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XXXLutz in Stetten: Kritik von den Nachbarn

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Von: Oliver Sommer

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Auf dem schmalen Zufahrtsweg soll ein Zonenhalteverbot dafür sorgen, dass der Verkehr rollt.
Auf dem schmalen Zufahrtsweg soll ein Zonenhalteverbot dafür sorgen, dass der Verkehr rollt. © Sommer

Stetten – Im Gegensatz zum Betreiber des neuen Servicecenters in Stetten ist man bei den Nachbarn im Stettener Gewerbegebiet kritischer. Schon im Vorfeld hatten sie gegen die Pläne geklagt, waren aber an vollendeten Tatsachen gescheitert. Derzeit warten Jürgen Lutz und weitere Gegner des Vorhabens noch ab. Sie kritisieren die Haltung der Gemeinde, dass Vorgaben der Planung nicht oder nur halbherzig umgesetzt wurden. Nun heiße es abwarten, wie sich alles weiterentwickelt.

„Dreimal ist mein Grundstück geschwommen“, erzählt Jürgen Lutz, der wie auch „alex kranservice“ als direkter Nachbar vom neuen „Servicecenter“ (mehr dazu hier) betroffen ist. Man hatte bei den Bauarbeiten zwar offenbar dafür gesorgt, dass das Regenwasser nicht in die Baustelle läuft, stattdessen aber den Nachbarn am Nordwesteck unter Wasser gesetzt. Und beim nächsten Starkregen werde sich zeigen, ob nun nach Fertigstellung der Bauarbeiten das Wasser versickern kann oder doch wieder zum niedrigsten Punkt im Gelände – dem Grundstück von Jürgen Lutz – hinläuft.

Nicht alles, was geplant war, habe XXXLutz umsetzen können, weiß der Elektromeister. So musste beim Bau der Halle ein rund fünf Meter breiter Streifen zum Nachbargrundstück frei gelassen werden, damit die Feuerwehr auch auf der Nordseite der über 50 Meter langen Halle Zugang hat. Auch die Anlage der Außenflächen mit Bäumen und Büschen ist noch nicht fertig. Ohnehin seien die Arbeiten am Servicecenter noch lange nicht abgeschlossen, sagt Lutz mit Blick auf die Außenflächen, wo sich zum Zeitpunkt des Betriebsbeginns noch immer Erdhügel türmen und nur die Zufahrtswege befestigt wurden.

Relikt in der Bauordnung

Gegenüber dem Wochen ­KURIER erneuert Jürgen Lutz seine Vorwürfe gegen die Gemeinde, die diesen Bau einerseits durch Untätigkeit möglich gemacht habe, andererseits aber auch im Nachgang nicht willens war, den Bau an dieser Stelle abzuwenden. Gemeinsam mit seinem Nachbarn Alex Obert, dem Geschäftsführer von „alex kranservice“, hatte Lutz gegen die Baugenehmigung geklagt und war in Augsburg abgewiesen worden. Laut Bauordnung in Stetten sind Gebäude mit einer Länge größer 50 Meter erlaubt, ein Relikt aus dem Bauvorhaben der Firma Freuding Labor- und Praxiseinrichtungen, die „die Straße runter“ eine solch lange Halle errichtet haben. „Die Gemeinde hat das nie eingegrenzt“, kritisiert Lutz. „Und XXXLutz hat sich das geholt.“

Als Jürgen Lutz vor Gericht ziehen wollte, bekam er sogar Hilfestellung vom Kreisbaumeister, der angesichts der Vorgaben (oder vielmehr der fehlenden Vorgaben und Eingrenzungen) entsetzt gewesen sei, berichtet Lutz. Seinerzeit hatte das gesamte Gewerbegebiet inklusive aller Privat­anlieger dem Bürgermeister geschlossen eine Petition übergeben und sich darin gegen das Vorhaben ausgesprochen. Allein, es wurde ebenso ignoriert und auch die versprochene Informationsveranstaltung des Bürgermeisters habe es nie gegeben. Lediglich ein Zonenhalteverbot auf dem Schleifweg­acker, der offiziellen Zufahrt zum Gewerbegebiet, gibt es. Doch wer soll das überwachen?, will Lutz wissen.

