Vier Millionen Euro durch Corona verloren

Wie die Bad Wörishofer Therme die Wochen nach dem Restart erlebt

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Dank sogenannter Fender sehen die Gäste auf den Sprudelliegen, wo sie schutzbedingt noch Platz nehmen dürfen.

Bad Wörishofen – Aufmerksame Stammgäste der Bad Wörishofer Therme werden in diesen Tagen in Becken und Erholungsbereichen zahlreiche Veränderungen bemerken, die die erste Coronawelle ins Unterallgäuer Südsee-Paradies geschwemmt hat. In der Praxis fallen diese vorläufigen Anpassungen für die Gäste aber gar nicht so sehr ins Gewicht. Das zeigen auch die ersten Wochen nach der Wiedereröffnung, zu denen Thermen-Geschäftsleiterin Birgit Ernst nun im Gespräch mit dem Wochen KURIER ein Fazit gezogen hat. In aller Kürze: Während das operative Geschäft wieder läuft und sich die Kunden wieder erholen können, wird die finanzielle Regeneration wohl noch eine Weile dauern.

Nach 102 Tagen war die lange Durststrecke endlich vorbei: Am Samstag, 27. Juni, hatte die Therme erste Gäste – natürlich nur unter Einhaltung sogenannter „Urlaubsregeln“ – wieder einlassen dürfen. Ganz vorne in der Schlange stand dabei ein älteres Paar aus Österreich, das schon seit vielen Jahren nach Bad Wörishofen kommt und das die Wiedereröffnung des Thermenparadieses kaum hatte erwarten können.

Groß angelegtes Leitsystem

Im Innenbereich konnte dieses wie auch alle anderen Gäste tatsächlich nahezu alle Attraktionen wieder nutzen: Die Becken sind offen und auch Gesundheitsbäder sowie Saunaattraktionen stehen mit Ausnahme der Dampfbäder wieder zur Verfügung. Ganz so kuschelig wie vor Corona darf es in den Becken aber nicht werden: Damit der übliche Abstand von eineinhalb Metern eingehalten werden kann, musste die Therme kreativ werden. Sogenannte Fender, die aussehen wie kleine Bojen, sind über jede zweite Sprudelliege im Becken und im Whirlpool gespannt, um corona­konform zu sperren. In den Saunen ist deutlich mit Schildern und Pfeilen markiert, wo gesessen werden darf, im Solebecken beispielsweise sind nurmehr sieben Gäste gleichzeitig zugelassen.

Es ist nicht mehr so viel los wie vor Corona. Trotzdem seien die rund 800 Gäste pro Tag durchaus üblich für die Sommermonate, wie Birgit Ernst im Gespräch mit dem Wochen KURIER erklärt.

Das Feedback zu diesen Maßnahmen sei in den ersten Tagen bereits sehr gut gewesen, erklärt Ernst. Im Schnitt zählt die Therme seit der Wiedereröffnung rund 800 Gäste pro Tag – weniger als vor Corona, wie Ernst einräumt, aber nicht unüblich für die warmen Sommermonate. 2.000 Besucher täglich wären gemäß der Schutzvorgaben übrigens möglich. Zwar seien insbesondere Senioren im Vergleich zur Zeit vor Corona noch zögerlich mit dem Thermenbesuch, so Ernsts Eindruck. Ob man noch regelmäßig vor die Haustür gehe – egal, ob in die Therme oder in eine andere öffentliche Einrichtung – werde in den Augen der Geschäftsleiterin aber als Grundsatzentscheidung getroffen.

Reservieren bald möglich

Um für die kühleren Wintermonate und damit den zunehmenden Ansturm auf die Saunen und Erholungsbecken vorbereitet zu sein, plant die Therme derzeit ein Reservierungssystem, das schon in Kürze in Betrieb gehen soll. So sollen auch Gäste mit längerer Anreise gewährleistet bekommen, bei Besucherzahlen im Bereich der 2.000 einen sicheren Platz zu erhalten. Trotzdem, das betont Ernst, könne man natürlich auch weiterhin spontan und auf gut Glück vorbeikommen – dann aber ohne Garantie.

Bange Momente dürfte derzeit auch Geschäftsführer Jörg Wund erleben. Zwar sind seine Erholungs-Häuser sowohl in Erding als auch in Bad Wörishofen nach Corona wieder gut angelaufen, die Tage der Schließung haben aber dennoch ein gewaltiges Loch in der Kasse hinterlassen. Gut vier Millionen Euro Umsatzverlust, schätzt Ernst, hat Corona die Wörishofer Therme gekostet. Deshalb müsse Wund in Sachen Investitionen vorerst kürzertreten. In den Monaten der Schließung habe man (der Wochen KURIER berichtete) immerhin umfangreiche Revisionsarbeiten vorziehen können – und damit auch die technischen Angestellten im Haus nahtlos weiterbeschäftigen können, während andere Mitarbeiter wochenlang in „Kurzarbeit Null“ verharren mussten. Nun sind wieder alle an Bord, das Thermenschiff verlassen musste wegen Corona niemand.

Marco Tobisch

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