Auch in Minnesota gibt es Demonstrationen

Äthiopien: Prominenter Sänger erschossen - mindestens 90 Menschen sterben bei Protesten 

Die Tötung des äthiopischen Sängers Hachalu Hundessa löste auch in Minnesota Proteste bei der dortigen Oromo-Bevölkerung aus.
+
Die Tötung des äthiopischen Sängers Hachalu Hundessa löste auch in Minnesota Proteste bei der dortigen Oromo-Bevölkerung aus.

Ein bekannter Sänger ist in Äthiopien erschossen worden. Nun gibt es in der Hauptstadt Proteste. Mindestens 90 Menschen sind bislang gestorben.

  • In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba kam es nach dem Tod des prominenten Sängers Hachalu Hundessa zu Protesten.
  • Dabei sind innerhalb von zwei Tagen mindestens 90 Menschen getötet worden.
  • Der Hintergrund der Tat ist bislang unklar. Derzeit dauern die Ermittlungen an.

Update vom 2. Juli, 12.36 Uhr: 

Innerhalb von zwei Tagen sind bei Protesten nach der Ermordung eines beliebten Sängers sind in Äthiopien mindestens 90 Menschen getötet worden. Bei drei der Getöteten handele es sich um Mitglieder einer Spezialkräfte-Einheit der Polizei, sagte der Polizeichef der Region Oromia, Ararsa Merdasa, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. 

Am Montagabend war der Sänger Hachalu Hundessa in der Hauptstadt Addis Abeba erschossen worden, danach kam es unter anderem dort zu Ausschreitungen. Halachu gehörte den Oromo, der größten Volksgruppe in Äthiopien, an. Der Hintergrund des Mordes war zunächst unklar. Laut Polizeiangaben wurden „einige“ Verdächtige festgenommen. Äthiopien mit seinen 100 Millionen Einwohnern ist ein Vielvölkerstaat. Dort kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen den Volksgruppen kommt. Als Reaktion auf die Unruhen kappte die Regierung am Dienstag alle Internetverbindungen im Land.

Bei Protesten in Äthiopien: Offenbar Onkel des ermordeten Sängers ebenfalls getötet

Gewalttätige Ausschreitungen gab es am Mittwochabend vor allem in Hundessas Heimatstadt Ambo. Oromo-Vertreter hatten gefordert, Hundessa in der Hauptstadt Addis Abeba zu beerdigen. Historisch gesehen war Addis Abeba ein Zentrum der Oromo-Kultur. Vertreter der Volksgruppe beklagen jedoch, von dort vertrieben worden zu sein. Nach Angaben Ararsas gab es in der Stadt unter anderem einen Anschlag mit einer Handgranate auf das Haus von Hundessas Familie. Dabei sei ein Onkel des Sängers getötet und zwei Polizisten verletzt worden.

Am Donnerstag soll Hundessa bestattet werden. Sein Leichnam sei bereits in Ambo eingetroffen, sagte der kommunale Sprecher Milkessa Beyene. Polizeichef Ararsa ermahnte die Menschen zur Ruhe im Vorfeld der Beerdigung. Unterdessen hat es offenbar auch in Minnesota in den vergangenen Tagen Proteste wegen der Ermordung von Hundessa gegeben. Mitglieder der dortigen Oromo Community nahmen an den Demonstrationen teil und forderten „Justice für Hachalu Hundessa“ (auf Deutsch: Gerechtigkeit für Hachalu Hundessa“). In dem Staat sorgten zuletzt Proteste nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd* bei einem brutalen Polizeieinsatz für Aufruhr. 

Proteste in Äthiopien wegen Tötung eines prominenten Sängers

Erstmeldung vom 30. Juni 2020:

Addis Abeba - Der Tod eines prominenten äthiopischen Sängers und Aktivisten hat in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba Proteste ausgelöst. Viele Hauptverkehrsadern seien blockiert und Menschen würden Reifen verbrennen, berichtete ein dpa-Reporter am Dienstag. In mehreren Stadtteilen sei Rauch über Dächern zu sehen. Auch das Internet sei abgeschaltet worden.

Zuvor sei Hachalu Hundessa, ein bekannter Sänger der äthiopischen Bevölkerungsgruppe der Oromo, erschossen worden, berichteten äthiopische Medien. Der Hintergrund der Tat war zunächst unklar. Regierungschef Abiy Ahmed sprach sein Beileid aus und twitterte, dass man die Ergebnisse einer Ermittlung erwarte. Hachalu wird von vielen Oromo als ein Verfechter der Rechte der Bevölkerungsgruppe angesehen.

Äthiopien: Bekannter Sänger wird erschossen - andauernde Ethische Spannungen verschärfen sich

Die Oromo - die größte ethnische Gruppe in dem Vielvölkerstaat - fühlten sich jahrelang von der autoritären Regierung vernachlässigt. Andauernde Proteste in den Regionen Oromia und Amhara führten schließlich 2018 zum Rücktritt des Regierungschefs und dem Amtsantritt seines Nachfolgers Abiy. Dieser - selbst ein Oromo - wird als Reformer gesehen und erhielt unter anderem wegen seiner Befriedungsbemühungen am Horn von Afrika den Friedensnobelpreis. Allerdings sind unter Abiy ethnische Spannungen und Konflikte wieder stark angestiegen. (dpa)

In den USA gibt es unterdessen Seite Ende Mai lautstarke Proteste wegen der Tötung des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz. Nun wurde der Termin für den Prozessauftakt bekannt.

Und auch in Hongkong protestierten Bürger während der vergangenen Wochen. Dort versuchten sich die Menschen gegen ein umstrittenes Sicherheitsgesetz der chinesischen Regierung zu wehren. Allerdings wohl ohne Erfolg: An diesem Dienstag (30. Juni) wurde das Gesetz offiziell erlassen. Weitere Informationen dazu erhalten Sie im nachfolgenden Video. (AFP/cia) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Szene von Greta Thunberg und Donald Trump ging um die Welt: Schwedin spricht nun über ihre Reaktion
Szene von Greta Thunberg und Donald Trump ging um die Welt: Schwedin spricht nun über ihre Reaktion
ARD-Kommentatorin kritisiert Schul-Lockdown - und triggert den Frust der Eltern über Laschet & Co.
ARD-Kommentatorin kritisiert Schul-Lockdown - und triggert den Frust der Eltern über Laschet & Co.
Joshua Wong von Wahl in Hongkong ausgeschlossen
Joshua Wong von Wahl in Hongkong ausgeschlossen
Kretschmann: Urlaub im Ausland nicht angemessen
Kretschmann: Urlaub im Ausland nicht angemessen

Kommentare