Gemeinderat ist sich einig

Zwei Jahre im Test: Türkheim erprobt Tempo 30-Konzept

Uferstraße Türkheim
+
In der Uferstraße gilt in Zukunft nicht nur eine geänderte Vorfahrtsregelung, sondern vor allem ein Tempolimit.

Türkheim – Schon im vergangenen Jahr hatte der Marktrat Türkheim darüber diskutiert, die Verkehrssituation auf der Uferstraße zu entschärfen. Nach Diskussionen über die Zulässigkeit bzw. Notwendigkeit einer Geschwindigkeitsbeschränkung wurde die Beschlussfassung vertagt. Nun beschlossen die Markträte, auf verschiedenen Straßen im Markt ein Tempolimit zu erproben. Auch seitens der Polizei befürwortet man das Vorgehen.

Neben der Kreisstraße MN2, die Türkheim von Ost nach West erschließt, sorgen zahlreiche Zubringerstraßen dafür, dass man den Markt, die Wohn- und Gewerbegebiete gut erreichen kann. Doch während vor allem die Durchgangstraßen, etwa die Hardt- oder Stockheimer Straße in Irsingen aufgrund ihrer Funktion nicht beschränkt werden dürfen, besteht bei der Uferstraße etwa der Verdacht, dass die gut ausgebaute Straße entlang der Wertach vor allem vom Schwerlastverkehr als Abkürzung zur Umgehungsstraße genutzt wird. Dabei erschließt die Uferstraße vor allem das daneben liegende Wohngebiet.

Neben der Uferstraße leiden auch die Anrainer an der Hoch-, und Ramminger Straße, sowie der Jakob-Sigle- und der Alfred Drexel-Straße unter dem „hausgemachten“ Verkehrsproblemen. Denn einst wurden die Straße großzügig ausgebaut, erst im Laufe der Jahre änderte sich die Nutzung bzw. traten neben Problemen wie dem Schwerlastverkehr auch die Lärmbelästigung (vor allem in den Morgenstunden) auf: Last, but not least lädt etwa der Ausbau der Uferstraße mit kaum einmündendem Verkehr, dafür aber auf fast 6,50 Meter Breite ausgebaut, zu einer schnelleren Fahrweise ein. Bei Messungen wurden Geschwindigkeiten deutlich über den erlaubten 50 km/h gemessen. Deshalb, so die Leitung des Ordnungsamtes, habe man ein Verkehrskonzept erstellt, das neben den genannten Straßen auch den Ortsteil Irsingen umfasst. Man habe sich, so die Amtsleitung, Gedanken gemacht, wie die Geschwindigkeit reduziert werden kann.

Tempo 30-Zone vs. streckenbezogene Limits

Neben einem streckenbezogenen Tempolimit wurde auch ein Zonenlimit diskutiert. Die erste Variante gilt dabei nur für eine genau definierte Strecke, maximal 300 Meter etwa im Bereich von Schulen oder Kitas. Demgegenüber kann man mit Hilfe der Tempo 30-Zone größere Bereiche definieren, innerhalb derer sich dann auch weitere Straßenregeln ändern. So sorgt eine 30er-Zone für eine neue Vorfahrtsregelung, hier gilt automatisch rechts vor links. Allerdings ist eine solche Regelung nicht auf Kreisstraßen erlaubt. Mit der 30er-Zone ließe sich ein Teil des Geschwindigkeitsproblems in der Uferstraße regeln, müssen die nach Süden fahrenden automatisch auf den einmündenden Verkehr achten und ihm Vorfahrt gewähren. Um den nach Norden fahrenden Verkehr auszubremsen, wurde ein Fahrbahnteiler ins Spiel gebracht, um die breite Straße zumindest optisch einzuschränken.

Auch in der Hochstraße sei eine 30er-Zone möglich und sinnvoll, so das Resümee des Ordnungsamtes. Hier müsste die Kreuzung Laternenstraße und Wiedemannstraße sicherer gemacht werden, obgleich diese laut Polizei kein Unfallschwerpunkt ist; erst bei mehr als fünf Verkehrsunfällen innerhalb von drei Jahren wird eine Strecke als Unfallschwerpunkt definiert. Auch am Ortseingang auf der Rammingerstraße besteht Handlungsbedarf, besteht hier doch aufgrund des Baugebietes nur ein einseitiger Fußweg. Am Ortseingang würden zudem die Fahrzeuge mit überhöhter Geschwindigkeit ankommen. Während man für die Sigle-Straße Poller bestellt hat, um die sogenannten Gehwegparker auszubremsen könne man die Situation in der Drexel-Straße erst nach deren Umbau beurteilen, so das Resümee.

Mit der Feststellung, dass man etwas unternehmen müsse, stiegen die Gemeinderäte in eine recht kurze Diskussion ein, hatte das Thema doch so schon auf der Agenda gestanden. Neben der Feststellung, dass auch mit einem Fahrbahnteiler die Schneeräumung möglich sei, ging der Tenor dahin, dass man Verhältnisse wie in Bad Wörishofen anstrebe, wo ohne Ausnahme alle innerörtlichen Straße temporeduziert sind.

Begleitkonzept steht aus

Neben dem Beschluss, das Tempolimit probeweise für zwei Jahre einzuführen, braucht es aber noch ein begleitendes Verkehrskonzept für das Landrats­amt sowie eine Überwachung, etwa auch dahingehend, ob sich Verkehrsströme verlagern. Auch das Thema Schulwege sowie Tonnagebegrenzungen sollen ins Konzept miteinfließen, das zur rechtlichen Absicherung dient.

Von Seiten der Polizei gab es den Tipp, den Bürger bei der Umsetzung unbedingt mitzunehmen und das Konzept nicht über dessen Kopf hinweg umzusetzen. So dürften auch die Blitzer für die Geschwindigkeitsüberwachung nicht als Falle anzusehen sein. Außerdem sollte es eine Übergangsphase geben, in der die Bürger nicht abgestraft würden.

So votierten alle Gemeinderäte für die vorgelegte Erprobung mit Tempolimits, Tonnagebegrenzungen und einem Verkehrskonzept bzw. auch Gutachten.

Oliver Sommer

Auch interessant

Meistgelesen

Norovirus im Unterallgäu
Norovirus im Unterallgäu
Baugebiet Mindelheim-Nord: Auf die Plätze, fertig, los
MINDELHEIM
Baugebiet Mindelheim-Nord: Auf die Plätze, fertig, los
Baugebiet Mindelheim-Nord: Auf die Plätze, fertig, los

Kommentare