"Kümmerer und Motor gleichermaßen"

Bad Wörishofen: Martin Kistler bekommt die Bundesverdienstmedaille verliehen

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Sie freuen sich über Martin Kistlers ehrenamtliches Mitwirken (v. links): ehemaliger CSU-Fraktionschef Hans Mayer, Vorsitzende des Nachbarschafts- und Seniorenvereins Michaela Bahle-Schmid, Bürgermeister der Stadt Bad Wörishofen Paul Gruschka, Geehrter mit der Bundesverdienstmedaille Martin Kistler, Landrat Hans-Joachim Weirather, Annelies Kistler, Pfarrer Andreas Hartmann, MdL Klaus Holetschek und Geschäftsführer des Vereins für ambulante Krankenpflege Bad Wörishofen Marc Engstle.

Bad Wörishofen – Jeder Zweite engagiert sich in irgendeiner Form in Bayern ehrenamtlich, informierte am vergangenen Donnerstag Landrat Hans-Joachim Weirather bei der Ehrung von Martin Kistler im Landratsamt die Gäste und bezog sich damit auf eine Erhebung des bayerischen Sozialministeriums. Das treffe auch auf das Unterallgäu zu, wo 1.300 Vereine angesiedelt sind. „Das ist eine ganz große Zahl an Menschen, die das knappste Gut, die Zeit, an andere schenken“, so der Landrat. Viel Zeit für ehrenamtliche Projekte schenkte auch der Bad Wörishofer Martin Kistler, der vom Bundespräsidenten die Bundesverdienstmedaille erhielt.

Eine solche Auszeichnung erfordere ein langjähriges Engagement „mit erheblichem Einsatz in Vereinen“ oder gemeinnützigen Einrichtungen, erklärte Weirather. Aber „wo beginnt man bei einer derartigen Laudatio?“, fragte sich der Landrat. Kistler hat in seinem Leben viel mit angepackt, viel erreicht. Seine kommunalpolitischen Tätigkeiten wurden zwar erwähnt, machen aber nur einen kleinen Teil seines Lebens aus. 24 Jahre lang, von 1990 bis 2014, saß er im Stadtrat von Bad Wörishofen, davon hatte er eine Amtsperiode lang (1996 bis 2002) das Amt des Zweiten Bürgermeisters inne. Ab 2002 bis 2014 war Martin Kistler zudem Kreisrat. 2008 erhielt Kistler die Kommunale Dankesurkunde. Doch für den Orden des Bundes müsse man noch weitreichendere Dienste vorweisen können, was Kistler auch durchaus kann, denn er hat sich auf einer sozialen, kirchlichen und mitmenschlichen Ebene verdient gemacht.

Kistlers Interesse „gilt und galt der Seniorenarbeit“, führte Weirather fort. Ihm lag es am Herzen, dass der Alltag der älteren Bürger erleichtert wurde, kämpfte gegen die Vereinsamung der Senioren und für diejenigen, bei denen keine Unterstützung mehr ausreichte, setzte sich Anfang der 90er Jahre Kistler besonders für den Bau eines Seniorenheims ein. Der Bad Wörishofer ist zudem stark mit der ambulanten Krankenpflege verbunden, seine Frau Annelies ist dort Pflegedienstleiterin.

Ein besonderes Ehrenamt übt Kistler seit 2007 als Kirchenpfleger an der St. Justina aus. Während dieser Zeit setzte Kistler einige große Projekte um, renovierte das Pfarr- und Jugendheim, die Bücherei und das St. Rasso in Untergammenried, baute das Pfarrhaus St. Justina mit um und war am Bau der Kinderkrippe St. Anna sowie am Bau der Krippe am Luipold-Leusser-Platz beteiligt. Kistler verwaltet die Kita und die Kinderkrippe St. Anna sowie den Kinderhort St. Justina. Dadurch führen seine Wege immer noch ins Rathaus, meinte Bürgermeister Paul Gruschka. Beim Schmücken der Osterbrunnen ist er einer der Hauptverantwortlichen und trommelt jedes Jahr aufs Neue genügend Helfer zusammen, damit die Kurstadt mit bunten Ostereiern erstrahlt. Bei der Hauptstraße hat er „wertvolle Akzente gesetzt“, so Weirather, und auch beim Ausbau des Radwegenetzes in und um Bad Wörishofen war er involviert. Für seinen Einsatz bekam Kistler 2014 die Bürgermedaille der Stadt Bad Wörishofen verliehen, als Zeichen, wie sehr der Kurort ihn wertschätzt.

Jede Menge Stunden Herzblut und Leidenschaft hat Kistler in seine Projekte gesteckt, zum Leidwesen seiner Familie, für die immer wenig Zeit übrig blieb. Sie musste viele Stunden auf ihn verzichten. Doch Kistler hat sie nicht mit seinen Ehren­ämtern abgeschreckt, sondern im Gegenteil, sie dazu gebracht, sich selber ehrenamtlich zu engagieren.

Egal, ob es um Jahresabrechnungen, um Personalangelegenheiten oder ums Bauen bzw. Sanieren ging, für ihn war kein Gespräch zu viel. „Er war der Kümmerer und Motor gleichermaßen“, sagte Weirather über Kistler. „Solange es solche Menschen gibt, müssen wir uns ums soziale Engagement im Unterallgäu keine Sorgen machen.“ Ein Ehrenamt gebe einem viel wieder, denn man bekomme von den Menschen, denen man hilft, auch etwas zurück, sagte der Landrat und hofft, dass es viele Nachahmer geben wird, die nach all den Jahren immer noch Freude an ihrer Arbeit haben. Doch dies sei keine Abschiedsveranstaltung, denn Kistler legt sein Ehrenamt noch nicht nieder.

Für den Bad Wörishofer ist die Ehrung mit dem Bundesverdienst­orden ein Höhepunkt in seinem Leben. Er betont, dass er nie aktiv nach diesen Aufgaben und Ämtern gesucht habe, sondern diese immer zu ihm gekommen seien. „Man bleibt mit der Sache einigermaßen jung“, sagte der Geehrte. Doch nur mit einer Vielzahl an Helfern konnte er auch wirklich seine Ideen und Projekte umsetzen.

 Julia Böcken

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