Ebenso wie die Tatsache, dass die Möbel-Laster eigentlich nur über den Schleifwegacker das Servicecenter anfahren dürfen. Doch wozu gebe es auf der Südostseite eine weitere Zufahrt zum Servicecenter, wenn darüber keine LKW fahren dürfen, so Lutz weiter. Und zum anderen erlebe man schon jetzt, wie die LKW die Nachbargrundstücke einnehmen und regelmäßig etwa über den Grund einer Anrainerin im Südwesten kurvten. Und wer wolle einen LKW-Fahrer anzeigen, der außerhalb der offiziellen Lieferfenster vor dem Grundstück von XXXLutz parke und darauf warte, liefern zu können. Man müsse jetzt einfach abwarten, wie sich alles entwickelt, wiederholt Jürgen Lutz, der vor dem kommenden Winter schon ein klein wenig Bedenken hat. Denn es gibt nur eine Zufahrt zum nördlichen Gewerbegebiet in Stetten, von der Autobahn kommend, die Bahnhofsstraße „hoch“ zum Schleifwegacker. Und aus seiner Erfahrung heraus prognostiziert Lutz, dass wieder LKW an der Steigung hängenbleiben werden. Dann sei das gesamte Gewerbegebiet blockiert, für die Pendler, die zum Zug müssen oder nach Hause wollen ebenso wie für Schüler, von den Rettungsdiensten nicht zu reden, die dann bei einem Notfall nicht mehr eingreifen könnten.

Noch immer will Jürgen Lutz auch nicht daran glauben, dass im Servicecenter Möbel zusammengebaut werden. Anfangs sei von einem Auslieferungslager die Rede gewesen. Als sich dagegen Widerstand regte, „hieß es plötzlich Servicecenter“. Aber ob hier wirklich Möbel zusammengeschraubt oder repariert werden? Und warum habe der Bürgermeister nicht versucht, XXXLutz ein Grundstück am interkommunalen Gewerbegebiet auf der Nordseite der Autobahn schmackhaft zu machen? Daran sei die Gemeinde auch beteiligt, dort hätte man aber bessere Voraussetzungen vorgefunden, sagt Lutz. „Ein solcher Baukörper hätte viel besser dorthin gepasst“, sagt der Elektromeister. Denn dort sei ohnehin schon das Lager von Jysk weithin sichtbar und auch die Zufahrt einfacher.

Jetzt heißt es abwarten, wiederholt Jürgen Lutz. Leider könne man erst dann etwas unternehmen, wenn ein Schaden eingetreten sei. Wie der aussieht, ist unklar – ob das Grundstück wieder „absäuft“ wegen fehlender Kanäle und Sickerschächte? Damit hätten die Planer überhaupt nie gerechnet, auch finanziell sei es nie auf der Liste gestanden, das Wasser zu versickern, so der Elektrofachmann. „Das hätte den Kostenrahmen gesprengt.“ Immerhin muss Lutz nicht auf die riesige, monolithische Wand starren, sind seine Bäume doch hoch genug. Doch die Nachbarn haben diese Mauer täglich vor Augen. Sobald aber das Wasser zu ihm komme, könne er klagen.

Während in Stetten die Probleme mit dem Möbelgiganten beginnen könnten, dürfen die Anrainer des Möbelauslieferungslagers in Durach bei Kempten aufatmen. Dort hat man eine wahre Odyssee hinter sich mit ebensolchen Problemen, die Jürgen Lutz fürchtet. Auch dort versprach die in Valetta auf Malta gemeldete Firma XXXLutz Abhilfe, auch das persönliche Eingreifen des dortigen Bürgermeisters konnte nur bedingt Probleme lösen.

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