Bei Besuch von Claudia Roth

Bad Wörishofer Hoteliers berichten über ihre Sorgen und Nöte

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Daniel Pflügl hatte die grüne Bundestagsabgeordnete Claudia Roth in das Hotel Edelweiß geladen, wo mit Vertretern aus Gastronomie und Hotellerie diskutiert wurde.

Bad Wörishofen – Es klingt wie Jammern auf hohem Niveau, doch die Sorgen und Nöte, die Gas­tronomen und Hoteliers drücken, sind sehr real: Nachwuchs- und Fachkräftemangel, umfangreiche Dokumentationspflichten, strenge Mitarbeiterkontrollen und nun auch noch die Pläne der SPD, die Mehrwertsteuer für die Hotellerie im Zuge ihrer Gnadenrente wieder auf 19 Prozent hochzusetzen. Claudia Roth, Bundestagsmitglied der Fraktion der Grünen und gebürtige Unterallgäuerin nahm sich nun Zeit, mit Betroffenen zu sprechen.

Vieles kennt Claudia Roth aus eigener Anschauung. In Babenhausen geboren, war Bad Wörishofen für sie immer das Einkaufszentrum der Region, vor allem, wenn man hochwertige Waren kaufen wollte. Als Politikerin, die aber viel auf Achse ist, sind ihr mittlerweile viele Pro­bleme aus der Branche bekannt, gestand Roth etwa die fehlenden Mitarbeiter im Service, oder auch die Arbeitszeitregelungen. In der Gesprächsrunde im Kurhotel Edelweiß, zu der die Bad Wörishofer Fraktion Bündnis 90-Die Grünen geladen hatte, bekam Roth die Nöte anschaulich vorgeführt. Neben dem Gastgeber Matthias Schneid nahm auch die Landtagsabgeordnete Stefanie Schuhknecht teil, für die lokalen Hoteliers sprachen Hubertus Holzbock und Hans-Peter Schegerer. Auch der Sprecher des Forums Junge Gastgeber in Schwaben, Marc Schumacher, und Monika Poschenrieder, Präsidiumsmitglied des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, kamen bei der Gesprächsrunde zu Wort. Wobei der Gastgeber, der Bezirksvorsitzende Daniel Pflügl aus Bad Wörishofen und die Ortssprecherin Doris Hofer, die Claudia Roth den gesamten Nachmittag begleitet hatten, sowohl die Tourismusdirektorin Petra Nocker als auch die Kämmerin der Stadt, Beate Ullrich, entschuldigen mussten.

Offene Badekur wichtig

Insbesondere beklagten die Anwesenden den Einbruch des Kurwesens seit der Seehoferschen Reform aus dem Jahr 1997/98. Dabei wäre die offene Badekur so wichtig, so Hubertus Holzbock. „Die ist bei der Reform auf der Strecke geblieben“. Bei den Krankenkassen würde man den Leuten erzählen, dass es keine Kur mehr gebe und nur nach hartnäckigem Nachfragen zugeben, dass man sehr wohl noch richtig in Kur gehen könnte. Der Schwerpunkt Bad Wörishofens sei nun einmal die Kur, doch das Gros der Gästeankünfte, mehr als vier Fünftel, seien mittlerweile die, die nur eine oder zwei Nächte bleiben würden. Auch das Thermalbad schade der klassischen Kur, waren sich die Anwesenden sicher. Dadurch würden zwar die Übernachtungen boomen, aber die Gäste eben nur ein oder zwei Tage bleiben und nicht wie früher zwei oder drei Wochen.

Vorbild Baden-Württemberg

Man habe seit den 2000er-Jahren Kneipp vernachlässigt. Früher wäre es auch undenkbar gewesen, dass man sich auf Reisevermittler stütze, die bis zu 30 Prozent Provision für die Vermittlung der Gäste verlangten. Dass es in puncto Bad auch anders gehen könnte, zeigt Baden-Württemberg, wo die Kurorte eigene finanzielle Zuwendungen erhalten. Wenigen dürfte etwa bekannt sein, dass die Kurorte, um den Status Bad zu erhalten bzw. auch weiterhin halten zu können, viele Ausgaben tätigen müssen, für die es kaum Kompensation gibt. Darauf machte Daniel Pflügl aufmerksam, der auch kritisierte, dass die Staatsregierung dieses Thema von den Grünen bislang nicht aufgegriffen habe bzw. einen nicht adäquaten finanziellen Ausgleich angeboten habe.

Mehr noch aber als das treibt die Hoteliers die von der SPD angedachte Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes um. So planen die Sozialdemokraten die Abschaffung des verringerten Steuersatzes zugunsten ihrer Grundrente. Vor nicht einmal einem Jahrzehnt hatte die FDP die Verringerung durchgesetzt, insbesondere in den Nachbarländern wie Österreich verlangt der Staat von den Beherbergungsbetrieben auch die geringeren Steuersätze. Zwar hatten viele Hoteliers die Verringerung der Mehrwertsteuer nicht an ihre Gäste weitergegeben, dafür aber das Geld genutzt und in die Betriebe investiert. Darauf machten die Vertreter der Hotellerie aufmerksam und hinterfragten, ab wann man den Betrieb noch wirtschaftlich führen könne. Dabei erfuhren Pflügl und Roth zum Teil schockierende Details, wenn etwa die Zollfahndung im Rahmen der Arbeitszeiterfassung Betriebe sperrt und überprüft – im Beisein der ebenfalls schockierten Gäste. Umstände, die die Unsicherheit vor allem auch bei kleineren Gaststätten wachsen lassen. Gerade in diesem Segment, erklärte Monika Poschenrieder, hätten in den letzten Jahren fast ein Drittel der Betriebe bayernweit aufgegeben. Auch das Durcheinander der Steuersätze lässt die Betreiber, die in direkter Konkurrenz zu Metzgereien oder Bäckern stehen, verzweifeln. Denn je nachdem, ob man Kaffee oder einen Café Latte serviere, könne die Mehrwertsteuer schwanken. Und während der Gastronom für sein Essen 19 Prozent verlangen muss, sind es beim Bäcker für das To-Go-Essen nur sieben Prozent Steuer.

Jubiläen nutzen

Was die lokalen Themen anbelangt, hoffen Hofer und Pflügl auf einen touristischen Masterplan, im Zuge dessen auch eine Image-Kampagne für Pfarrer Kneipp stattfinden könnte. Nicht zuletzt die Jubiläen, der 200. Geburtstag Kneipps sowie 100 Jahre Prädikat Bad könnten helfen, die Problematik bekannter zu machen.

Oliver Sommer

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