Neues Mosaikstück im Kurpark

Bad Wörishofen: Hildegard-von-Bingen-Garten feierlich eröffnet

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Pfarrer Andreas Hartmann segnete den neu angelegten Hildegard-von-Bingen-Garten im Kurpark. Der Abschnitt ist fester Bestandteil des Heilkräutergartens.

Bad Wörishofen – Mit Grußworten, unter anderem von der Hildegard-Gesellschaft, und der Segnung hat die Stadt Bad Wörishofen den neu angelegten Hildegard-von-Bingen-Garten eingeweiht. Der Garten war ursprünglich Teil einer Gartenausstellung. Aufgrund der großen Beliebtheit wurde der Garten im Kurpark neu errichtet und ist seitdem fester Bestandteil der Bad Wörishofer Heilkräutergärten.

Die Eröffnung des Hildegard-von-Bingen-Gartens hätte Sebastian Kneipp sicherlich gefreut. Nicht nur, dass damit eine Ordensfrau und damit in gewisser Weise auch „Kollegin“ des Wasserpfarrers geehrt wird. Passt das Konzept des Gartens doch auch zu zwei der von Kneipp propagierten fünf Säulen, neben der Phytotherapie, also den Kräutern, vor allem die Lebensordnung. Denn das Mosaikstück, so der stellvertretende Landrat Daniel Pflügl, trägt mit seiner Anlage und dem Grün auch dazu bei, etwas Ordnung in unser tägliches Chaos zu bringen, wie Bürgermeister Stefan Welzel meinte. Schon bei der Gartenausstellung „Blumenlust statt Alltagsfrust“ 2018 erfreute sich der Hildegard-Garten größter Beliebtheit, nicht zuletzt wohl auch, weil der Heilkräutergarten Einblicke in die Kenntnisse der heilenden Kräuter von Hildegard von Bingen gibt, die so heute teilweise nicht mehr bekannt sind. Wie Kneipp auch hatte Hildegard von Bingen Hausmittel, Kräuterarzneien und aus heutiger Sicht wohl alternative Behandlungsweisen für diverse Malaisen beschrieben. Nicht immer sind die modernen Arzneimittel der beste Weg bei Schlaflosigkeit oder Unwohlsein, sogar für typische „Frauenleiden“ ist ein Kraut gewachsen, wie es so schön heißt.

Neben dem Hildegard-Garten beherbergt der Kurpark bereits den Walahfrid-Strabo-Garten. Walahfrid Strabo lehrte und arbeitete bereits 200 Jahre vor Hildegard von Bingen in einem Benediktinerkloster auf der Insel Reichenau und beschrieb in einem Gedicht 24 Heil- und Küchenkräuter und deren Heilwirkung.

Anders als die Äbtissin aus Bingen, die im Hochmittelalter wirkte, veröffentlichte Leonhart Fuchs sein neues „Kräuterbuch“ an der Zeitenwende vom düsteren Mittelalter zur Neuzeit. Darin beschrieb er den „medizinisch-botanischen“ Wissensstand vom Beginn der Zeitrechnung bis ins 16. Jahrhundert, also dem Erscheinungsjahr seines Buches, 1543. Wie auch der neue Garten wurden die beiden nach den zu ihrer Zeit geltenden Ideen und Vorgaben gestaltet, der Fuchs-Garten nach den streng geometrischen Formen der Renaissance, der Strabo-Garten im Stil eines mittelalterlichen Klostergartens.

Der Hildegard-von-Bingen-Garten wurde nach einem Entwurf des Pallotiner-Paters, Mediziners und Hildegard-Anhängers, Dr. Alfons Berkmüller, durch das Flores Naturstudio in Bad Wörishofen gestaltet. Das Besondere dieses Konzeptes sei die Zuordnung der Heilpflanzen zu den vier Elementen der Hildegard von Bingen, heißt es in einer Erklärung. In ihrem medizinische Lehrbuch „Causae et curae“ (in etwa „von den Ursachen und Behandlungen“) beginnt die Beneditkineräbtissin nicht mit der Anatomie des Menschen oder dem Aufbau der Zelle, sondern mit den vier Elementen, also Feuer, Luft, Wasser und Erde. Hildegard von Bingen lebte zwischen 1098 und dem Jahr 1179 und gilt als Dichterin, Komponistin und bedeutende Universalgelehrte; daneben war die Benediktinerin Vorsteherin des von ihr gegründeten Klosters in Bingen am Rhein. Aufgrund ihrer Arbeit – sie verfasste zahlreiche natur- und heilkundliche Schriften, in denen sie ihr umfangreiches Wissen über Heilkräuter und -pflanzen beschrieb – erhob Papst Benedikt XVI. die heilige Hildegard zur Kirchenlehrerin. 

Oliver Sommer

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