News-Ticker

Afghanistan: Dritter deutscher Evakuierungsflug aus Kabul gestartet - weitere Maschine steht bereit

Die Machtübernahme der Taliban versetzt die afghanische Bevölkerung in Panik. Nun konnten die ersten Menschen durch den deutschen Evakuierungsflug gerettet werden.

  • Die Lage in Afghanistan ist nach dem Vormarsch der Taliban weiter prekär - auch hunderte deutsche Ortskräfte sind wohl in Gefahr*.
  • Unterdessen laufen wieder Evakuierungsflüge der Bundeswehr an. In einem ersten Flug konnten offenbar nur sieben Menschen aus Kabul gerettet werden (Update von 9.08 Uhr), ein zweiter landete am Dienstagnachmittag (Update 13.36 Uhr), zwei weitere sind geplant (16.37 Uhr).
  • Am Dienstagabend landete der erste Evakuierungsflieger sicher in Deutschland. Die Menschen an Bord sind damit gerettet (siehe Update vom 17. August, 18.10 Uhr), ein weiteres Flugzeug ist unterwegs (Update 22.03 Uhr). Wie es für die Ortskräfte weitergeht, bleibt allerdings unklar (Update 21.37 Uhr).

+++ Dieser News-Ticker ist beendet - über die neuesten Entwicklungen in Afghanistan am Mittwoch, 18. August, halten wir Sie in unserem neuen Ticker auf dem Laufenden +++

Update vom 17. August, 22.03 Uhr: Neue Hoffnung für die Menschen am Flughafen Kabul. Offenbar hat vor wenigen Minuten der dritte Evakuierungsflieger der Bundeswehr die afghanische Hauptstadt verlassen. An Bord seien 139 Menschen, teilte Außenminister Heiko Maas (SPD) im „heute journal“ des ZDF mit. Eine weitere Maschine stehe bereit und soll in den nächsten Stunden fliegen. „Im Moment sind die Tore am Flughafen geschlossen, sobald die wieder geöffnet sind, werden wir diesen Betrieb fortsetzen.“

Update vom 17. August, 21.37 Uhr: Die ersten Menschen sind sicher von Afghanistan aus in Deutschland angekommen. Bei den ersten Heimkehrern handelte es sich um Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kabul, die am Dienstag auf dem Hauptstadtflughafen BER landeten.

Zuvor hatte die Lufthansa mitgeteilt, dass ihre erste Maschine mit aus Kabul ausgeflogenen Menschen in der Nacht zum Mittwoch in Deutschland ankommen werde. Die von der Bundesregierung gecharterte Maschine nimmt die Menschen demnach in der usbekischen Hauptstadt Taschkent auf. Dort hat die Luftwaffe ein Drehkreuz für ihre Evakuierungsflüge aus Kabul eingerichtet. In Taschkent sollen 180 weitere Menschen aus Kabul ankommen. Bislang hatte die Luftwaffe 132 Menschen aus Kabul dorthin ausgeflogen.

Die Situation für die Ortskräfte in Kabul bleibt allerdings angespannt. Ob überhaupt noch Menschen gerettet werden können, sei nach aktuellen Informationen sogar fraglich. „Wenn wir noch jemanden retten, haben wir viel Glück“, sagte Bundeswehr-Hauptmann Marcus Grotian am Abend.

Afghanistan: USA und Deutschland verhandeln mit Taliban - Zusage für „sichere Durchfahrt“

Update vom 17. August, 20.22 Uhr: Wie Deutschland wollen auch die USA in direkte Verhandlungen mit den Taliban treten. Die USA führen mit den radikalen Islamisten Gespräche über einen Zugang von ausreisewilligen Zivilisten zum Flughafen der Hauptstadt Kabul. Die Taliban hätten zugesagt, dass Zivilisten eine „sichere Durchfahrt“ zum Flughafen gewährt werden solle, sagte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, am Dienstag im Weißen Haus. An dieser Zusage würden die Islamisten auch gemessen.

Update vom 17. August, 19.17 Uhr: Die Bundesregierung will sich in Gesprächen mit Taliban-Vertretern um Ausreisemöglichkeiten für einheimische Ortskräfte in Afghanistan bemühen. Der deutsche Botschafter in Kabul, Markus Potzel, sei in die katarische Hauptstadt Doha gereist, wo US-Vertreter mit Taliban-Repräsentanten im Gespräch sind, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Dienstagabend in Berlin.

