Dritter Verhandlungstag am Memminger Landgericht

Bad Wörishofen: Wegen Totschlags Angeklagte von weiteren Zeugen belastet

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Bad Wörishofen – Es geht weiter im Prozess um den Tod eines 46-Jährigen in Bad Wörishofen. Drei Männer werden beschuldigt, so lange auf ihn eingeschlagen zu haben, bis er seinen Verletzungen erlag. Vergangene Woche wurden vor dem Memminger Landgericht einige weitere grausige Bilder geschildert.

Die komplette Kellerwohnung des Opfers war laut Aussage eines Ermittlers voller Blutspritzer – einige davon schon zu alt, um von der besagten Tat zu stammen – und komplett durchnässt. Die Polizei geht davon aus, dass die Angeklagten wohl versucht haben, den Körper des Opfers abzuwaschen und von Blutspuren zu säubern. Im Zimmer des 56-jährigen Angeklagten fanden die Ermittler unter anderem ein nasses Handtuch mit Blutspuren. Außerdem sichergestellt wurden mehrere Paar Schuhe, manche davon ebenfalls durchnässt. In der Mülltonne der Eltern des jüngsten Angeklagten fand die Polizei eine Plastiktüte mit Socken und Turnschuhen des 33-Jährigen.

Dieser ist noch in einem weiteren Punkt angeklagt: Etwa drei Wochen nach der Tat in Bad Wörishofen soll er nämlich den Bruder seiner damaligen Freundin in dessen Wohnung niedergeschlagen haben. Wie dieser vor Gericht erzählt, habe der 33-Jährige ihn schon vorher mehrmals bedroht.

Auf dem Balkon soll der Angeklagte dem Bruder unvermittelt mit der Faust mit solcher Wucht ins Gesicht geschlagen haben, dass der 40-Jährige vom Stuhl zu Boden fiel. Als er wieder zu sich kam, sei der Angeklagte schon wieder verschwunden gewesen. Woher genau aber die anderen Verletzungen an Armen, Beinen und Oberkörper kamen, daran könne sich der Mann nicht erinnern. Die Polizei habe er trotz allem nicht gerufen – aus Angst vor dem 33-Jährigen. Das übernahm stattdessen sein Neffe.

Brutalität gefeiert

Dieser berichtete vor Gericht von demselben Prügelvideo, das auch seine Tante – die Ex-Freundin des Angeklagten – bereits erwähnt hatte. Darin sei zu sehen, wie der 33-Jährige brutal auf sein Opfer einschlägt, bis es umfällt. Daraufhin soll der Angeklagte den Mann massiv am Ohr verletzt haben. Die anderen Männer, die im Video zu sehen waren, hätten das alles laut Angaben des Neffen „gefeiert“.

Zu dem Prozess am Memminger Landgericht sind über 50 Zeugen geladen – davon auch eine ganze Reihe aus dem persönlichen Umfeld des Opfers und der Angeklagten, die Einblick in das Verhältnis der Männer zueinander geben sollen. So ganz einfach gestaltet sich dies jedoch nicht. Die Zeugen erzählen zwar immer wieder davon, dass alle vier Männer sehr viel Alkohol konsumiert und wohl auch öfter miteinander gestritten hätten. Sobald die Fragen des Vorsitzenden Richters Christian Liebhart weiter ins Detail gehen, wird es jedoch schwierig. Zwar sind einige Zeugen durchaus auskunftswillig. Andere aber widersprechen vor Gericht den Aussagen, die sie bei der polizeilichen Vernehmung gemacht haben, oder bleiben von vornherein sehr vage.

»Sie helfen hier niemandem«

Ein Bekannter der vier Männer, der selbst noch bis etwa einen Monat vor der Tat in der besagten Pension in Bad Wörishofen gewohnt hatte, war besonders wortkarg. Wie die Polizei auf seinem Handy festgestellt hat, hatte er in den Tagen nach der Tat immer wieder mit dem jüngsten der drei Angeklagten telefoniert. Dabei hätten sie angeblich über nicht wichtiges gesprochen. Der Vorsitzende Liebhart hielt die Beteuerungen des Mannes, dass er sich an die Gespräche überhaupt nicht mehr erinnern könne, für äußerst unglaubwürdig. „Sie helfen hier niemanden, wenn Sie sich raushalten“, ermahnte Liebhart den Zeugen. Letztendlich half es aber nichts: Was die beiden besprochen haben – und was der Angeklagte über das Opfer erzählt hat – bleibt wohl vorerst ungeklärt.

am

So lief der Prozessauftakt: Totschlag in Bad Wörishofen: Die Angeklagten schweigen

Zum zweiten Verhandlungstag: Zeugin berichtet, Angeklagter habe sie um Alibi gebeten

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