Steuerungsgruppe mit Umzug ins Dominikanerinnenkloster betraut

Bad Wörishofen: Für einen Rathaus-Umzug ins Kloster fehlt das Geld

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Im August 2016 hatten laut Bürgermeister Paul Gruschka die Verwaltung des Rathauses, der Denkmalschutz und nicht zuletzt die Klosterschwestern selbst zugestimmt, die Rathausverwaltung könne ins Dominikanerinnenkloster umziehen. Inzwischen gibt es auch eine Steuerungsgruppe für das Projekt. Unter anderem wegen der zu erwartenden Kosten gibt es jedoch reichlich Kritik an den Plänen.

Bad Wörishofen – Schon vor einiger Zeit war bekannt geworden, dass man sich seitens der Kneippstädter Verwaltung eine Verlegung des Rathauses in das Dominikanerinnenkloster vorstellen könne. Vergangene Woche machte Bürgermeister Paul Gruschka zahlreiche bislang nicht öffentlich gefasste Beschlüsse publik, unter anderem, dass es bereits eine Steuerungsgruppe gebe, die sich mit der Übernahme des Klosters befasse. Bislang aber wurden die Beschlüsse, insbesondere in Bezug auf alternative Nutzungsmodelle und die Finanzierungsszenarien des Umzugs noch nicht umgesetzt. Und die Finanzierung durch den Verkauf des alten Rathauses ist nicht gesichert.

Die Pressemitteilung vergangene Woche ließ aufhorchen. Darin machte Bürgermeister Paul Gruschka publik, dass es seit acht Jahren eine Vereinbarung zwischen Kloster und Stadt gibt, dass, sollte der Orden die Klosteranlage in Bad Wörishofen nicht mehr betreiben können, sich die Stadt in einer Überlassungsvereinbarung verpflichtet, die Klosteranlage zu übernehmen. Wie Gruschka weiter schreibt, habe er bereits seit Jahren an einer Lösung für die künftige Nutzung der Klostergebäude gearbeitet, die den Umzug der Verwaltung in das Kloster vorsieht. „Zur Finanzierung (des Umzugs) will ich das Rathaus verkaufen und damit die Sanierung oder den Neubau eines Rathauses vermeiden“, sagt Gruschka, der diese Pläne den Ordensschwestern schon 2016 vorgelegt hatte.

Fast 300.000 Euro für die Planung

Der Vorschlag Gruschkas, die Verwaltung des Rathauses künftig im Klostergebäude unterzubringen, habe die Zustimmung der Klosterschwestern und auch des Denkmalschutzes gefunden, heißt es weiter. Während Gruschka schon seit Jahren diese Übernahme geplant hatte, stellte er aber erst im Juli 2018 seine Ideen dem Haupt- und Finanzausschusses vor, der den Vorschlag des Architekturbüros Kunz aus Neusäß zur Kenntnis nahm, wie Gruschka nun schreibt und dem Stadtrat die Fortsetzung der Planung empfahl. Nachdem Gruschka selbst die Kostenberechnungen für die Planungen auf fast 300.000 Euro schätzt, musste der Stadtrat beteiligt werden. Im September des gleichen Jahres wurde dann beschlossen, alternative Nutzungsmodelle für das Kloster­areal zu entwickeln und diese ebenso wie die Finanzierungs­szenarien für die verschiedenen Varianten dem Stadtrat vorzustellen. Beauftragt wurde damit die Verwaltung um den ersten Bürgermeister.

Schließlich habe man im September 2019, ebenfalls nicht öffentlich, beschlossen, eine Steuerungsgruppe einzurichten, der neben dem Bürgermeister auch Vertreter der Fraktionen angehören sollen. Beratend sollten der Geschäftsleiter, der Stadtbaumeister, der Leiter der Bauverwaltung, die Stadtkämmerin und die Kurdirektorin hinzugezogen werden, schreibt Gruschka in der Pressemitteilung weiter. Die Steuerungsgruppe, die bislang nur einmal im November 2019 zusammenkam, soll alle notwendigen Schritte zur Übernahme des Klosters und der Planung der Nachfolgenutzung vorbereiten und dem Stadtrat eine ausgearbeitete Lösung, nötigenfalls mit Hilfe externen Sachverständiger, zur Entscheidung vorlegen.

Während Paul Gruschka nun schreibt, dass eine arbeitsintensive aber sehr interessante Aufgabe vor dem künftigen Stadtrat liege, der Überlassungsvertrag soll bis Ende Oktober fixiert werden, gibt es auch Kritik. So schreibt die CSU-Fraktion, dass trotz der gleichsam erzwungenen Einrichtung einer Steuerungsgruppe bis heute nur eine Sitzung und keinerlei weitere Beratungsgespräche stattgefunden hätten.

Außerdem weist Stefan Welzel darauf hin, dass die 2018 gefassten Beschlüsse noch gar nicht vollzogen worden seien. „Es liegen weder die beauftragten alternativen Nutzungskonzepte vor noch ist ein Euro vorgerechnet worden, was sämtliche Alternativen kosten würden. Außerdem werde es ein großes Geheimnis der „Rathaus ins Kloster“-Befürworter bleiben, wie man einen zweistelligen Millionenbetrag dafür aufbringen will. „Denn ein Erlös für den jetzigen Rathaus-Standort in dieser Höhe wird es nicht ansatzweise geben.“ „Das ist mit uns nicht zu machen“, heißt es in der Erklärung der CSU weiter.

Nur Teilnutzung?

Ohnehin sehe man keine Lösung der Problematik mit dem Umzug ins Kloster. „Wir können uns allenfalls Teilbereiche dieser Nutzung vorstellen, wie beispielsweise weiterhin ein Trauungsraum, Veranstaltungsmöglichkeiten oder eventuell einmal die Kurverwaltung.“ Demgegenüber lasse das von einem Architekten vorgestellte Konzept keinen Platz für das Mehrgenerationenhaus und das Kneipp-Museum. Weiter gibt es detaillierte Kritik seitens des Kneippvereins und anderer Fraktionen im Stadtrat. 

Oliver Sommer

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