Der Diplomat wolle in seinen Gesprächen in Doha darauf hinwirken, „dass auch Ortskräfte sich an den Flughafen begeben können und auch ausgeflogen werden können“, sagte Maas. Bislang können nach seinen Angaben nur ausländische Staatsbürger die Taliban-Kontrollposten auf dem Weg zum Flughafen der Hauptstadt Kabul passieren, afghanische Bürger würden zurückgewiesen.

Afghanistan: Erster Rettungsflieger sicher in Deutschland gelandet - Botschaftsmitarbeiter gerettet

Update vom 17. August, 18.10 Uhr: Die ersten Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kabul sind nach ihrer Evakuierung aus Afghanistan zurück in Deutschland. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur landeten sie am Dienstagnachmittag mit einer Linienmaschine auf dem Berliner Hauptstadtflughafen in Schönefeld.

Update vom 17. August, 16.37 Uhr: Die deutschen Evakuierungsflüge nach Afghanistan haben begonnen. Mit der ersten Maschine wurden nur sieben Menschen ausgeflogen. Sie brachte aber Bundeswehr-Soldaten zur Absicherung der weiteren Evakuierungsflüge an den Flughafen Kabul. Ein zweites Flugzeug flog dann 125 Menschen aus, wie Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Nachmittag mitteilte. An Bord seien deutsche und afghanische Staatsbürger sowie Menschen aus anderen Ländern gewesen. Für Dienstag seien noch zwei weitere Flüge geplant.

Afghanistan: Bundeswehr-Flieger aus Kabul mit 125 Menschen sicher gelandet - aber Drama um Mädchen auf Flug

Update vom 17. August, 16.05 Uhr: Das zweite Bundeswehr-Flugzeug soll sicher in Usbekistan gelandet sein. Das berichtet Bild.de. 125 Passagiere seien an Bord gewesen. Darunter hätten sich neben deutschen Staatsbürgern auch Bürger von anderen NATO-Ländern sowie ein drei Jahre altes Mädchen aus Afghanistan befunden, so die Zeitung weiter. Das Mädchen sei während dem Flug kollabiert, mittlerweile gehe es ihr wieder gut.

Update vom 17. August, 14.35 Uhr: In Deutschland mehreren sich die Forderungen nach politischen Konsequenzen für die offenbar viel zu spät angelaufene Evakuierungsaktion in Afghanistan. „In früheren Zeiten wurden Kabinette umgebildet und Ministerinnen und Minister bei Verfehlungen entlassen“, sagte Linke-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch der Rheinischen Post. In Angela Merkels Regierungszeit habe sich aber eine „Unkultur der politischen Verantwortungslosigkeit eingeschlichen“, die dem Ansehen der Politik insgesamt schade. „Dass zigtausende Menschen in Afghanistan, auch aufgrund der Behäbigkeit der Bundesregierung, um ihr Leben bangen, und der Außenminister und die Verteidigungsministerin offenbar gelassen im Amt weitermachen, ist Ausdruck dieser verantwortungslosen Praxis“, urteilte Bartsch.

Die FDP-Abgeordnete Agnes-Marie Strack-Zimmermann hatte bereits am Montagabend im TV-Sender Phoenix den Rücktritt von Verteidigungsminister Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) gefordert. Die Bundesregierung sei „völlig von der Rolle“ und habe „versagt“, urteilte sie. Schon seit Jahren hätten die Liberalen eine Exit-Strategie angemahnt. Zugleich seien noch vor wenigen Wochen Mahnungen mit Blick auf die Lage in Afghanistan brüsk zurückgewiesen worden. „Sowohl Heiko Maas als auch Annegret Kramp-Karrenbauer sollten den Hut nehmen, es sind Ministerinnen und Minister für wesentlich weniger zurückgetreten“, fügte Strack-Zimmermann hinzu.

Afghanistan: Zweiter Bundeswehr-Flug startet in Kabul mit 120 Menschen

Update vom 17. August, 14.14 Uhr: Der zweite Bundeswehr-Evakuierungsflug aus Kabul ist gestartet. An Bord befanden sich laut einem Bericht der Bild diesmal rund 120 Menschen, neben Deutschen seien auch Bürger von anderen Nato-Mitgliedsstaaten ausgeflogen worden. Sonderregeln hätten es gestattet, übliche Vorschriften in Bezug auf Sitzplätze oder Gurte zu ignorieren und so die Passagierzahl zu erhöhen.

