Wegen Corona

Bad Wörishofen: Finanz-Delle in einer absoluten Hochphase

+
Bad Wörishofens Kämmerer Tim Hentrich hat im Wirtschaftsausschuss erklärt, welche Folgen Corona nach derzeitigem Stand auf die städtischen Finanzen hat.

Bad Wörishofen – Wie bereits berichtet, ist die Kneippstadt derzeit noch gut vorbereitet auf die Corona-Krise und die damit einhergehenden, wirtschaftlichen Folgen. Das zeigte sich in der Sitzung des Wirtschafts- und Tourismusausschusses. Hier berichtete Stadtkämmerer Tim Hentrich über die aktuellsten Zahlen und betonte angesichts der Mindereinnahmen, die Krise habe die Wirtschaft in einer extremen Hochphase erwischt.

Noch im März, als sich abzeichnete, dass das neuartige Corona­virus die Welt länger in Atem halten sollte, hatte die Kämmerin Beate Ullrich den Haushaltsentwurf entsprechend geändert und um eine Million Euro reduziert. Eine Punktlandung nach derzeitigem Stand, wie sich in den Erläuterungen Hentrichs zeigt. War man vor Corona noch von Gewerbesteuereinnahmen von gut 8,5 Millionen Euro ausgegangen, liegt man derzeit mit einem Minus von etwa zwölf Prozent genau im vorhergesagten Bereich, auf den Ullrich den Ansatz korrigiert hatte.

Diesbezüglich, so Hentrich, müsse man sich nicht sorgen – dies umso mehr, als die Bundesregierung einen Ausgleich für die Kommunen beschlossen hat. So stehen allein für Bayern 2,4 Milliarden Euro zur Verfügung, um die von der Krise bzw. dem Lockdown gebeutelten Kommunen zu entlasten. Allein das Prozedere der Verteilung sei offen, so Hentrich. Man diskutiere gerade darüber und es sehe derzeit danach aus, als würden die Zahlen der Vorjahre dafür herangezogen. Auch bei den anderen Kennwerten wie Umsatz und Einkommensteuerbeteiligung liegt Bad Wörishofen im bayerischen Durchschnitt und profitiert von einem durchwegs guten ersten Quartal. Bei den zu erwartenden Mindereinnahmen von etwa 650.000 Euro Einkommensteuer müsse man nicht über einen Nachtragshaushalt nachdenken, sondern könne die Summe auch durch Sparen ausgleichen.

Knapp im Plus ist Bad Wörishofen bei der Umsatzsteuer. Das entspreche der allgemeinen Konjunkturlage, wobei Verbände wie die Handwerkskammer und die IHK die Lage durchaus unterschiedlich beurteilten. Im Handwerk sehe man derzeit keine Einbrüche, die Stimmung sei dem Vernehmen nach gut, so Hentrich. Demgegenüber ist man in Industrie und Handel skeptischer. Bei einer Veranstaltung, so Hentrich, sei sogar der Satz „Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig“ gefallen. Man müsse allerdings sehen, betonte Hentrich, dass die aktuelle Krise die Wirtschaft in einer extremen Hochphase treffe. Gegenüber dem Wochen KURIER betonte der Kämmerer nochmals, dass es sich bei dem „Einbruch“ lediglich um eine Delle handeln würde. Und während Bad Wörishofen mit etwa zehn bis 15 Prozent betroffen sei, gebe es Kommunen in Bayern, die Verluste von bis zu 80 Prozent beklagten, wie Hentrich aus eigener Anschauung wusste.

Natürlich würden die derzeit fehlenden Gewinne in den Unternehmen die Gewerbesteuer in den kommenden Jahren belasten, sagte der Finanzfachmann weiter. Doch auch hier sei der Städte- und Gemeindetag dabei, Finanzhilfen als Ausgleich zu fordern. Bei aller guten Laune angesichts der vorgestellten Zahlen betonte Hentrich aber, dass dies nur für die aktuelle Situation gelte. Man wisse derzeit nicht, wie es im Herbst weitergehen wird, vor allem aber auch wie lange die Krise noch andauern wird. „Derzeit liegen wir im Soll“, sagt Hentrich. 

Oliver Sommer

Auch interessant

Meistgelesen

Mindelheimer Nordsee: 37-Jähriger klaut Kindern die Kleidung
Mindelheimer Nordsee: 37-Jähriger klaut Kindern die Kleidung
Sommerpartys: Polizei klappert am Wochenende massenhaft Ruhestörer ab
Sommerpartys: Polizei klappert am Wochenende massenhaft Ruhestörer ab
Wie die Bad Wörishofer Therme die Wochen nach dem Restart erlebt
Wie die Bad Wörishofer Therme die Wochen nach dem Restart erlebt
Bauarbeiten abgeschlossen: Wind-Fried wacht jetzt in Wörishofens Gartenstadt
Bauarbeiten abgeschlossen: Wind-Fried wacht jetzt in Wörishofens Gartenstadt

Kommentare