Fitnessstudio-Betreiber in Bad Wörishofen ziehen Corona-Bilanz

Alles fit nach Corona in Bad Wörishofens Fitnessstudios?

Auch der Chef, Oliver Mai (hinten) und sein Mitarbeiter Timo Fernsimer (rechts) halten sich regelmäßig mit Leibesübungen fit, was Kunde Levent Linder (links) noch mehr anspornt.
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Auch der Chef, Oliver Mai (hinten) und sein Mitarbeiter Timo Fernsimer (rechts) halten sich regelmäßig mit Leibesübungen fit, was Kunde Levent Linder (links) noch mehr anspornt.
  • Melanie Springer-Restle
    VonMelanie Springer-Restle
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Bad Wörishofen – Die Gesundheitsbranche hat es während der Lockdowns besonders hart getroffen, denn kaum ein anderer Sektor lebt so sehr von der physischen Präsenz seiner Kunden. Dies gilt auch für die Fitnessstudios in der Region, die ganz unterschiedlich mit der Krise umgegangen sind. Unterschiedlich ist deshalb auch die Bilanz, die die Geschäftsführer ziehen.

Samy Glückler, Inhaber des Clever fit Fitnessstudios in Bad Wörishofen, sagt, die allgemeine Stimmung sei sehr durchwachsen. Sein Studio musste einen hohen Abgang an Kundschaft verzeichnen, insgesamt 40 Prozent der Kunden seien weggebrochen. „30 Prozent der Kunden sind nicht geimpft. Die brechen uns auch weg“, berichtet der 38-Jährige. Die Fluktuation sei in der Branche ohnehin schon hoch, Corona habe alles noch verschärft. Glückler ist nicht sonderlich glücklich darüber, dass die 3-G-Strategie den Betreibern aufgebürdet werde. Hierfür sei extra Personal nötig. Die Kunden können zwar mitgebrachte Selbsttests unter Aufsicht machen, aber die Aufsicht koste nun mal Personal. Immerhin können die geimpften Kunden, die einverstanden sind, dass ihre Gesundheitsdaten gespeichert werden, ohne gesonderte Kontrolle mit ihrem Chip einchecken. Auch aus anderen Filialen können jederzeit Kunden kommen.

Mehr Personalaufwand für Kontrollen

Wenn diese dann einchecken und nicht nachweislich geimpft sind, ertönen zwei schrille Töne, sodass die Person am Empfang weiß, dass kontrolliert werden muss. Die Beschreibung erinnert an den Pawlowschen Hund, der das Ertönen einer Glocke irgendwann als konditionierten Reiz wahrnahm. Zwischen 15 und 40 Kunden müssten täglich überprüft werden. Glückler geht von zwei weiteren Jahren aus, bis sich alles erholt hat. Etwas Bauchschmerzen bereiten ihm Kündigungen seitens uneinsichtiger Kunden. Da treffe man sich in Kürze höchstwahrscheinlich vor dem Verwaltungsgericht. „Wenn ein Kunde 24 Monate abgeschlossen hat, macht der Betreiber Gebrauch vom Recht auf Vertrags­anpassung“, erläutert Glückler. Ob sich die Laufzeit dann verlängere, spiele keine Rolle für den Betreiber. „Viele Leute glauben, was die Verbraucherzentrale sagt, sei Gesetz. Aber die sind auch nur ein Verein“, erläutert Glückler. Insgesamt sie die Arbeit von drei Jahren durch Corona zunichtegemacht worden. Und die Coronahilfen seien ein Witz. Es entspräche einfach nicht der Wahrheit, dass alle 60 Prozent kriegen. Deshalb musste sich Glückler auch von fast allen Aushilfen trennen.

Pause sinnvoll genutzt

Ganz anders erging es Oliver Mai, dem Betreiber des Hello fit Fitnessstudios in Bad Wörishofen. Mai hat den fehlenden Betrieb während des ersten Lockdowns genutzt, um sein Studio auf Vordermann zu bringen. Das Highlight unter den Anschaffungen ist der kontaktlose Getränkeautomat, in dem man sich Eiweißshakes mischen lassen kann.

Die Bezahlung erfolgt über das Armband, das als Schlüssel und Geldbeutel fungiert und das jeder Kunde zu Beginn seiner Mitgliedschaft bekommt. Auch in neue Gerätschaften wurde investiert, so etwa in einen Beweglichkeits- und Dehnzirkel aus Holz. Stretching ist nämlich neben Kraft- und Ausdauertraining der dritte wichtige Bereich körperlicher Fitness, kommt allerdings oft zu kurz. In Anbetracht der coronabedingten Einbußen ist Mai mittlerweile wieder entspannt. Natürlich seien es noch 20 bis 30 Prozent weniger Kunden als vor der Pandemie. Doch dieses Schicksal teilen alle Fitnessstudio-Betreiber.

Im Schnitt habe jedes Fitnessstudio zehn bis 20 Prozent an Kunden verloren. „Aber ich bin zuversichtlich, dass sich zum Frühjahr hin alles wieder normalisiert.“ Mai geht davon aus, dass sich bis dahin noch mehr Leute impfen lassen oder sich anstecken und so zu mehr Immunität gelangen. Er spekuliert darauf, dass dann auch in Deutschland die Maßnahmen wieder fallen gelassen werden, genau wie in Dänemark und Holland. „Bei uns sind 80 Prozent der Kunden geimpft. Die Menschen sind motiviert, wollen Sport machen und gesund bleiben“, berichtet Mai. Im Fitnessstudio selbst gilt die 3-G-Regel.

Kostenlose Tests für Kunden

Hello fit bietet die Tests für ihre Kunden vor Ort und kostenlos an. „Ich bin klar fürs Impfen, aber gegen eine Impfpflicht“, positioniert sich Mai. Wer möchte, dass seine Gesundheitsdaten gespeichert werden, kann sich den Impfstatus im Armband speichern lassen und erspart sich so jedes Mal eine Überprüfung der 3-G-Auflagen. Alles in allem ist Mai zufrieden. „Wir haben die Zeit sinnvoll genutzt und auch die staatlichen Coronahilfemaßnahmen haben bei uns super funktioniert“, resümiert Mai. Wenn alles nach Plan läuft, eröffnet Mai nächstes Jahr im September eine Filiale im Mindelheimer Industriegebiet.

Zum Glück hat Mai in der Krisenzeit sein Personal behalten. Das zahle sich jetzt aus, denn viele gekündigte Mitarbeiter aus dem Gesundheitsbereich haben sich in der Zwischenzeit umorientiert.

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