Afghanistan: Nächster Bundeswehr-Flug in Kabul gelandet - Vertraulicher Bericht zeigt neuen Plan

Update vom 17. August, 13.36 Uhr: Mit der Landung eines zweiten Transportflugzeugs auf dem Flughafen von Kabul hat die Bundeswehr am Dienstag ihre Evakuierungsmission in Afghanistan fortgesetzt. „Wir nehmen alles mit, was vom Platz her in unsere Flugzeuge passt“, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU*) in Berlin. Das betreffe deutsche Staatsbürger, gefährdete Afghanen und Staatsbürger verbündeter Nationen. Mit Blick auf die afghanischen Ortskräfte gibt es allerdings düstere Prognosen und auch Vorwürfe - laut einem Bundeswehr-Hauptmann wurden Lösungsvorschläge beharrlich ignoriert.

Die Bundeswehr will derweil noch im Laufe des Dienstags mehr Soldaten an den Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul verlegen, um die Evakuierungsflüge der Luftwaffe abzusichern. Dies geht aus einem vertraulichen Sachstandsbericht des Bundesverteidigungsministeriums für den Bundestag hervor, welcher der Nachrichtenagentur AFP vorliegt. Die Soldaten sollen demnach vom Drehkreuz Taschkent im benachbarten Usbekistan nach Kabul verlegt werden.

Ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe.

Afghanistan: Nächster Bundeswehr-Flug unterwegs - „Immer mehr Taliban-Checkpoints“ bereiten Sorge

Update vom 17. August, 12.50 Uhr: Ein zweiter Evakuierungsflug der Bundeswehr ist mittlerweile auf dem Weg nach Kabul: Eine Maschine des Typs A400M sei um 11.40 Uhr deutscher Zeit in Taschkent gestartet, berichtet die Bild. Die Ankunft sei auf 13.30 Uhr taxiert.

Auch in Afghanistan laufen nun die Vorbereitungen: Bis zu Ankunft des Fliegers sollten „so viele der rund 80 deutschen Staatsbürger wie möglich zum Militär-Flughafen gelotst werden“, twitterte Spiegel-Reporter Matthias Gebauer am Mittag. Auch dabei gibt es ihm zufolge Hindernisse: „Immer mehr Checkpoints der Taliban“ machten „die Sache nicht einfacher“.

Afghanistan: Taliban nun an der Macht - Deutschland stoppt Entwicklungshilfe

Viele Afghanen versuchen, verzweifelt in die Flugzeuge am Flughafen in Kabul zu gelangen.

Update vom 17. August, 12.30 Uhr: Nach der faktischen Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat die Bundesregierung die staatliche Entwicklungshilfe für das Land ausgesetzt. Das sagte Entwicklungsminister Gerd Müller am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur und der Rheinischen Post.

Alle deutschen und internationalen Mitarbeiter der für die staatliche Entwicklungshilfe zuständigen Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hätten sicher das Land verlassen, ergänzte Müller. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Ortskräfte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und mit uns kooperierender Hilfsorganisationen, die dies wollen, sicher aus Afghanistan zu bringen“

Afghanistan war bisher die Nummer eins unter den Empfängerländern deutscher Entwicklungshilfe. Für dieses Jahr waren 250 Millionen Euro veranschlagt.

Afghanistan: Laschet attestiert „größtes Nato-Debakel“ - Steinmeier sieht Mitverantwortung für „Zäsur“

Update vom 17. August, 12.00 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in drastischen Worten eine Mitschuld auch Deutschland an der für viele Menschen verheerenden Lage in Afghanistan eingeräumt. „Die Bilder der Verzweiflung am Flughafen von Kabul sind beschämend für den politischen Westen. Umso mehr müssen wir jetzt zu denen stehen, denen wir durch ihre Arbeit und Unterstützung für ihren Einsatz verpflichtet sind“, sagte er am Dienstag. „Wir erleben in diesen Tagen eine menschliche Tragödie, für die wir Mitverantwortung tragen, und eine politische Zäsur, die uns erschüttert und die Welt verändern wird“.

Auch CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet* äußerte mit einem Tag Abstand Bestürzung über die Bilder aus Afghanistan. „Schrecklich, man erlebt Ohnmacht“, sagte Laschet dem Redaktionsnetzwerk Deutschland bei einer Veranstaltung in Warnemünde: „Das ist das größte Debakel, dass die Nato seit ihrer Gründung erlebt hat.“ Eine Lehre sei, dass das Konzept, militärisch einzugreifen, um eine Diktatur zu beenden und eine Demokratie aufzubauen, komplett gescheitert ist“, sagte der CDU-Chef.

