Weltraumforschung

Sensationelle Aufnahmen aus dem Weltall zeigen Entstehung eines jungen Planeten

Die Aufnahme der „ESO“ (European Southern Observatory) zeigt, wie der Exoplanet PDS 70b im Entstehen ist.
+
Die Aufnahme der „ESO“ (European Southern Observatory) zeigt, wie der Exoplanet PDS 70b im Entstehen ist.

Wie entstehen Planeten und Planetensysteme? Eine Aufnahme aus dem All könnte Licht ins Dunkel bringen. Es handelt sich um den jüngsten bis dato abgebildeten Exoplaneten.

Texas – Es sind besondere Aufnahmen aus dem All: Bilder des „Very Large Telescope“ der Europäischen Südsternwarte (ESO) und des Weltraumteleskops „Hubble“ zeigen den bisher jüngsten – von Menschen entdeckten und fotografierten – Riesenplaneten außerhalb unseres Sonnensystems. Es geht um den Exoplaneten PDS 70b, der um den Stern PDS 70 kreist und dabei offenbar noch im Wachsen ist. Die Aufnahmen sind deshalb so spektakulär, weil sie Aufschluss darüber geben könnten, wie beispielsweise der Riesenplanet Jupiter vor Milliarden von Jahren in unserem Sonnensystem entstanden ist.

„Wir wissen nicht viel über die Entstehung von Riesenplaneten. Wir haben nun die Gelegenheit, erstmals Zeugen davon zu sein, wie Materie zu einem Planeten wird. Unsere Ergebnisse eröffnen einen neuen Forschungsansatz“, wird Brendan Bowler von der Universität Texas von der Nasa zitiert.

Aufnahmen aus dem Weltall: Junger Planet könnte Aufschluss zur Entstehung von Riesenplaneten geben

Die Entdeckung des Planeten PDS 70b geht jedoch bis in die 1990er Jahre zurück. Damals stieß zunächst ein Bild von einem Zwergstern, der 370 Lichtjahre von der Erde entfernt liegt, auf besonderes Interesse der Nasa und Esa. Die Wissenschaftler:innen entdeckten durch die Aufnahme auch eine protoplanetare Scheibe. Was so geheimnisvoll klingt, bezeichnet eine Scheibe aus Gas und Staub um einen Stern, der im Entstehen ist. Wie sich daraus aber genau ein Planetensystem bilden kann, ist eines der Geheimnisse unseres Universums und noch nicht vollständig geklärt.

Eine Illustration des sich neu bildenden Planeten PDS 70b.

2018 wurde dann der Planet PDS 70b in der Nähe des Sterns entdeckt. Dieser sehr junge Riesenplanet, der hauptsächlich aus Gas besteht, soll eine vielfach größere Masse als der Jupiter haben. Das konnten die Forscher:innen aus den Aufnahmen erschließen. PDS 70b ist 22 Mal so weit von seinem Stern entfernt wie die Erde von der Sonne, gab das Max-Planck-Institut in Heidelberg bekannt. Zudem benötige PDS 70b 227,5 Jahre für eine Umrundung seines Sterns, teilte wiederrum die Nasa mit.

Dieses Planetensystem ist so spannend, weil wir Zeugen der Entstehung eines Planeten sein können. Es handelt sich um den jüngsten Planeten, den Hubble je direkt fotografiert hat.

Yifan Zhou, Universität Texas

Spektakuläre Aufnahmen des Exoplaneten PDS 70b erstaunen Fachleute

„Dieses System ist so spannend, weil wir Zeugen der Entstehung eines Planeten sein können. Es handelt sich um den jüngsten Planeten, den Hubble je direkt fotografiert hat“, sagt Yifan Zhou von der Universität Texas. Mit seinem jugendlichen Alter von fünf Millionen Jahren sammele der Planet noch immer Materie an und bilde Masse.

Astronomie-News* und News aus der Weltraumforschung* finden Sie auf unseren Themenseiten.

Neue Aufnahmen von „Hubble“ ermöglichten den Astrophysiker:innen nun neue Details über die Entstehung des Planeten herauszufinden. Mittels der Aufnahmen können Strahlungen analysiert werden. Diese lassen Schätzungen zu, wie viel Materie sich im Umfeld des Sterns oder der Exoplaneten befindet. Daraus kann wiederum abgeleitet werden, wie stark der Exoplanet wächst oder, ob Monde entstehen. „Hubbles Aufnahmen erlauben uns zu schätzen, wie schnell der Planet an Masse gewinnt“, so der Forscher Zhou.

Die neuesten Auswertungen dieser Aufnahmen wurden von dem Forschungsteam in der April-Ausgabe des Fachblattes „The Astronomical Journal“ veröffentlicht. Auch ein weiterer Planet, PDS 70c genannt, wurde bereits 2019 in dem faszinierenden Planetensystem entdeckt. Die Nasa konnte die beiden Exoplaneten und das Planetensystem in einer Animation nachbilden. Obwohl bereits rund 4000 Exoplaneten registriert worden sind, konnten nur 15 direkt durch ein Teleskop fotografiert werden. Erst kürzlich gab ein Nasa-Bild eines Exoplaneten Hinweise auf eine zweite Atmosphäre. (Delia Friess) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare