Stadtrat macht Weg für Erweiterung frei – Landkreis am Zug

Bad Wörishofer Kreisseniorenheim könnte bald wachsen

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Im Bad Wörishofer Kreisseniorenwohnheim Am Anger könnten bald mehr Menschen Platz finden. Der Stadtrat hat sein Ok gegeben, die letzte Entscheidung muss nun der Landkreis treffen.

Bad Wörishofen – Die Stadt Bad Wörishofen und insbesondere ihr Stadtrat begrüßt die Initiative, das Kreisseniorenheim Am Anger durch geeignete bauliche Maßnahmen zu erweitern und Platz für mehr Senioren zu schaffen. In mehreren Gesprächen, so Bürgermeister Paul Gruschka, hatte Landrat Hans-Joachim Weirather nach der Meinung der Kneippstadt gefragt. Sieben Jahre, nachdem Ara Gharakhanian erstmals über das Thema vor dem Stadtrat referiert hatte, hatte der Mitarbeiter des Landratsamtes nun aktuelle Zahlen und Entwürfe im Gepäck. Ursprünglich hätte der Tagesordnungspunkt in der nicht öffentlichen Sitzung behandelt werden sollen. Auf Antrag der CSU-Fraktion und nach einer längeren Aussprache im Stadtrat stimmte Bürgermeister Gruschka einer Vorverlegung zu.

Schon länger reichen die Pläne zurück, das Kreisseniorenstift Am Anger in Bad Wörishofen zu vergrößern. Derzeit bietet das in Form eines übergroßen liegenden Vs geplante Seniorenstift Platz für etwa sechs Dutzend Senioren, durch die Vergrößerung soll Platz für knapp zwei Dutzend pflegebedürftige Menschen geschaffen werden. Im Ausschuss für Soziales habe man auf mehreren Sitzungen im vergangenen Jahr die Pläne und Zahlen vorgelegt, so Gharakhanian. Er stelle nun die derzeit aktuellen Entwürfe vor, so wie sie bereits im Kreistag diskutiert worden waren und auch schon, in der Hauptsache, im vergangenen öffentlich bekannt geworden waren.

Das Architekturbüro Johannes Jenn aus Ottobeuren hatte die neuen Entwürfe erarbeitet, die alternativ die Aufstockung des bestehenden Hauses um eine weitere Etage und damit die Vergrößerung des Platzangebotes um 21 Zimmer (18 Einzel- und drei Doppelzimmer) oder den Anbau von zwei Elementen (auf zwei Etagen) an den Bestand vorsehen, durch den das Angebot um 15 Einzel- und drei Doppelzimmer erweitert wird. In beiden Fällen muss aber der Speisesaal des Heims erweitert werden. Zusätzlich soll ein Verbindungsgang die beiden Flügel des Bestandsbaus verbinden und für kürzere Wege sorgen.

Die Pflegeplatzanalyse des Landkreises, berichtete Gharakhanian, erachte 145.000 Euro pro Pflegeplatz als Obergrenze der Wirtschaftlichkeit. Daher scheide die Aufstockung mit einem Bauvolumen von rund 4,6 Millionen Euro aus, 191.000 Euro pro Pflegeplatz seien nicht mehr wirtschaftlich. Demgegenüber stehen 2,75 Millionen Euro bzw. 130.952 Euro bei der Alternative – selbst bei Kosten für den Speisesaal von gut drei Millionen Euro bleibe man unter dem Limit des Landkreises.

Schwarze Null

Mit künftig 69 Bewohnern könne man langfristig Wirtschaftlichkeit garantieren, so Gharakhanian. Auf Nachfrage wollte sich der Mitarbeiter des Landratsamtes hierzu nicht weiter äußern, das hätte sein Chef bei einem Interview im vergangenen Jahr bereits getan. Aber er gab zu, dass man in 2017 und wohl auch in 2018 eine schwarze Null erreicht habe im Haushalt des Heims. Allerdings wird auch die Zahl der Pflegefachkräfte sowie weiterer Mitarbeiter im Haus wachsen. Diese werden aber dank des Verbindungsganges Vorteile bei ihrer Arbeit haben, müssen künftig doch nicht immer so weite Wege zurückgelegt werden. Es entstünden quasi Kreisläufe, wo bisher Sackgassen waren. Würde auf Landkreisebene frühestmöglich eine Entscheidung für den Ausbau getroffen, könnten die ersten Senioren wohl schon in zwei Jahren, also 2021, einziehen, meinte Gharakhanian auf Nachfrage. Das sei auch dringend nötig, gebe es doch regelmäßig Nachfragen, wann den endlich ein Platz im Stift frei werde.

Für Unmut im gesamten Gremium sorgte die Formulierung in der Beschlussfassung, dass die Erweiterung auf Initiative des Landkreises zurückgehe. Zwar dürfte dieser die Hauptlast der Ausgaben tragen, wie man Äußerungen Gruschkas zur Vereinbarung zwischen dem Landkreis und der Stadt entnehmen konnte. Allerdings wiesen mehrere Räte, unter anderem Konrad Hölzle (CSU), darauf hin, dass im Stadtrat schon lange Pläne zur Erweiterung diskutiert worden waren. Stefan Welzel (CSU) hatte die Streichung des entsprechenden Passus aus dem Antrag gefordert, dem Gruschka letztlich nachgab.

Welzel hatte noch 2017 im Personal- und Sozialausschuss des Kreistags gefordert, die Möglichkeiten zu einer zukunftsfähigen Ausrichtung des Kreisseniorenstifts Am Anger durch eine Erweiterung zu prüfen. Auf dieser Grundlage habe der Landkreis dann in 2018 Planungen dazu vorangetrieben. Als Beweggründe nannte Welzel unter anderem die Optimierung der tatsächlichen Abläufe für Mitarbeiter und Bewohner durch eine bauliche Anpassung, wie sie nun vorgesehen ist. Dabei meinte Welzel, sollte insbesondere durch Errichtung eines vierten Gebäudeschenkels aus dem „Hufeisen“ ein „Rechteck“ gemacht werden, damit die Arbeitsabläufe und Nutzungsmöglichkeiten verbessert werden könnten. Außerdem sollten       die finanziellen Auswirkungen im Sinne einer möglichst wirtschaftlichen Größe der Einrichtung sowie tragbarer kostenmäßigen Auswirkungen auf die von den Bewohnern zu tragenden Kostenanteile beim Pflegesatz berücksichtigt werden. Seitens der Stadt wurde nun der Weg frei gemacht für die Erweiterung, nun liegt der Ball wieder beim Landkreis.

Oliver Sommer

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