Außenminister Heiko Maas (SPD) erwartet unterdessen weitere Evakuierungsflüge aus Kabul an diesem Dienstag. „Die Lage am Flughafen in Kabul hat sich weiter stabilisiert“, schrieb Maas am Vormittag auf Twitter. „Die Botschaft hat daher eine erste Gruppe zu Evakuierender kontaktiert, um ihren Abflug zu ermöglichen.“

Afghanistan in Not: Sorge vor großen Geflüchteten-Strömen - auch Nachbarland will Grenzen dichtmachen

Update vom 17. August, 11.21 Uhr: Innenminister Horst Seehofer (CSU) rechnet mit enormen Geflüchteten-Zahlen nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan: In einer Unterrichtung der Bundestagsfraktionschefs sprach er von bis zu fünf Millionen Menschen, die das Land verlassen könnten. Weiter verdeutlichen Bilder aus dem Krisengebiet die Notlage: Aktuell sind es Aufnahmen aus einer völlig überfüllten US-Transportmaschine* auf einem Evakuierungsflug aus Kabul.

Deutschland und andere EU-Staaten (siehe voriges Update) wollen dabei erklärtermaßen nicht zum Ziel werden. Doch offenbar ist auch in Afghanistans Nachbarschaft die Bereitschaft zur Aufnahme der Menschen gering: Usbekistan will Fluchtbewegungen in das eigene Staatsgebiet verhindern. Jeder Versuch, die Grenze zu verletzen, werde gemäß usbekischem Recht strikt unterbunden, teilte das Außenministerium am Dienstag in der Hauptstadt Taschkent mit. Die Ex-Sowjetrepublik in Zentralasien stehe in Fragen des Grenzschutzes und zur Lage an der Grenze eng in Kontakt mit den militant-islamistischen Taliban. Dem Außenministerium zufolge will Usbekistan an den traditionell freundschaftlichen und guten nachbarschaftlichen Beziehungen zu Afghanistan festhalten.

Update vom 17. August, 10.36 Uhr: Der Westen ist bei der Befriedung Afghanistans gescheitert - nun wollen erste Länder Vorkehrungen gegen das Ankommen großer Zahlen Geflüchteter treffen. „Wir wollen nicht, dass unser Land das Einfallstor der EU für Menschen wird, die nach Europa aufbrechen wollen“, sagte Griechenlands Migrationsminister Nitos Mitarakis am Dienstag im griechischen Staatsfernsehen ERT.

beraten. Eine gemeinsame Migrationspolitik sei notwendig, sagte Mitarakis. Sein Land werde weiterhin scharf die See- und Landesgrenzen zur Türkei überwachen: „Wir wollen kein neues 2015 erleben.“ Das Thema war auch in Deutschland bereits am Montag hochgekocht*.

Kabul: Neuer Bundeswehr-Rettungsflug steht bevor - „es warten hunderte Passagiere“

Update vom 17. August, 10.20 Uhr: Offenbar steht ein weiterer Rettungsflug der Bundeswehr in Kabul bevor - um 11.30 Uhr deutscher Zeit soll nach Informationen der Bild ein Flieger aus der usbekischen Hauptstadt Taschkent gen Afghanistan starten. Demnach gibt es große Herausforderungen bei der Durchführung der Flüge. „Am Flughafen warten hunderte Passagiere. Unsere Soldaten müssen per Lautsprecherdurchsage identifizieren, wer NATO-Staatsbürger ist und wer gültige Dokumente hat“, zitiert das Blatt eine Quelle aus „Sicherheitskreisen“.

Dringend vermieden werden soll wohl auch ein Problem des Vortages: Am Montag hatte laut Spiegel ein A400M-Transportflugzeug fünf Stunden lang wegen chaotischer Verhältnisse auf dem Rollfeld über dem Flughafen in Kabul kreisen müssen; der Kraftstoff sei bereits knapp geworden, heißt es. Eine weitere Maschine habe gar den Anflug abbrechen und zum Nachtanken nach Usbekistan zurückkehren müssen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer beschrieb die final doch noch mögliche Landung als „halsbrecherisch“ (siehe Update von 8.41 Uhr).

