Arbeitskreis soll Idee in den nächsten Wochen prüfen

Zieht der Mindelheimer Weihnachtsmarkt auf die Mindelburg um?

Seit 2004 findet der Mindelheimer Weihnachtsmarkt am Kirchplatz statt.
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Seit 2004 findet der Mindelheimer Weihnachtsmarkt am Kirchplatz statt. Das könnte sich 2022 ändern.
  • Marco Tobisch
    VonMarco Tobisch
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Mindelheim – Die Stadt Mindelheim wird auch in diesem Jahr wieder nur einen abgespeckten Weihnachtsmarkt anbieten – allerdings nicht am Kirchplatz, sondern wie schon 2020 verteilt auf mehrere Einzelschauplätze in der Altstadt. 2022 könnte dann der ganz große Ortswechsel kommen: Aktuell steht die Überlegung im Raum, den Weihnachtsmarkt auf die Mindelburg umzuziehen und dort ein einzigartiges Vorweihnachtserlebnis für Besucher aus Nah und Fern zu schaffen. Ob das umsetzbar ist, soll in den nächsten Wochen ein neuer Arbeitskreis prüfen.

Seit dem 1. August hat die Stadt wieder das volle Verfügungsrecht über die Hauptburg der Mindelburg. Wie Kulturamtsleiter Christian Schedler am gestrigen Montagabend im Jugend- Kultur- und Sozialausschuss der Stadt vorstellte, sei es ein lohnender Gedanke, auf der Burg künftig einen ganz besonderes Weihnachtsmarkt anzubieten. „Das einzigartige Ensemble mit der Burg, der Kapelle, dem Bergfried, den Rondellen, der Brücke und dem Torwärterhaus böte einen unvergleichlichen Rahmen für den Markt. Auch geeignete Räume der Gebäude der Hauptburg könnten genutzt werden“, erklärte Schedler. Er zog dabei den Vergleich zu Weihnachtsmärkten auf englischen Schlössern, wo z.B. Nikolaus-, Märchen- und Weihnachtszimmer Teil des Marktes seien. Zusätzlich könne man beispielsweise auch mittelalterliche Themen zusammen mit dem Frundsberg Festring aufgreifen.

Der vorhandene Platz würde aus der Sicht des Kulturamtsleiters ausreichen, um einen Großteil der Buden auch dort oben unterzubringen. Den Zugang könne man über die Vorburg zulassen, wo man dann auch einen kleinen Eintritt erheben könnte.

Auswirkungen dürfte eine Verlegung des Weihnachtsmarktes künftig wohl auf die Mindelheimer Einzelhändler haben. Wobei Schedler relativierte: Die Erfahrung der letzten Jahre hätte gezeigt, dass auch beim Weihnachtsmarkt am Kirchplatz immer erst ab 17 oder 18 Uhr was los sei, weshalb sich der Markt auch zuletzt schon nicht auf das Vorweihnachtsgeschäft der Einzelhändler ausgewirkt habe. Um von der Mindelburg-Idee auch die Altstadt profitieren zu lassen, könne man Shuttle-Busse zwischen Burg und Marienplatz anbieten sowie zusätzlich einen kleinen Marktbereich mit Verzehrbuden im Zentrum – diese dann vielleicht schon ab Mittag für eine „Marktwurscht“ zum Weihnachtsshopping. Ferner würden auch die kulturellen Veranstaltungen des Mindelheimer Advents Besucher in die Stadt lenken, meint Schedler.

Mindelburg: So sieht das historische Wahrzeichen von innen aus

Wohnung der Familie Sachon in der Mindelburg
Ehemalige Wohnung von Ludwig Schramm, später das Arbeitszimmer in der Wohnung der Familie Sachon. © Matthias Paul
Wohnung der Familie Sachon in der Mindelburg
Ehemalige Wohnung von Ludwig Schramm, später der Salon in der Wohnung der Familie Sachon. © Matthias Paul
Speisesaal in der Mindelburg
Das prunkvolle Speisezimmer in der Wohnung der Familie Sachon. Zuvor lebte hier Ludwig Schramm, der die Mindelburg im 19. Jahrhundert saniert hatte.  © Matthias Paul
Wohnung der Familie Sachon in der Mindelburg
Ehemalige Wohnung von Ludwig Schramm, später der zweite Salon in der Wohnung der Familie Sachon. © Matthias Paul
Wohnung der Familie Sachon in der Mindelburg
Ehemalige Wohnung von Ludwig Schramm, der die Täfelung angebracht hat. Zuletzt war dies das Chefzimmer des Verlegers Sachon. © Matthias Paul

