Gemeinderat votiert gegen Teilnahme

Wiedergeltingen hat kein Interesse am Pilotprojekt des Landkreises

Agri PV Anlage
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So in etwa könnten die Agri-PV-Anlagen, die dem Landkreis Unterallgäu vorschweben, aussehen. Wiedergeltingen will sich allerdings nicht am Pilotprojekt beteiligen.

Wiedergeltingen – In Wiedergeltingen hat man die Hausaufgaben in puncto Erneuerbare Energien gemacht. Das wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung deutlich, in der es um eine Anfrage des Landratsamtes ging. Dort will man den Raum neben der Autobahn für die Errichtung neuer Photovoltaikanlagen nutzen (der Wochen KURIER berichtete). In der Diskussion wurde deutlich, dass die Gemeinderäte sich mit der Thematik schon befasst haben und ihr keine Chance einräumen.

Das Projekt nennt sich bedeutungsvoll Agri-PV-Pilotprojekt und soll mit Hilfe der so genannten Agri-PV-Technik Flächen generieren, die auch nach Errichtung der Solarmodule noch für die Landwirtschaft (eingeschränkt) nutzbar sind. Diese Module sind entgegen bislang genutzter PV-Module, senkrecht zum Standpunkt ausgerichtet; bisherige Photovoltaikelemente sind auf Dächern angebracht bzw. sind geneigt zur Sonne hin ausgerichtet. Dadurch ist der Platz darunter nicht mehr für Maschinen bzw. in der normalen Landwirtschaft nutzbar. Bei der Agri-PV-Technik stehen die Elemente senkrecht, weshalb landwirtschaftliche Fahrzeuge wie Traktoren mit Mähwerk daran vorbei fahren können. Im Prinzip nimmt ein solches Photovoltaik-Element nicht mehr Platz weg als ein normaler Zaun oder eine Mauer. Damit könnte man den wenige hundert Meter breiten Saum neben der A96 nutzen und dort Strom erzeugen.

Neben den einführenden Worten vergas Bürgermeister Norbert Führer aber nicht, auf die Klausurtagung des Gemeinderates im vergangenen Jahr hinzuweisen. Seinerzeit habe man eine Grundsatzdiskussion zum Thema Freiflächen-PV-Anlagen geführt, bei der die Mehrheit des Gemeinderates dem Thema eher kritisch gegenübergestanden habe, erinnerte Führer. Bei Realisierung von herkömmlichen PV-Freiflächenanlagen würden der Landwirtschaft wertvolle Nutzflächen verloren gehen, so die Meinung damals. Allerdings sei es damals um die herkömmlichen Anlagen gegangen, so Führer, deshalb bringe er die Anfrage des Landrates Alex Eder nochmals auf die Tagesordnung. Man gehe mit einer Interessensbekundung am Pilotprojekt, die bis Mitte März abgegeben werden sollte, keinerlei Verpflichtung ein, unterstrich Führer.

In dem auf drei bis fünf Jahre ausgelegten Pilotprojekt soll auf einer Fläche von etwa drei bis vier Hektar neben der Pilot­anlage auch eine Referenzfläche mit reiner landwirtschaftlicher Nutzung entstehen. Derzeit wird Solarstrom in einem Bereich von bis zu 200 Metern neben einer Autobahn noch gefördert. Hier erfahre eine PV-Anlage wohl auch die größte Akzeptanz hinsichtlich der Auswirkung auf das Landschaftsbild, heißt es. Nach der Pilotphase soll die Anlage weiterhin in Betrieb bleiben, eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren werde angestrebt. Schluss­endlich, so Führer, bestünde für einen wirtschaftlichen Betrieb die Möglichkeit, dass sich die LEW als Betreiber der Anlage und die beteiligten Landwirte die Pacht für die Agri-PV-Fläche teilen könnten.

„Das funktioniert so nicht“

Wie schon in der Klausurtagung sprachen sich die Gemeinderäte abermals gegen das Projekt aus. Ludwig Schweinberger Jr., der als Erster von seinen Erfahrungen mit der Technologie der senkrechten PV-Module berichtete, meinte beispielsweise: „Das funktioniert so nicht.“ Schon im Sommer seien die Erträge aus den Modulen, die der Gewerbetreibende an der Südseite seiner Hallen montiert hat, dürftig gewesen. Im Winter aber gebe es gar keine Vergleich mit den dachmontierten PV-Anlagen. Nur die auf der Südseite montierten Anlagen seien nutzbar, von maximalmöglichen 1,5 Kilowatt Peak – damit ist die (maximale) Nennleistung der Photovoltaik-Anlage unter Annahme der Standard-Testbedingungen gemeint – habe er im Sommer nur einen Bruchteil (unter einem KWp) erzielt, so Schweinberger. Indirekt kritisierte er auch, dass für den Versuch Fördergelder benutzt würden. Auch Maximilian Kienle wandte sich gegen das Pilotprojekt, über das Alois Karl meinte, es sei dazu angetan, die Technik zu verbessern. So sagte Kienle wörtlich, dass die Agri-PV „keine Zukunft hat“. Wobei der Landwirt in der Diskussion diverse Fakten anbrachte, die aufzeigen, wo die Problematik in der Sache liegt, so unter andrem beim Thema Düngung. Und so neu sei die Technik, so Kienle weiter. „Das wirkt nur nach außen hin so.“ Unter anderem habe man auch auf Seiten der Landwirtschaft schon Erfahrungen sammeln können, etwa mit GPS-gesteuerten Fahrzeugen.

In Summe aber, das hatte Führer schon eingangs angemerkt, hat die Gemeinde ihre Hausaufgaben in puncto Erneuerbare Energien gemacht, so dass letztlich nur zwei der zwölf Gemeinderäte für das Pilotprojekt votierten. Damit wird es zumindest auf Wiedergeltinger Flur keine „neuen“ PV-Anlagen neben der A96 geben.

Oliver Sommer

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