Bundeswehr-Rettung aus Afghanistan: Offenbar nur eine Ortskraft an Bord, KSK nun in Kabul

Update vom 17. August, 9.52 Uhr: Neue Details zum Rettungsflug aus Kabul: Nach Informationen der dpa handelt es sich bei den von der Bundeswehr aus Afghanistan Ausgeflogenen um fünf Deutsche, eine Person aus einem anderen europäischen Land und eine afghanische Ortskraft, die für die Bundeswehr oder ein Bundesministerium tätig war oder ist. Laut einem Bericht der Bild war mit dem Flugzeug auch die Eliteeinheit KSK in Kabul eingetroffen. Sie soll gemeinsam mit US-Truppen den Flughafen absichern, wie das Blatt schreibt.

Die radikalislamischen Taliban haben unterdessen eine Generalamnestie für alle afghanischen Regierungsmitarbeiter verkündet. Die Islamisten forderten die Beamten am Dienstag auf, an ihrem Arbeitsplatz zurückzukehren. „Sie sollten mit vollem Vertrauen in Ihren Alltag zurückkehren“, hieß es in einer Erklärung der Islamisten.

TV-Bilder des Senders Al-Jazeera zeigen eine Straßenszene aus Kabul nach der Machtübernahme der Taliban.

Afghanistan: Bundeswehr startet Rettungsflüge - Auswärtiges Amt erklärt Gründe für kleinen Kreis an Ausgeflogenen

Update vom 17. August, 9.08 Uhr: Das Auswärtige Amt hat weitere Details zum Rettungsflug der Luftwaffe in Kabul geteilt - und die geringe Anzahl der Passagiere begründet: „Aufgrund der chaotischen Umstände am Flughafen und regelmäßiger Schusswechsel am Zugangspunkt war gestern Nacht nicht gewährleistet, dass weitere deutsche Staatsangehörige und andere zu evakuierende Personen ohne Schutz der Bundeswehr überhaupt Zugang zum Flughafen erhalten würden“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Dienstag zur Begründung.

Ein Zugang von Personen, die sich am zivilen Teil des Flughafens aufgehalten hätten, sei „von den Partnern, die die Sicherheitsverantwortung am Flughafen ausüben, nicht ermöglicht“ worden, erklärte der Sprecher weiter. Das Flugzeug habe den Flughafen außerdem nach kurzer Zeit wieder verlassen müssen. „Aufgrund der gerade abends und nachts äußerst gefährlichen Lage auf den Zufahrtswegen zum Flughafen wäre es ein untragbares Risiko für Leib und Leben der Menschen vor Ort gewesen, die zu Evakuierenden vor Erteilung der Landeerlaubnis und vor Sicherung des Zugangs durch Bundeswehrkräfte aufzurufen, sich zum Flughafen zu begeben.“

Die Bundeswehr hatte erst mit dieser ersten Maschine auch die Fallschirmjäger der für Evakuierungsaktionen speziell ausgebildeten Division Schnelle Kräfte nach Kabul bringen können.

Afghanistan: Bundeswehr startet Rettung - bekommt aber nur sieben Menschen von Liste an Bord

Update vom 17. August, 8.41 Uhr: Die schwierige Bundeswehr-Mission zur Rettung von Ortskräften aus Afghanistan läuft nur schleppend an: Der CDU-Außenexperte Johann Wadephul hat am Morgen im Deutschlandfunk eine Meldung der Bild bestätigt, wonach mit dem ersten Flug nur sieben Menschen aus Kabul herausgeholt worden seien.

„Wir haben eine sehr unübersichtliche, gefährliche, komplexe Situation am Flughafen, vor allem durch die Menschenmengen“, erklärte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) im ARD-“Morgenmagazin“ .„Wir haben es gestern geschafft, in einer wirklich halsbrecherischen Landung unsere Maschine zu Boden zu bringen“, fügte die Ministerin hinzu. Es sei in erster Linie darum gegangen, Soldaten zur Absicherung der Evakuierungsflüge nach Kabul zu bringen. „Wir hatten nur ganz wenig Zeit und deswegen haben wir nur die mitgenommen, die jetzt wirklich auch vor Ort waren. Und die konnten gestern wegen der chaotischen Situation noch nicht in einer größeren Zahl am Flughafen sein“, fügte sie hinzu.

