Lösung „Wohnen für Hilfe“?

Wohnraum im Unterallgäu weiter sehr gefragt

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Von einer Wohngemeinschaft würden beide Seiten profitieren: Menschen können günstiger wohnen, wenn sie den Alltag der Senioren erleichtern und ihnen Gesellschaft leisten.

Unterallgäu – Der Wohnungsmarkt im Unterallgäu dürfte noch eine Zeitlang angespannt bleiben. Bei der Bürgermeisterdienstbesprechung in der Kneippstadt resümierte ein Mitarbeiter des Landratsamtes eine Umfrage zum Wohnraumbedarf, der Mietentwicklung und der vorhandenen Potenziale. Auch das Projekt „Wohnen für Hilfe“, bei dem vor allem Senioren profitieren, wurde vorgestellt.

Geht man von der Fortschreibung der Baufertigstellungen aus – derzeit rund 600 Wohneinheiten pro Jahr – wird der Bedarf an Wohnraum erst nach dem Jahr 2025 befriedigt. Im Moment liegt die Nachfrage nach Wohnraum bei über 700 Einheiten, 2030 wird dieser Wert dann auf 550 Wohneinheiten sinken, ab dann werden mehr Wohnungen bzw. Wohneinheiten gebaut als nach Wohnraum gesucht wird. Diese Zahlen präsentierte Stefan Kienle vom Büro des Landrates.

Ausgehend von einer, für die Allgäu GmbH durchgeführten, Analyse und Bedarfsprognose liegt das Unterallgäu im unteren Mittelfeld bei den Durchschnittsmieten. Spitzenreiter ist derzeit die Bodenseeregion, wo sich die Miete pro Quadratmeter seit 2012 von neun auf knapp unter 10,50 Euro entwickelt hat; im selben Zeitraum stiegen die Durchschnittsmieten im Unterallgäu von 6,50 auf derzeit 8,50 Euro an.

Ergänzend zu dieser Analyse habe man aber von Seiten des Landratsamtes noch weitere Parameter bei den Kommunen abgefragt, um die Entwicklung abschätzen und den Bedarf planen zu können, erklärte Kienle den im Kursaal in Bad Wörishofen anwesenden Bürgermeistern. So gingen die Fragen auch in Richtung aktueller Nachfrage nach Mietwohnungen in den Kommunen, ob diese Nachfrage innerhalb eines Zeitraumes von drei Jahren zu befriedigen sei. Es wurde nach der üblichen als tatsächlichen Nettokaltmiete in den Kommunen gefragt und nach dem derzeitigen Flächenbestand. Der Nachfragedruck liegt vor allem im Raum Mindelheim-Rammingen-Bad Wörishofen im oberen Bereich. Auch Kirchheim, Markt Wald sowie vor allem das westliche Unterallgäu rund um Memmingen sehen einen großen Bedarf an Wohnraum.

Nur in einem halben Dutzend Orten wie Heimertingen, Wolfertschwenden und Stetten steht die Ampel auf grün. Kienle hatte diese Variante genutzt, um mittels rot, gelb und grün zu signalisieren, wie groß der Nachfragedruck ist. So steht die Ampel für die meisten Kommunen im Unterallgäu auf Achtung (Gelb). In ähnlicher Weise hatte Kienle auch den Bedarf und die Entwicklung des Wohnraums eingeteilt, auch hier sind es vor allem Memmingen und Mindelheim als Zentren, in deren Umkreis die Ampel auf Rot für hohen Bedarf steht. Analog zu dem Bauland sind es auch hier nur ein gutes halbes Dutzend Kommunen, wo die Lage entsprechend dem Bedarf noch im grünen Bereich liegt. Abschließend zeigte Kienle, dass derzeit, nach Analyse der Bürgermeister, gut 37 Hektar Nettowohnbauland zur Verfügung stünden, das Potenzial über die nächsten drei Jahre mit 88 Hektar gut doppelt so groß ist.

Wohnen für Hilfe

In einem zweiten Vortrag von Hubert Plepla, Mitarbeiter der Koordinationsstelle Seniorenkonzept, wurde das Thema „Wohnen für Hilfe“ angesprochen. Dieses Projekt, das es schon in anderen Kommunen und Landkreisen gibt, soll, so der Ansatz, Menschen zusammenbringen, die Wohnraum suchen mit Menschen, die allein wohnen und sich im Alltag Geselligkeit und Unterstützung wünschen. Damit könnten vor allem Senioren länger in den vertrauten vier Wänden wohnen bleiben, würden nicht isoliert und einsam leben, während günstiger Wohnraum im Gegenzug für soziales Engagement zur Verfügung stünde.

Es gebe, berichtete Plepla, viele Senioren, die ihren mittlerweile für ihre Bedürfnisse viel zu großen Wohnraum nicht mehr allein bewirtschaften könnten. Einst als Heim für die Familie mit Kindern konzipiert, leben sie heute teils allein in den großen Wohnungen oder Häusern. Das Unterstützungspotenzial durch die Familie falle weg, wenn die Kinder für Studium oder Beruf aus dem Hause gingen und oftmals in eine andere Stadt zögen. Gleichzeitig habe man etwa von der Sebastian-Kneipp-Schule die Rückmeldung, dass deren Studenten auf der Suche nach günstigem Wohnraum seien. Und auch seitens der Senioren werde die Möglichkeit von Wohngemeinschaften nachgefragt. Derzeit gibt es im benachbarten Landsberg am Lech, in München sowie im Landkreis Freising und in Franken ähnliche Projekte, bei denen man sich informiert habe, so Plepla. Auch seitens des Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales könne man Fördergelder abrufen.

Rahmenbedingungen für das Projekt sind eine auf die Fläche angepasste monatliche Hilfe (eine Stunde je Quadratmeter), die der Helfende aufzubringen hat. Begleitet werden soll die Wohnpartnerschaft durch Kooperationspartner wie Gemeinden, die Kirchen und Wohlfahrtsverbände. Außerdem muss es eine hauptamtliche Kraft geben, die das Projekt vor Ort begleitet. Die möglichen Hilfeleistungen beschrieb Plepla mit sozialer Betreuung der Senioren, Hausarbeiten, Einkaufsdienste, die Zubereitung der Mahlzeiten und die Gesellschaft untertags sowie allgemeine Hilfe am Computer oder bei Formularen. Definitiv aber, betonte Plepla, gehe es nicht um „professionelle Pflegeleistungen und es besteht keine Anwesenheitspflicht“.

Probleme bei Umsetzung

Bislang habe man schon mehrere Anfragen bearbeitet, so Plepla zu den Ergebnissen. Es gibt einen Kooperationspartner und schon sieben Anfragen von den Wohnraumgebern. Ebenso hätten viele Wohnraumnehmer einen Fragebogen ausgefüllt.

Eine konkrete Vermittlung aber sei gescheitert. Dabei gab Plepla zu, dass mehrere Faktoren das Projekt behindern. So können beide Seiten die Wohnpartnerschaft mit nur einem Monat Vorlauf kündigen. Dadurch haben die Helfenden eine fehlende Planungssicherheit. Darüber hinaus gebe es Vorbehalte von Seiten der Wohnraumgeber, Fremde im eigenen Haus leben zu lassen und auch die Ausbildungsbetriebe würden sich nicht für das Projekt interessieren. Schließlich fehlten auch weitere Kooperationspartner, so dass das Projekt Teil der Quartiersentwicklung im sozialen Nahraum werden könnte.

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