15 Jahre »Bedenkzeit«

Zwei neue Stichwege für Förster und Spaziergänger im Waldgebiet auf dem Kohlberg

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Bei einer Waldbesichtigung trafen sich (v. links): Stefan Honold (Leiter der Städt. Forstverwaltung Memmingen), Bernd Schuster (Förster, Städt. Forstverwaltung Memmingen), Thomas Klein (Förster, AELF Mindelheim), Stefan Lodd (Forstanwärter), Josef Steidele (Bürgermeister der Gemeinde Kammlach) und Marco Bertele (Rufen, Waldeigentümer). Sie stehen auf einem der geplanten Stichwege. Die Trasse ist momentan nur für Traktoren geeignet, Lkws scheitern am weichen, unebenen Untergrund.

Kammlach – Weil Waldbesitzer nur mühsam Baumarbeiten im Wald „Auf der Dürren“ durchführen können, wird es nach 15 Jahren „Bedenkzeit“ künftig zwei zusätzliche Stichwege in die Privatwälder hinein geben – das hat die Gemeinde Kammlach in einer Gemeinderatssitzung entschieden. Dieses Waldwegeprojekt ist auch dem Klimawandel geschuldet.

Auf der Kuppe vom Kohlberg geht es in den Wald hinein, die ersten paar Meter sind mit dem Auto kein Problem, der drei Meter breite Weg ist gekiest. Dann aber endet der Weg, eine Trasse für Traktoren beginnt – und damit das Problem. Denn Lkws, die die Baumstämme abtransportieren, sind zu groß und zu schwer für diese schmale Buckelpiste. Ihre Ausweichroute führt über bewirtschaftete Wiesen der Gemarkung Unterkammlach, was erst einmal die Landwirte dulden würden, würde der Boden im Winter noch gefrieren. Da wir aber in Zeiten des Klimawandels leben und es immer wärmer wird, gefriert der Boden nicht mehr langanhaltend, weshalb die Reifen der 40-Tonner deutliche Spuren in der Erde hinterlassen – zum Leidwesen der Landwirte. Um dieses Problem zu vermeiden, kommen nun zwei neue Stichwege in den Wald, damit die Waldbesitzer leichter zu ihren Wäldern kommen – ohne Umwege.

15 Jahre hat dieses Projekt gedauert, bis alle 13 Waldeigentümer zugestimmt haben, denn im Endeffekt werden sie dafür auch zur Kasse gebeten. Insgesamt kosten die beiden Stichwege mit ihrer Länge von 1,65 Kilometern 128.000 Euro, auf die Gemeinde Kammlach kommen 11.000 Euro Baukosten zu, da sie auch ein Waldstück besitzt. 9.000 Euro spendiert die Gemeinde zusätzlich, um das Projekt voranzubringen, sodass der Eigenanteil auf 20.000 Euro wächst. Trotz staatlicher Zuschüsse vom Bayerischen Ministerium für Landwirtschaft und Forsten müssen die Waldbesitzer 46.000 Euro aufbringen.

Die Problematik war, dass auch alle mitmachen, sagt Wegebauspezialist Thomas Klein vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Memmingen. Er betreut das Projekt von Anfang an. 800 Euro pro Hektar müssen die Eigentümer aufbringen. Bei insgesamt 41 Hektar sei das schon eine ordentliche Summe, die nicht jeder gleich zahlen will. Manche brauchen keinen Waldweg, weil sie momentan nichts zum Abholzen haben, manchen ist es einfach zu teuer, sodass es 15 Jahre gebraucht hat, um alle von diesem Waldwegeprojekt zu überzeugen. „Die Dinge brauchen relativ lange“, sagt Klein. „Es wird erst richtig schwierig, wenn einer nicht mitmacht.“

In den Jahren der „Bedenkzeit“ wurden die staatlichen Zuschüsse höher, sodass der Eigenanteil um 200 bis 300 Euro geschrumpft ist. „Der Zuschuss ist um zehn Prozent gewachsen“, so Klein, womit das Projekt „wesentlich attraktiver“ für die Förster ist. Nachdem alle Beteiligten unterschrieben und zugestimmt haben, kann man Anfang Januar die Fördermittel beantragen und die Träger öffentlicher Belange in das Projekt einweihen.

Bis April – so der Zeitplan – soll die Zusage vom Bayerischen Ministerium für Landwirtschaft und Forsten eintrudeln, damit die Gemeinde ab Mai das Projekt ausschreiben kann. In dieser Zeit müssen Bäume weichen und Wurzelstöcke ausgerissen werden. Im Oktober soll der Bau beginnen, innerhalb von zwei bis drei Wochen soll dann alles fertig sein. 4.000 Tonnen Kies wird für die Ausschüttung der Waldwege benötigt, ganze 250 Lkw-Ladungen voll.

Zwar sind die beiden Stichwege in erster Linie für die Forstwirtschaft gedacht, aber auch Spaziergänger können diese natürlich für einen Waldspaziergang nutzen.

 Julia Böcken

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