Emilie Kiefert hat ihren ersten Gedichtband veröffentlicht

Lausbuben-Gedichte und mehr in Mundart aus Rammingen

Emilie Kiefert mit ihrem ersten Gedichtband „Wolkagucka“, der nach einem ihrer Gedichte benannt ist. In ihrem Werk finden sich hauptsächlich heitere Gedichte.
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Emilie Kiefert mit ihrem ersten Gedichtband „Wolkagucka“, der nach einem ihrer Gedichte benannt ist. In ihrem Werk finden sich hauptsächlich heitere Gedichte.
  • Melanie Springer-Restle
    VonMelanie Springer-Restle
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Rammingen - So manchem ist das Dichten bereits in jungen Jahren in die Wiege gelegt geworden. Anders war es bei Emilie Kiefert aus Rammingen, die in Hinblick auf ihre poetische Ader eher ein Spätzünder ist. Doch dafür hat sie in den letzten Monaten mächtig Gas gegeben und schon bald ein ganzes Buch gefüllt.

Angefangen hatte alles mit einem Gedicht, das sie kurzerhand für eine Adventsveranstaltung geschrieben hatte. „S´Schneeflöckla“ war der Titel ihres Debüts, das letztes Jahr auch in dem Buch „Advent im Unterallgäu“ im Heimatverlag Hans Högel veröffentlicht wurde. Seither hatte die gebürtige Kaufbeurerin Blut geleckt und konnte nicht mehr aufhören zu dichten.

Der pandemiebedingte Lockdown hat das Seinige dazu beigetragen. „Alles war so still und es hat sich gar nichts mehr gerührt“, erinnert sich Kiefert, die sehr darunter litt, keinen Besuch mehr zu empfangen. Deshalb musste sie selbst für Unterhaltung sorgen, indem sie ein Gedicht nach dem anderen schrieb. Ihr Lebensgefährte, Josef Jörg, erinnert sich noch genau an die Umtriebigkeit seiner Partnerin. Einmal hatte Kiefert ein Gedicht über Krautsalat geschrieben. „Als das Gedicht fertig war, ist sie einfach los und hat Krautköpfe gekauft“, erzählt Jörg amüsiert. Ganz unbeteiligt war er an dem Buch auch nicht, denn er war für das Bildmaterial zuständig. Für manches Werk ist er eigens losgezogen, um schöne Naturaufnahmen zu machen. So finden die Leser zu den meisten Gedichten auch ein passendes Motiv.

Die Geschichten und Gedichte sind größtenteils heiter. Wenn man Kiefert zuhört, könnte man ihr eine genetische Verwandtschaft zu Ludwig Thoma attestieren. In puncto Lausbubengeschichten steht sie Thoma zumindest in nichts nach.

Weibliche Lausbubengeschichten

Auch die kleine Emilie hat sich während ihrer Schulzeit oft gelangweilt. Eines Tages blickte sie aus dem Fenster des Klassenzimmers und bat insgeheim um Erlösung vom trostlosen Schultag. Ihre Fantasie schien einen engen Draht zu ihrem Unterbewusstsein zu haben, denn plötzlich bildete sie sich ein, die Sirene zu hören. „Feueralarm!“ rief sie unvermittelt ins Klassenzimmer, woraufhin die ganze Klasse inklusive Lehrerin vier Stockwerke nach unten durchs Schulhaus sauste, um unten im Schulhof festzustellen, dass außer ihnen niemand da war. Zum Glück hatte Kiefert seinerzeit eine gelassene Lehrerin. Als das Kollegium sie darauf ansprach, was die Klasse mitten im Unterricht im Schulhof machte, behauptete die Lehrerin, sie hätte eine Feueralarm-Übung mit den Schülern gemacht.

Auch Tierliebhaber kommen mit dem Gedicht über Nachbars Katze auf ihre Kosten. Ferner erfährt man in „D´r alt Kaschta“, wie man Möbel fachgerecht restauriert und Ärger mit der Polizei gibt es auch. Nicht zu vergessen sind die vier Jahreszeiten, von denen jede ein eigenes Werk bekam.

Wer Interesse hat, kann das im Eigenverlag veröffentlichte Buch zu einem günstigen Preis direkt bei der Autorin bestellen unter Tel. 08245/2711. Auch der Versand per Post ist möglich.

Wie in der heutigen Printausgabe angekündigt, finden Sie hier eine kleine Kostprobe von Emilie Kiefert:

DAS GEHEIMNIS

Sechs Johr bin I gewsa, I weiß no wie heit,
War a aufgweckte Föhl, mi hot´s Leaba grad gfreit.
Meine Eltern ham a Gaschtwirtschaft ghet.
So war I als Wirtshauskind viel unter de Leit.

D´Stammgäscht ham gera an Spaß mit mir g´macht
,an rechta Mischt an mi na gred und dann o no glacht.
I hob brav allz weiter verzellt
und mir o oft d´Schnabl verbrennt.

In die erste Klass bi I damals komma
,zur Frau Margarete, sie war eine Nonne.
Mir hand uns oft auf dem Schulweg troffa
und sind dann den Weg miteinander gloffa.

Und I erzähl, was I Nuis hab erfahra,
denn mei Gedächtnis wird jeden Tag frisch glada.
A wenig prahla will I mit meim nuia Wissa
und red ihr ganz eindringlich ins Gwissa,
dass I jetzt endlich weiß, wie ma kommt auf de Welt,
I sags ihr, wenn sie es it weiterverzellt.

Jetzt isch se ganz schee neugierig wora
,luagat mi a und spitzt ihre Ohra.
I verrot die Sensation, wo i geschtern hob erfahra
und sag: I bin aus Abrahams Wurschtkessel gebora!

Do isch ihr d´Luft wegblieaba ka I ui saga,
an deam Geheimnis hot sie echt schwer zum Traga.
Aber jetzt weiß sie wenigstens, wie ma kommt auf die Welt,
denn die kloi Emilie hot´s ihr verzellt.

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