Eine zweite Transportmaschine warte derzeit auf die Freigabe der USA, um Richtung Kabul zu starten und weitere Menschen in Sicherheit zu bringen, sagte Kramp-Karrenbauer. Zur Absicherung der Flüge seien insgesamt bis 600 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr vorgesehen. Die Luftwaffe will zwischen Kabul und Taschkent eine Luftbrücke einrichten. Deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte sollen zunächst in die Hauptstadt Usbekistans ausgeflogen und dann mit Charterflugzeugen nach Deutschland gebracht werden.

Afghanistan: Bundeswehr fliegt erste Personen aus - tausende US-Soldaten am Flughafen im Einsatz

Erstmeldung: Kabul - Nach einem zehntägigen Eroberungsfeldzug durch Afghanistan* erreichten die Taliban am Sonntag die Hauptstadt Kabul, woraufhin die Regierung ihre Niederlage eingestehen musste. Auch Staatspräsident Aschraf Ghani floh vor der Machtübernahme aus dem Land. Die Bundeswehr beteiligt sich an den Evakuierungsflügen.

Die afghanische Bevölkerung ist alarmiert und sucht Wege, um ins Ausland zu fliehen. Am Montag gingen bereits schockierende Bilder vom Flughafen in Kabul um die Welt. Menschen versuchten mit aller Macht, in die startenden US-Transportflieger zu gelangen und klammerten sich teils verzweifelt an die startenden Maschinen.

Afghanistan: Bundeswehr entsendet ersten Evakuierungsflug - nur sieben Personen von Ausflugliste an Bord

Lokalen Medienberichten zufolge starben Menschen, als sie von den Flugzeugen überrollt wurden oder aus großer Höhe herunterfielen. Wie das Pentagon mitteilte, seien zwei bewaffnete Männer in der Menge von US-Soldaten getötet worden, nachdem diese die Waffen „auf bedrohliche Weise geschwungen" hatten. Etwa 6000 Soldaten wurden von der US-Regierung entsandt, um das Flugfeld zu räumen und den Flughafen zu sichern.

Die Bundeswehr brachte in der Nacht auf Dienstag die erste Gruppe von Menschen in Sicherheit, wie das Bundsverteidigungsministerium mitteilte. Wie die Bild-Zeitung berichtete und aus Regierungskreisen zu entnehmen war, waren jedoch lediglich sieben Personen von der offiziellen Ausflugliste auf dem Rückflug an Bord.

Der Flug in Richtung Usbekistan sei erst nach stundenlanger Verzögerung gestartet, da das US-Militär den Flugverkehr nach dem Ansturm tausender Personen bis Abends aussetzte. Auch andere Staaten wie die USA oder eben Deutschland arbeiten derzeit unter Hochdruck daran, ihr ziviles Personal aus dem Krisengebiet auszufliegen.

Afghanistan: Luftbrücke über Usbekistan geplant - Bundeskanzlerin Merkel spricht von „furchtbarer“ Lage

Unklar ist noch, wie viele Menschen beim ersten Evakuierungsflug der Bundeswehr an Bord waren. Wie das Ministerium erklärte, sollen eigene Soldaten in Kabul weitere derartige Transporte vorbereiten. Zwischen Kabul und der usbekischen Hauptstadt Taschkent will die Luftwaffe eine Luftbrücke einrichten, um deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte aus dem zentralasiatischen Land mit Charterflügen nach Deutschland zu bringen*.

In westlichen Ländern war die Bestürzung nach der raschen Machtübernahme groß. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Lage am Montag als „furchtbar für die Millionen Afghanen, die sich für eine freie Gesellschaft eingesetzt haben“.

US-Präsident Joe Biden steht hingegen weiter hinter seiner Entscheidung, nachdem er im Zuge des chaotischen Truppenabzugs und der Übernahme des Taliban-Regimes in die Kritik geraten war. „Ich stehe aufrecht hinter meiner Entscheidung“, gab Biden in einer Fernsehansprache zu verstehen. US-Soldaten sollten demnach „nicht in einem Krieg kämpfen und sterben, den die afghanischen Streitkräfte selbst nicht kämpfen wollen“. Er bedaure seine Entscheidung nicht, auch wenn er „tief traurig“ über die Zustände in Afghanistan sei, fügte er hinzu.

Am Dienstag beriefen Nato-Botschafter und der EU-Außenminister eine Krisensitzung in Brüssel ein, auch ein virtueller G7-Gipfel soll in den kommenden Tagen organisiert werden. (ajr) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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