Der Umzug auf die Burg wäre auch mit einigen Kosten verbunden – wenngleich Schedler betonte, einen genauen Rahmen könne er noch nicht nennen. Unter anderem müssten neue Buden beschafft werden, denn ein größerer Teil der vorhandenen Buden ist nach Auskunft des Bauhofs ruinös und müsste ohnehin ersetzt werden. Zudem müsste eine passende adventliche Beleuchtung des Burggeländes und seines Umfelds einkalkuliert werden.

Burtscher: „Tolle Geschichte, aber entkoppelt von der Stadt“

Wie Schedler betonte, sei das Konzept aber bislang keinesfalls ausgereift, sondern es gehe nur um ein Feedback seitens der Ausschussmitglieder – und dieses fiel überwiegend positiv aus, wenngleich auch einige kritische Fragen gestellt wurden. Claudia Steber (CSU) befand die Idee des Umzugs auf die Mindelburg für „sehr gut“, sorgte sich aber um die Parkplatzsituation an der Burg. „Und nicht jeder parkt an der Schwabenwiese“, so Steber. Ursula Kiefersauer (MBG) und Mehmet Yesil (SPD) sprachen von einer „verlockenden“, Fritz Birkle (CSU) von einer „charmanten“ Idee. Yesil gab allerdings zu bedenken, man wolle mit dem Weihnachtsmarkt doch die Altstadt beleben, was mit einem Markt auf der Mindelburg nicht geschehe. Das betonte auch Thomas Burtscher (Grüne): „Das ist höchstwahrscheinlich eine tolle Geschichte, ist aber entkoppelt von der Stadt.“ Wie man dennoch sämtliche Interessen möglichst gut unter einen Hut bringen kann mit einem Weihnachtsmarkt auf der Mindelburg, soll nun ein Arbeitskreis herausfinden – bestehend aus Stadträten, Kulturamt, MN-Werbekreis, Einzelhändler und Gastronomen. Spätestens im Frühjahr müsste laut Bürgermeister Dr. Stephan Winter das fertige Konzept angesichts des Haushaltsbeschlusses und der langen Vorlaufzeit für die Planung stehen.

Die lange Vorlaufzeit war übrigens auch maßgeblich, warum in diesem Jahr am Mindelheimer Kirchplatz kein Markt stattfindet – und das trotz des jüngst erteilten grünen Lichts der Staatsregierung für Weihnachtsmärkte in Bayern. Dazu hatte sich Bürgermeister Winter vor den Ausführungen Schedlers geäußert. 2003 habe man sich dazu entschieden, auf dem seit 2004 stattfindenden Kirchplatz-Weihnachtsmarkt auf ein „hochwertiges Angebot“ zu setzen, insbesondere repräsentiert durch viele Kunsthandwerker. Diese hätten der Stadt über viele Jahre die Treue gehalten, bräuchten für das Ordern oder Herstellen ihrer Ware aber frühzeitige Planungssicherheit – und forderten spätestens zur Jahresmitte eine klare Aussage von der Stadt, ob der Weihnachtsmarkt stattfindet. Angesichts der unsicheren Corona-Situation im Juli sei deshalb nur die Absage des Marktes geblieben, erklärte Winter.

Derweil bietet die Stadt heuer wieder ein ähnliches Alternativprogramm wie 2020 an: mit zwei Buden des Bonbonkochers am Marienplatz, Verzehrbuden am Oberen Tor, vor dem Rathaus sowie gegenüber des Märchenwaldes, der wieder aufgebaut wird. Aus Sicht des Bürgermeister habe man so wieder „ein vernünftiges Angebot geschaffen, das Weihnachtsfeeling aufkommen lässt“.

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