Familienvater dreier Töchter erklärt, das Vereinsleben und insbesondere der Fußball hätten ihn geprägt. Hängengeblieben sei er langfristig bei der Musik: Heute spielt der 52-Jährige Saxophon bei der Musikkapelle Benningen und fungiert zudem als Kassier. Seinen Berufsweg geebnet hatte er sich mit einem Elektrotechnik-Studium in Ulm. Anschließend arbeitete Osterrieder fünf Jahre lang als Softwareentwickler, ehe er sich in diesem Bereich selbständig machte.

Doch inzwischen muss er in diesem Beruf kürzertreten: Seit 2020 ist Osterrieder hauptamtlicher Bürgermeister von Benningen. Zuvor (seit November 2013) hatte er dieses Amt ehrenamtlich bekleidet. Zudem sitzt er seit 2014 im Kreistag und seit 2002 im Benninger Gemeinderat.

Martin Osterrieder, hier bei seiner Antrittsrede, wurde mit 96 Prozent der Stimmen zum neuen Vorsitzenden des CSU-Kreisverbands gewählt.

Wie Osterrieder der CSU Unterallgäu nun als Vorsitzender zu neuem Elan verhelfen will? Das „Näher am Menschen“, das sich die Christsozialen auf die Fahne geschrieben haben, müsse wieder mehr gelebt werden, man müsse die Basis wieder erreichen und zuhören, so Osterrieder. Einige ehemalige Parteikollegen hätten in den letzten Jahren „eher auf sich selbst geschaut“, kritisierte der neue Vorsitzende – womit er wohl primär auf Missstände auf Bundesebene abzielte. Ferner verwies Osterrieder auch darauf, dass der Regenerationsprozess Zeit brauche. „Die Zeiten von 50 plus X sind erstmal vorbei.“

Auf eine baldige Rückkehr zu alter Dominanz hoffte auch MdB Stephan Stracke in seiner Ansprache: Als Union habe man bei der Bundestagswahl eine schwere Niederlage erlitten, was Stracke unter anderem auf „verlorengegangene Prägekraft“ zurückführte. Nun gelte es, das eigene Profil wieder zu schärfen und bis zur Landtagswahl im Herbst 2023 wieder in Form zu sein. „Es wird entscheidend sein, wie wir in den Landtag starten und dass keine Regierung gegen uns gebildet werden kann“, so Stracke.

Wie der frisch gewählte Bundestagsabgeordnete gratulierte auch Gesundheitsminister Klaus Holetschek Osterrieder zur Wahl: „Du bist eine der überragenden Personen im Unterallgäu und wirst den Kreisverband wieder nach vorne bringen“, so Holetschek. Der Minister warb ferner für die Impfung als einzigen Weg aus der Corona-Pandemie sowie für bessere Arbeitsbedingungen im Pflegebereich. Corona hätte gezeigt, dass es Veränderungen brauche – etwa in Sachen „überbordendender Regulierung“ und Bürokratie. „Es ist Zeit für Veränderungen und neues Denken. Und da wollen wir mit der Maßstab sein“, so Holetschek.

Die Wahlen des neuen Kreisvorstandes gingen dann beinahe geräuschlos über die Bühne, denn für die meisten Ämter war nur ein Kandidat vorgeschlagen. Nur bei den fünf zu wählenden stellvertretenden Vorsitzenden wurde es interessant, als der Ortsverband Buxheim Martina Leipold als sechste Kandidatin aufstellen ließ. Pech für Leipold dann: Sie erhielt genau wie Michaela Bahle-Schmid die fünftmeisten Stimmen (53), zog dann im Losverfahren aber den Kürzeren.

Das ist der neue CSU-Kreisvorstand:

• Kreisvorsitzender: Martin Osterrieder (Benningen)

• Stellvertretende Kreisvorsitzende: Florian Dorn (Bad Grönenbach), Peter Wachler (Markt Wald), Verena Winter (Kettershausen), ­Christine Vogginger (Kirchheim) und ­Michaela Bahle-Schmid (Bad Wörishofen)

• Schatzmeister: Ulrich Plukas (Ettringen)

• Schriftführer: Wolfgang Herbst (Trunkelsberg)

• Digitalbeauftragter: Wolfgang Bauer (Bad Wörishofen)

• Kassenprüfer: Dr. Florian Dreyer (Frechenrieden) und Thomas Rauch (Dirlewang)

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